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Ein Öko mit Herz für Kinder

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Entspannung findet Eckhard Woite in seinem Garten.
Entspannung findet Eckhard Woite in seinem Garten. © Guido Schiek

Eckhard Woite, der Erfinder der Nabu-Jugendgruppe „Wühlmäuse“, wird 75 Jahre alt. Die Liebe zur Natur wurde ihm quasi in die Wiege gelegt.

Im Garten von Eckhard Woite muss niemand verhungern. Selbst im Dezember kann man dort Mispeln pflücken. „Frische Früchte braucht man nicht im Supermarkt zu kaufen“, sagt der studierte Biologe und Politikwissenschaftler. Wer sich jetzt für Details interessiert, muss ein wenig Zeit mitbringen. Denn Eckhard Woite gerät leicht ins Schwärmen über Kiwis, Kakis, Indianerbananen und andere Exoten, die in seinem Garten wachsen.

Woite war schon ein „Öko“, bevor das Wort überhaupt erfunden war. Naturverbundenheit wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Heute feiert der Malchener Ortsvorsteher und Leiter der „Wühlmäuse“ seinen 75. Geburtstag. Im Lauf seines Lebens hat er sich ein staunenswertes Wissen über essbare Wild- und nicht alltägliche Kulturpflanzen angeeignet.

Obwohl: „Früher war ich derjenige, der sich am besten damit auskannte, aber jetzt treffe ich Leute, die genauso gut oder besser Bescheid wissen.“ Das sagt der Grünen-Politiker, Nabu-Aktivist und Jugendgruppen-Leiter keineswegs mit Bedauern, sondern mit Freude. Dinge anstoßen und zusehen, wie sie aus eigener Kraft weiterwachsen – das ist ein Motiv, das ihn schon immer angetrieben hat.

Etwa in den frühen 1990er Jahren, als vier Kinder an seiner Haustür klingelten. In den Händen hielten sie eine Blindschleiche. Was sie damit tun sollten, fragten sie. Der Gesamtschullehrer erklärte es ihnen. Bald kamen sie wieder, wollten erneut die Natur erkunden. Im Nu war die erste Gruppe der „Wühlmäuse“ gegründet: eine Kinder- und Jugendorganisation unter dem Dach des Naturschutzbundes „Nabu“, deren Gesamtleitung bis heute bei Woite liegt. „Kinder- und Jugendgruppen sind enorm wichtig“, sagt der Naturfreund, den alle nur kumpelhaft „Ecki“ nennen.

Nach Woites Auffassung sollte jedes Kind eine solche Gemeinschaftserfahrung machen. Nicht nur, um elementare Dinge zu lernen wie Feuermachen, Zeltaufbauen, Hühnerfüttern oder Kanufahren. Sondern vor allem wegen des sozialen Zusammenhalts. Neulich gab es ein Treffen einer anderen Jugendgruppe, die „Ecki“ als junger Mann in den 1960er Jahren geleitet hatte. 50 Jahre ist das her, viele Freundschaften aus dieser Zeit halten bis heute.

Freude am einfachen Leben

In Schlesien geboren, musste Eckhard Woite als Kind mit der Mutter und den Geschwistern aus der Heimat fliehen. Nach einer Übergangszeit im Rheinland kam die siebenköpfige Familie 1950 nach Malchen, wo Woites Vater das Haus ganz oben am Waldrand baute: grandioser Blick über die Rheinebene, 2000 Quadratmeter Garten.

Als Eckhard Woite 1990 hierher zurückkehrte, hatte er – nach der Scheidung alleinerziehend – klare Vorsätze. Neben Kindern, Beruf, Haus und Garten wollte er die Jugendarbeit wieder anpacken und Politik machen. Mit Erfolg: Bei den „Wühlmäusen“ sind inzwischen rund 70 Kinder und Jugendliche aktiv, von 1999 bis 2001 und seit 2011 gestaltet er als Malchener Ortsvorsteher die Geschicke des Orts mit.

Ein zentrales Anliegen des 75-Jährigen, der noch lange nicht ans Aufhören denkt: die Freude am einfachen Leben. Wobei die Betonung auf Freude liegt. Nur so könne man tiefe innere Zufriedenheit finden in einer Zeit, in der das Wachstumsmodell an seine Grenzen stoße. Nicht von oben Verzicht verordnen, lautet die Devise, sondern von unten Bewusstsein schaffen, wie reich an Erlebnissen etwa ein zweiwöchiger Kanu-Trip sein kann.

Selbst wenn der viel weniger kostet als das Luxus-Hotel und man sich damit vielleicht keinen Sozialstatus „kaufen“ kann. Im Unterschied dazu kommt die Anerkennung, die Eckhard Woite genießt, von Herzen. Zum Beispiel aus leuchtenden Kinderaugen in einer Nacht am Lagerfeuer. (eda)

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