+
Beim Alpenverein sind Fledermäuse willkommen.

Darmstadt

Heim für Fledermäuse

Das Alpin- und Kletterzentrum des Alpenvereins ist vom Naturschutzbund Darmstadt (Nabu) als „fledermausfreundliches Haus“ ausgezeichnet worden.

Gestern um die Mittagszeit flatterte beharrlich ein weißer Schmetterling um die beiden Nistkästen herum, die seit ein paar Wochen an der östlichen Fassade des Vereinsgebäudes im Lichtwiesenweg hängen. Fledermäuse sind freilich um diese Uhrzeit keine zu sehen. Auf die neuen Bewohner warten neben der Leiterin des Kletterzentrums, Anke Wille, auch noch Stephan Gumbart, der beim Alpenverein fürs Gebäudemanagement zuständig ist und Pressereferent Marcus Heyer.

Die drei sind sogenannte Quartierbeobachter und sollen in dieser Funktion dem Naturschutzbund umgehend melden, wenn die ersten Zwergfledermäuse und Kleinen Bartfledermäuse in die Behausungen in der Nähe des Ostwalds eingezogen sind.

Wahrscheinlichkeit der Besiedlung hoch

Bislang, so Heyer, habe man die Fledermäuse spätabends lediglich dabei beobachten können, wie sie vom naheliegenden Wäldchen Richtung Kletterzentrum geflogen, dann aber wieder in ihre natürliche Umgebung zurückgeflattert sind. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Nistkästen bald besiedeln, ist aber sehr hoch“, sagt Heyer. Denn bisher seien alle der rund 150 Gebäude, die der Naturschutzbund (Nabu) in Hessen wegen ihrer Nistmöglichkeiten für „fledermausfreundlich“ erklärt hat, auch von Fledermäusen bevölkert worden.

Zunächst haben Naturschutzreferent Hajo Köck und Stefan Reisinger vom Alpenvereinsvorstand vor einer Woche die Plakette entgegengenommen, die das 2009 eröffnete Kletterzentrum als „fledermausfreundliches Haus“ ausweist. Das bedeutet, dass dieses Haus einen Lebensraum für die seltenen, teilweise bedrohten „Kobolde der Nacht“ (Heyer) bereithält.

Und dies ist laut Rudolf Boehm vom Nabu auch dringend nötig. Der verstärkte Einsatz von Dämmmaterialien an Außenfassaden von Häusern schränkt die Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten für Fledermäuse immer stärker ein. Denn Fledermäuse sind „Kulturfolger“, sagt Marcus Heyer: Da ihre ursprünglichen Lebensräume, wie alte Baumstämme, vor allem Spechthöhlen oder Steinbrüche, immer weniger werden, folgen sie den Menschen in die Städte, wo sie gerne im Mauerwerk Quartier beziehen. In Form von Nistkästen wird der Platzbedarf der Fledermäuse bedient – wie jetzt am Darmstädter Kletterzentrum.

Bis zu 50 Tiere finden Platz

Die beiden massiven Kästen, die in etwa 15 Meter Höhe hängen, sind aus Beton gegossen, etwa 50 Zentimeter breit und knapp einen Meter hoch, erklärt Stephan Gumbart, der bei der Montage der Nistkästen beteiligt war. Die Innenwände sind aufgeraut und sehen aus wie aufgeklebte Sägespäne. Daran können sich die nachtaktiven Fledermäuse – 30 bis 50 finden darin ein Zuhause – festhalten.

Eine Kernaufgabe des Alpenvereins sei auch der Schutz der Umwelt und der bedrohten Arten, so Heyer. Aus dem Fledermaus-Projekt sollen sich darüber hinaus neue Perspektiven in der Kinder- und Jugendarbeit ergeben. Sobald sich die Fledermäuse eingenistet haben, wird es Exkursionen und Projekte in Zusammenarbeit mit dem Nabu geben, zumal auch das Alpenvereinsgelände in Heubach ideales Rückzugsgebiet für Fledermäuse ist.

Deren Image gilt es laut Heyer sowieso ein wenig aufzupolieren. Die kleinen, flinken Tiere seien weder blutrünstig noch gefährlich. Vielmehr seien sie interessante und für das Öko-System äußerst wichtige Lebewesen, die vor allem als Insektenfresser einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht leisteten. (an)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare