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Der Heag geht der Strom aus

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Eine neue Fahrleitung in der Rheinstraße soll die Versorgung der Straßenbahn sichern. Mehr Strom erfordert dickere Leitungen.

Der Boiler heizt, der Fernseher dudelt, im Ofen backt der Kuchen und jetzt wird auch noch der Fön eingeschaltet – peng! macht’s und die Sicherung fliegt raus. Bei der Heag heißt das Notabschaltung. Die Gleichrichter in den Unterwerken – den Energiestationen für die Fahrstromversorgung – gehen vom Netz, wenn ihnen zuviel Leistung abverlangt wird.

Das, so klagt die Heag, passiert mit zunehmender Häufigkeit. Setzen die Gleichrichter aus, ist gleich ein ganzer Streckenabschnitt ohne Saft. Folge: Alle Züge bleiben stehen. Zudem richtet sich die Heag auf steigende Nachfrage ein und will bis 2019 15 neue Straßenbahnen kaufen.

Anders gesagt: Der Betrieb fährt an der Kapazitätsgrenze, bei den Triebwagen wie bei der Energie. Als erste Maßnahme lässt die Heag ihre modernsten Fahrzeuge mit gedrosselter Leistungsnahme laufen: 800 statt 1100 Ampère. Die künftigen Züge werden aber bis zu 1300 Ampère aus dem Netz ziehen können. Sie werden spurtstärker sein, so dass der Takt der Bahnen verdichtet werden kann.

Dickere Leitungen nötig

Dafür muss mehr Strom durch die Leitung fließen. Das wiederum erfordert dickere Leitungen. Die bisherige Oberleitung hat innerstädtisch einen Querschnitt von 100 Quadratmillimetern. Künftig sollen es 120 Quadratmillimeter sein, und dies nicht mehr als flachgezogener Draht, sondern als sogenannte Hochkette – die Fahrleitung ist mit einem darüber gespannten Tragseil verbunden, wie bei der Eisenbahn.

Der Austausch der Oberleitung soll nächstes Jahr zwischen März und Dezember in der Rheinstraße beginnen, auf einem 1,6 Kilometer langen Abschnitt zwischen der Grafenstraße und der Haltestelle Berliner Allee. Nettokosten: 2,05 Millionen Euro. Das Vorhaben befindet sich in der Planfeststellung.

In der Rheinstraße passiert freilich mehr als nur der Austausch der Leitungen. Traditionell sind Straßenbahn-Oberleitungen in Innenstädten an Wandankern („Rosetten“) aufgehängt. Doch schwerere Fahrleitungssysteme, so wie sie nun in der Rheinstraße vorgesehen sind, müssen an Masten aufgehängt werden. „Das wird auch von den Technischen Aufsichtsbehörden gefordert“, heißt es im Stadtplanungsamt.

15 neue Züge

Die Verkehrsbetriebe reagieren auf die Anforderungen unterschiedlich. Die hiesige, beim Regierungspräsidium angesiedelte Technische Aufsicht gilt als streng. Man sei schließlich in einem Erdbebengebiet, wird dort gesagt. Deshalb müssten stabile Masten her.

Wie so etwas aussieht, kann man sich in Arheilgen betrachten. Dort wurden in der Frankfurter Landstraße wuchtige Pylone gepflanzt, zwischen denen die neue Hochkette gespannt ist.

In der Rheinstraße ist vor allem der Abschnitt zwischen Neckar- und Grafenstraße problematisch. Dort werden achtzehn Wandanker durch zwölf Großmasten ersetzt. Die sollen auch Verkehrsschilder und Beleuchtung tragen.

Über die Folgen wird im Internet bereits diskutiert. Sind die Bürgersteige in der Oberen Rheinstraße überhaupt breit genug, um solche Masten aufzustellen? Wird der Fahrradverkehr behindert? Und was ist mit der optischen Wirkung? Um die brauche man sich keine Sorgen zu machen, heißt es in den Planunterlagen. „Das Ortsbild ist bereits anthropogen überformt. Durch den Bau und Betrieb der Fahrleitungsanlage kommt es zu keiner Beeinträchtigung des Ortsbilds.“

Auf Deutsch: Wo der Mensch eh schon mal hingelangt hat, kann es auch nicht schlimmer werden.

Die Pläne zur neuen Oberleitung in der Rheinstraße können bis Montag, 9. März, im Technischen Rathaus, Bessunger Straße 125, Block D, Zimmer 203, eingesehen werden; montags bis donnerstags 8 bis 16 Uhr, freitags 8 bis 12 Uhr. (ers)

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