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Der „Block Beuys“ kam 1970 zunächst als Leihgabe der Sammlung Karl Ströher ins Hessische Landesmsueum Darmstadt.

Kunst

Joseph Beuys in Darmstadt: Das Hessische Landesmuseum feiert 50 Jahre „Block Beuys“

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Das weltweit größte Werkensemble von Joseph Beuys wurde 1970 von dem provokanten Aktionskünstler in Darmstadt installiert.

Er provozierte, er inspirierte, und er polarisierte. An Joseph Beuys, dem Künstler mit dem Krempenhut, dem Filz und der Fettecke, der sich selbst zur mythischen Kultfigur stilisierte, reiben sich bis heute an zeitgenössischer Kunst interessierte Museumsbesucher. „Seine Kunstwerke haben sich mir nie so richtig erschlossen“, sagte gestern eine Frau, die eine Ausstellung im Hessischen Landesmuseum Darmstadt zum Anlass nehmen will, sich intensiver mit dem Werk des 1921 geborenen und 1986 verstorbenen Künstlers auseinanderzusetzen.

Im April 1970, also vor bald 50 Jahren, installierte Beuys nach einer zweijährigen internationalen Ausstellungstournee seinen „Block Beuys“ im Museum am Friedensplatz, das in diesem Jahr seit 200 Jahren besteht. Mit 290 Arbeiten in sieben Räumen ist das „Kraftwerk Block Beuys“ – so der Titel der Jubiläumsausstellung – heute das weltweit größte Werkensemble. Zugleich bildet der Werkkomplex „ein faszinierendes Künstlermuseum im Museum“, sagt Kuratorin Gabriele Mackert.

Darmstadt: Kunstsammler Karl Ströher kaufte Werke von Joseph Beuys an

Der Darmstädter Unternehmer, Kunstsammler und Kunstmäzen Karl Ströher, Sohn des Wella-Gründers Franz Ströher, hatte 1967 alle Werke aus Beuys‘ Ausstellung im neuen Museum Mönchengladbach gekauft und sich zugleich ein Vorkaufsrecht für weitere Arbeiten exklusiv gesichert.

Zum 50. Jubiläum erinnert das Landesmuseum nun mit rund 300 Fotografien, Partituren, Filmen, Plakaten und weiteren Dokumenten an die Entstehung und den Veränderungsprozess des Werks. Für Kuratorin Mackert ist das „Wunderwerk“, das der exzentrische Ausnahmekünstler im Landesmueum platzierte, „eine einzigartige Schule des Wahrnehmens, Entdeckens und Fragens“. Museumsbesucher haben bisweilen den Eindruck, sie befänden sich in einer Rumpelkammer oder in einem Lager, wenn sie mit den Aktionsobjekten wie etwa den aufeinandergestapelten und mit Kupferplatten bedeckten Filzmatten konfrontiert werden.

Andere Betrachter fühlen sich hingegen an ein Atelier – dem Zentrum künstlerischer Produktion – erinnert, das Beuys gerade eben erst verlassen habe. Nach der umfassenden Sanierung des Museums in den Jahren 2008 bis 2014 wurden die Objekte exakt wieder an den Stellen positioniert, wo sie der Künstler einst selbst platziert hatte – dadurch blieb der spezielle Charakter erhalten. Auf wissenschaftliche Hinweise und Erläuterungen wird nach wie vor, entsprechend Beuys’ Konzept, ganz bewusst verzichtet.

Darmstadt: Ausstellung „Kraftwerk Block Beuys“ mit rund 100 Leihgaben

Und der universelle Anspruch des einstigen Professors der Düsseldorfer Kunstakademie passt auch sehr gut zum universalen Sammlungsgedanken des Landesmuseums, das vor 200 Jahren entstand, als Großherzog Ludewig I. von Hessen-Darmstadt die fürstliche Sammlung an den Staat und damit an die Öffentlichkeit übergab.

Der „Block Beuys“ kam 1970 zunächst als Leihgabe der Sammlung Karl Ströher ins Hessische Landesmuseum Darmstadt. 1989, drei Jahre nach Beuys‘ Tod, erwarben die Hessische Kulturstiftung und die Kulturstiftung der Länder den Werkkomplex, der seitdem unangetastet geblieben ist. Lediglich die architektonische Umgebung wie die Wände und der Boden, die nach Angaben des Museums „nicht ein konzeptioneller Teil des Werkkomplexes“ war, wurde während der Sanierung verändert und erneuert.

Die Ausstellung „Kraftwerk Block Beuys“ beleuchtet umfassend den Zusammenhang von ausgewählten Werken des Künstlers und seinen bisweilen verstörend wirkenden Aktionen. Veranschaulicht wird, wie er mit den Objekten aus seinem „Block“ hantierte. Als prominente Leihgabe der Galerie Thaddaeus Ropac in Salzburg ist die Installation „Kleines Kraftwerk“ aus Kupfer, Eisen und Filz zu sehen, die von 1984 bis 1987 in Raum 3 Teil von „Block Beuys“ war. Für die Ausstellung hat das Landesmuseum rund 100 Exponate von mehreren Leihgebern erhalten.

Rahmenprogramm

Zur Ausstellung „Kraftwerk Block Beuys“, die vom 14. Februar bis 24. Mai im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, Friedensplatz 1, gezeigt wird, gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm.

Öffentliche Führungen beginnen sonntags um 15 Uhr und mittwochs um 18.30 Uhr. Vorführungen eines „Lichtbogen-Experiments“ stehen am 16. Februar, am 8. März, am 22. März sowie am 19. April jeweils ab 16 Uhr auf dem Programm. Ein Poetry Slam beginnt am Freitag, 27. März, um 19.30 Uhr.

Eine Tagung mit dem Titel „Das Museum als permanente Konferenz“ findet am 28. und 29. März statt.

Eine Podiumsdiskussion widmet sich am Samstag, 9. Mai, dem Thema „Kreativität ist die einzige revolutionäre Kraft: Kunst und Politik“. jjo

www.hlmd.de

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