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Helferkreis betreut 60 Menschen

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In Onlinekursen lernen die Asyllbewerber Deutsch.
In Onlinekursen lernen die Asyllbewerber Deutsch. © Gemeinde Seeheim-Jugenheim

Ehrenamtler kümmern sich in Seeheim-Jugenheim um Flüchtlinge. Sie helfen, wenn Kinder im Kindergarten angemeldet werden müssen und wissen, wo Deutschkurse belegt werden können. Aufgrund der großen Zahl der Flüchtlinge muss eine zweite Unterkunft gefunden werden.

Ein Stück Willkommenskultur für Flüchtlinge ist in Seeheim-Jugenheim entstanden. 42 Ehrenamtliche zählt der dortige Helferkreis Asyl. Das ist vergleichsweise viel für eine Gemeinde dieser Größenordnung, die derzeit rund 60 Flüchtlinge betreut.

18 von mittlerweile 42 Helfern sind zu einem Treffen gekommen, um die aktuellen Anliegen zu besprechen und Erfahrungen auszutauschen. Der Kreis, der vor gut einem Jahr gegründet wurde, ist mittlerweile gut organisiert und deckt eine große Bandbreite von Aktivitäten ab: Hilfen zum Bleiberecht, Anmeldung in Kindergarten und Schule, Deutschkurse und Hausaufgabenbetreuung, medizinische Versorgung, Kleidung, Fahrradwerkstatt, Spieleabende und offener Treff.

Besonders gefragt war der Helferkreis im Dezember: Eine der neu angekommenen Flüchtlinge war hochschwanger. Die 21-jährige war bereits zwei Tage über dem errechneten Geburtstermin. Zudem litt die junge Frauan einer schweren, behandlungsbedürftigen Infektion. Und sie musste sich um ihren einjährigen Sohn kümmern.

Zwei Wochen lang unternahmen die Ehrenamtler alles, um der jungen Mutter zu helfen: sie organisierten Termine bei der Hebamme, in der Geburtsklinik, kümmerten sich um ein Krankenhaus zur Behandlung der Infektion und kümmerten sich um den Einjährigen.Schließlich gab es das Happy End: eine genesene Mutter und ein gesundes Neugeborenes, die jetzt in der Asylbewerberunterkunft im Balkhäuser Tal betreut werden.

Warum die hochschwangere Frau überhaupt von den Zuständigen der hessischen Erstaufnahme-Einrichtung Gießen in den Kleinbus nach Seeheim gesetzt wurde, ist den Helfern ein Rätsel – und ein großes Ärgernis. „Wir hatten enormes Glück“, sagt eine von ihnen. Aber in die Empörung über bürokratisches Versagen und nervenaufreibenden Formularkrieg mischt sich auch Lob für Menschen, die über ihren Schatten springen.

Der Zustrom reißt nicht ab

Vor allem die Zusammenarbeit mit den Kliniken sei enorm hilfreich gewesen. Wie in einem Brennglas zeigt der Notfall vor allem eines: wie wichtig das ehrenamtliche Engagement vor Ort bei der Betreuung der Flüchtlinge ist. Und wo die besonderen Qualitäten der freiwilligen Arbeit liegen. „Wir können auch mal Fünfe gerade sein lassen, wenn es um das Wohl der Menschen geht“, sagt Dieter Lohstroh-Kussowski, einer von neun Ansprechpartnern des Helferkreises.

Erfreulicherweise reißt der Zulauf von neuen Helfern nicht ab. Auch an diesem Abend sind zwei Frauen zu dem runden Tisch gekommen, die sich für die ehrenamtliche Willkommenskultur interessieren. Dennoch wird der Helferkreis weitere Mitglieder brauchen. Die Zahl der betreuten Asylsuchenden liegt zurzeit bei rund 60 Personen. Aber eigentlich hätte die Gemeinde laut Quote schon im Jahr 2014 bis zu 90 Personen aufnehmen sollen.

Klar ist, dass eine zweite Unterkunft gefunden werden muss. Der Landkreis führt diesbezüglich bereits Gespräche. Das Seniorenwohnheim „Linde“ ist laut Gemeindesprecher Karsten Paetzold zwar im Gespräch, es gebe dazu aber noch keine Vereinbarungen. Aus Sicht des Kreises sind die Verhandlungen zu möglichen Objekten „derzeit noch in einem so frühen Stadium, dass wir uns zu einzelnen Objekten aktuell nicht äußern werden“, wie Christine Griga, stellvertretende Pressesprecherin des Kreises, mitteilte. (ers)

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