Auf dem achtstöckigen Bettenhaus entsteht ein Hubschrauber-Landeplatz.
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Auf dem achtstöckigen Bettenhaus entsteht ein Hubschrauber-Landeplatz.

Darmstadt

Heli-Landeplatz fürs Klinikum

Hubschrauber sollen künftig auf dem Dach des Peter-Grund-Baus landen. Ursprünglich sollten sie auf dem Dach des Zentralen Neubaus landen. Diese Pläne wurden im Verlauf des Genehmigungsprozesses jedoch verworfen.

Auf dem Klinikum-Gelände in der Darmstädter Innenstadt soll ein Hubschrauber-Landeplatz eingerichtet werden. Um das Leben von Schwerstverletzten zu retten, zählt jede Minute, so Michael Wild, Professor und Direktor der Chirurgischen Klinik II.

Derzeit fliegen Rettungshubschrauber einen großen Bogen ums Klinikum. Die nächsten Landeplätze sind in Rüsselsheim, Offenbach und Frankfurt. Auch der Landeplatz an der Starkenburg-Kaserne sei viel zu weit weg, erklärte der Mediziner Michael Wild auf einer Bürgerinformationsveranstaltung im Klinikum: „Ein Landeplatz auf unserem Gelände ist wichtig, um die Notfallversorgung aufrechtzuerhalten.“

Nach Angaben des Mediziners wird das Klinikum im Schnitt einmal die Woche von einem Hubschrauber angeflogen. Dies entspreche etwa 52 Landungen im Jahr, so Wild. Bedenken einer Anwohnerin, die an der viel befahrenen Bismarckstraße wohnt und eine zusätzliche Lärmbelastung durch die Hubschrauber fürchtet, versuchte er zu zerstreuen: Geflogen werde nur tagsüber, nachts sei Ruhe.

Schnellere Versorgung von Notfallpatienten

Ursprünglich sollten die Rettungshubschrauber auf dem Dach des Zentralen Neubaus landen. Diese Pläne wurden im Verlauf des Genehmigungsprozesses jedoch verworfen, erklärte Projektleiter Stefan Loesch. Unter anderem wären die Wege in die Zentrale Notaufnahme viel zu lang gewesen. Geplant ist nun ein Landeplatz auf dem Peter-Grund-Bau. Das achtgeschossige Bettenhaus ist das höchste Gebäude auf dem Klinikareal.

Da der Turm der Johanneskirche und der Schornstein der Müllverbrennungsanlage einen Anflug aus Norden ausschließen, werden die Hubschrauber das Klinikum aus Richtung des Regierungspräsidiums anfliegen. Auch Loesch gibt Entwarnung, was den Lärm angeht: „Wir haben mehrere Gutachten erstellt.“ Das Fazit: Ein Hubschrauber sei „leiser als ein Krankenwagen, der mit Martinshorn fährt“.

Klinikdirektor Wild machte deutlich, dass eine schnelle Versorgung nicht nur für Patienten mit Schlaganfällen, Herzinfarkten oder für schwerverletzte Unfallopfer eine wichtige Rolle spielt. „Auch in der Neuro- und Kardiologie wird die Bedeutung der schnellen Versorgung zunehmend erkannt.“ Dabei gehe es um Minuten. In den vergangenen fünf Jahren, so Wild, habe er dreimal erlebt, dass Menschen sterben mussten, weil sie nicht schnell genug verlegt werden konnten. „Wir haben hier in Darmstadt keine Herzchirurgie, diese Patienten müssen umgehend nach Frankfurt oder Heidelberg verlegt werden.“ Außerdem sei das Klinikum Teil eines überregionalen Traumazentrums. Da gehöre ein Hubschrauberlandeplatz dazu. „Sonst verlieren wir die Zulassung.“

Die Landeplattform selbst hat einen Durchmesser von 30 Meter. Das Heli-Deck soll in Leichtbauweise entstehen. Neun Stützen aus Stahl, die außerhalb des Gebäudes geführt werden, sollen die Plattform tragen. „Der eigentliche Baukörper bleibt erhalten“, so Loesch.

Finanziert wird der Landeplatz von der Klinikum GmbH. Die Kosten liegen, so die Schätzungen der Planer, beim Pfahlsystem bei 200 000 Euro, für die Stahlkonstruktion sind 800 000 Euro veranschlagt. Das Heli-Deck liegt bei 1,4 Millionen Euro, hinzu kommen dann noch die Kosten für Aufzüge, Fluchttreppen und Planung. (hin)

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