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Ein Herz für Tauben

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Die Stadt will Bestände mit Gipseiern kontrollieren. Paten für Taubenschläge werden gesucht.

Wenn man an Tiere in der Stadt denkt, fallen einem Tauben recht schnell ein. In Darmstadt leben nach einer Zählung im November 2011 etwa 5000. Das Verhältnis der Menschen zu diesen Vögeln ist gespalten: Es gibt Liebhaber, die sie trotz Verbot füttern, und es gibt Tauben-Hasser, die mit der Zwille und Gift-Ködern auf die „Ratten der Lüfte“ Jagd machen.

Stammform der Stadttauben sind die Felsentauben, die ihre Brutplätze in Felswänden und Höhlen finden. Stadttauben brüten zur Not auch auf ungeschützten Fassaden oder in Regenrinnen. Problematisch sind die Vögel immer dann, wenn sie in Massen auftreten. Nach einer Studie von Biologen der Universität Basel erzeugt jede Straßentaube etwa zwölf Kilo Kot pro Jahr. Taubenkot zersetzt Steine und Beton und kann mehr als 100 Krankheitserreger enthalten, die meisten für Menschen ungefährlich.

Kot ist Hauptproblem

Die Tiere koten übrigens bevorzugt an Ruhe- und Brutplätzen – und genau da setzt das Augsburger Modell an, mit dem auch die Stadt Darmstadt die Taubenpopulation eingrenzen möchte. Das Modell setzt auf ein friedliches Miteinander. Die Tiere sollen in speziellen Taubenschlägen ihr Futter bekommen. Damit wären sie weg von der Straße. Durch den Austausch von Taubeneiern gegen Gipsattrappen hofft die Stadt zudem, dass damit auch der Bestand dezimiert wird.

Die Stadt stellt dafür auch Geld zur Verfügung: Bis zu 3000 Euro kann die Einrichtung eines Taubenschlages etwa in einem Dachgeschoss kosten. Zwei Schläge gibt es derzeit auf dem EAD-Gelände und auf dem Firmengelände der Evonik Industries AG. Auch das Tierheim hat einen.

Tierheimleiter Christian Zentgraf ist ein Taubenfreund. Das Modellvorhaben könnte klappen, glaubt er. Allerdings nur dann, wenn möglichst viele Darmstädter zu Taubenschützern werden. In einem Taubenschlag haben nur etwa 160 Vögel Platz. Um Tausende der Tiere versorgen zu können, braucht es viel mehr Betreuer und Plätze. Und die Tauben müssen mit Futter angelockt werden.

Gegen das generelle Fütterungsverbot verstößt bereits seit Jahren eine Frau, die mehrfach vom Ordnungsamt mit Platzverweisen und Bußgeldern belegt wurde, gegen die sie regelmäßig Widerspruch einlegt. Um ihr Auto als Tatwerkzeug (Transport des Futters) zu beschlagnahmen oder ihr den Führerschein zu entziehen, müsste die Landespolizei ausreichende Beweise liefern. Das sei bisher gescheitert, sagt Pressesprecherin Sigrid Dreiseitel.

Zentgraf hat für Menschen, die Tiere füttern, Verständnis. Er regt daher an, alle Fütterer in das Taubenschlag-Projekt einzubinden. Am 23. Juni ist dazu eine Info-Veranstaltung im Tierheim geplant. (hin.)

Taubenbetreuer können sich über das Umwelttelefon unter 06151/133313 melden.

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