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Nur die Harten bleiben im Garten

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Für Stefan Schneckenburger vom Bontanischen Garten ist es ein ganz normaler Winter. Andere kämpfen dagegen mit den Folgen der klirrenden Kälte.

Es dampft heftig, als sich Martin Sonnen heißen Tee aus der Thermoskanne eingießt. Der Taxifahrer steht am Luisenplatz. Trotz der Nachmittagssonne ist es empfindlich kalt. Wie mag das erst nachts sein ? "Man hält es aus, muss allerdings den Wagen anstellen, was laut Gerichtsurteil erlaubt ist", sagt Sonnen. Ferry Kimiaghalam, Geschäftsführer der Taxizentrale Darmstadt, widerspricht dieser Rechtsauffassung. Nichtsdestotrotz hat er Verständnis für die Chauffeure: "Die meisten Autos sind mit einer einer Standheizung ausgerüstet, aber bei solchen Temperaturen hilft die nicht viel."

Gelassen blickt Stefan Schneckenburger vom Botanischen Garten auf das Thermometer. "Wir haben einen ganz normalen Winter, damit rechnet man", erklärt er, "Anfang Januar darf es auch mal minus 12 Grad haben." Winterharte Gewächse bleiben draußen, frostempfindliche Pflanzen kommen ins Gewächshaus. Das steht seit 1905 und hat schon in viel kälteren Wintern seinen Dienst getan. "Wenn es Probleme gibt, sind wir selbst verantwortlich. Denn in den letzten Jahren lassen wir versuchsweise Pflanzen draußen, die man in früheren Zeiten reingeholt hätte." Die alte Gewächshausheizung verbrauche derzeit natürlich mehr Energie: "Ein Treibhaus ist nie etwas für die Klimakonferenz."

Zeitungsausträger mit Skipulli

Nicht von geplatzten, aber von eingefrorenen Rohren berichtet Gerald Barz, Sanitärmeister bei der Firma Scharf. "Ob die Leitung leckt, sieht man erst nach dem Schmelzen des Eisklumpens." Diese Wärmebehandlung erweist sich manchmal als schwierig. "In einem Dachraum lag eine nicht isolierte Leitung. Um mit dem Heizlüfter dranzukommen, mussten wir das Dach abdecken." Überwiegend wird Barz in diesen Tagen zu Altbauten gerufen. Seine Zwischenbilanz: "Bisher hält es sich in Grenzen." Dass im 24-Stunden-Notdienst seiner Firma derzeit vier statt ansonsten eine Person arbeiten, ist allerdings ein klares Indiz für frostige Zeiten.

Den kältesten Zeitpunkt der Nacht erlebt Peter Schmitt hautnah. Der Zeitungsausträger versorgt seit 20 Jahren die Haushalte der Innenstadt mit Tagespresse. "Zwei Unterhemden, Skipulli, dicke Jacke", zählt Schmitt seinen persönlichen Frostschutz auf. Von 2 bis 6 Uhr dauert seine Tour auf dem Mofa. Davor und danach gibt es zum Aufwärmen einen Kaffee. Das Herz ginge ihm auf, wenn die Leute ihre Briefkästen mit Glyzerin einschmierten, damit die Schlitze nicht zufrieren - "dann hätte ich nicht so kalte Hände".

Heizung in Straßenbahn läuft

Der städtische Nahverkehrsbetreiber Heag meldet keine Probleme, die Weichenheizungen funktionierten, Heizung und Lüfter in den Fahrzeugen ebenso. Beim Eigenbetrieb Abfallwirtschaft und Stadtreinigung (EAD) sind unter anderem die Müllmänner angestellt. Siglinde Frisch vom EAD hält sie für "abgehärtet". Auch sonst läuft alles nach Plan: "Die Abholung war bisher immer möglich. Höchstens der Biomüll friert manchmal an. Deswegen sollten feuchte Abfälle immer in Tüten oder Zeitungspapier gewickelt werden." (eda)

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