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Heag-Mobilo reagiert

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Am Unfallort erinnern Kerzen und Blumen an den Elfjährigen, der dort im Januar starb.
Am Unfallort erinnern Kerzen und Blumen an den Elfjährigen, der dort im Januar starb. © Guido Schiek

Nach dem tödlichem Unfall am Luisenplatz kommen Warnhinweise auf Straßenbahnen.

In Kürze werden Aufkleber auf den Straßenbahnen von Heag-Mobilo darauf hinweisen, dass das Übersteigen der Kupplung zwischen Triebwagen und Anhänger verboten ist, heißt es in einer Mitteilung vom Montagnachmittag: Reaktion auf den tödlichen Unfall eines Elfjährigen, der Mitte Januar beim Überspringen einer Kupplung zu Tode kam, als die Straßenbahn losfuhr.

Die ersten Bahnen seien bereits ausgestattet, in Kürze sollen alle 48 Triebwagen und 30 Anhänger gekennzeichnet sein, heißt es. Die runden Aufkleber sind rund 15 Zentimeter groß, gestaltet wie ein Vebotsschild mit rotem Rand und roter Linie, die ein schwarzes stilisiertes Männchen durchstreicht, das über etwas springt, das wie eine Langhantel aussieht.

Das Verbotsschild sei „auch ohne Sprach- oder Lesekenntnisse leicht verständlich“, sagt Heag-Mobilo-Sprecherin Silke Rautenberg. Damit sie möglichst frühzeitig wahrgenommen würden, seien sie jeweils seitlich angebracht: am Triebwagen hinten, am Anhänger vorne – und immer in unmittelbarer Nähe zur Kupplung.

„Uns ist durchaus klar, dass Aufkleber nicht verhindern, dass Menschen auch in Zukunft die Kupplung übersteigen können“, wird Heag-Mobilo-Geschäftsführer Matthias Kalbfuss zitiert. „Aber wir setzen darauf, dass dieser Verbotshinweis zumindest abschreckende Wirkung hat.“ Aus der Bevölkerung seien zahlreiche Vorschläge für technische Veränderungen an den Bahnen eingegangen, um das Übersteigen der Kupplung zu verhindern, heißt es weiter. „Wir nehmen alle diese Vorschläge und Anregungen ernst“, sagt Kalbfuss, „allerdings brauchen wir zunächst eine genaue Risikoeinschätzung zu unseren Bahnen. Nur dann wissen wir, welche Maßnahmen sinnvoll sind.“

Zahlreiche Vorschläge

Gemeinsam mit den beiden anderen hessischen Straßenbahnverkehrsunternehmen in Frankfurt und Kassel sei in Absprache mit der Technischen Aufsichtsbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Risiken des Kupplungsbetriebs feststellen soll. Ergebnisse würden in einigen Monaten erwartet, erst dann könnten sie sagen, welche weiteren Maßnahmen effektiv seien.

„Die Bahnen baulich zu verändern, ist für Heag-Mobilo nicht so ohne Weiteres möglich“, sagt Kalbfuss weiter. „Die Sicherheitsvorgaben sind hoch und jede Veränderung am Fahrzeug erfordert umfassende Prüfungen und Genehmigungen.“ Ausgeschlossen sei deshalb jedoch nichts.

Kurzfristig kündigt Heag-Mobilo eine Kommunikationskampagne für den sicheren Umgang in Bus und Bahn an. Es gebe weiterhin kostenloses Sicherheitstraining für Schüler und Senioren. Dazu appelliert Geschäftsführer Kalbfuss an die Verantwortung jedes Einzelnen: „Vielen ist offenbar nicht bewusst, dass sie dabei sich nicht nur selbst in Gefahr bringen, sondern anderen auch noch ein schlechtes Vorbild sind.“

Die Ankündigung sorgte umgehend für Aufregung in den Sozialen Netzwerken. Die Reaktionen umfassten die gesamte Palette von „bringt nichts“ bis „sinnvolle Aktion“.

Noch immer erinnern auf dem Luisenplatz Kerzen und Blumen an den Griesheimer Schüler, der dort an Morgen des 15. Januar zu Tode kam. Es war der siebte tödliche Unfall zwischen Fußgänger oder Radfahrer und Straßenbahn in Darmstadt in den vergangenen zehn Jahren. Zuletzt kam im Mai 2007 ein 83-Jähriger am Alten Friedhof beim Überqueren der Gleise ums Leben. (rwb)

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