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Bei der Quidditch-Meisterschaft im Hochschulstadion wurde um die Bälle gekämpft.

Darmstadt

Wilde Jagd nach dem Schnatz

Jeder Harry-Potter-Fan kennt die Sportart "Quidditch". Die gibt es längst auch im echten Leben. Bei der ersten deutschen Meisterschaft im Hochschulstadion erreicht das Team aus Darmstadt das Finale, muss sich dann aber den "Rheinos Bonn" geschlagen geben.

Die „Rheinos Bonn“ haben am Wochenende in einem spannenden Finale gegen „Darmstadt Quidditch“ die erste deutsche Quidditch-Meisterschaft im Hochschulstadion für sich entschieden. Sechs Teams traten bei dem Wettkampf an, der Harry-Potter-Büchern entlehnt ist.

Ein Schöner-Wetter-Zauber hätte den Teilnehmern und Zuschauern der ersten deutschen Quidditch-Meisterschaft sicher gut getan. Stattdessen mussten sie eisern der feucht-kalten Witterung trotzen. Doch anders als in der Roman-Vorlage muss schließlich auch der Quidditch-Wettkampf selbst ganz ohne Magie auskommen. Auf Besen durch die Lüfte zu schwirren, bleibt nun mal der Zauberwelt vorbehalten. Im wahren Leben kann die Quidditch-Spieler so nur der Gedanke beflügeln, das als Besenersatz zwischen die Beine geklemmte Rohr verleihe Flügel.

Immerhin schien das beim Turnierstart am Samstagnachmittag im Hochschulstadion bei der Darmstädter Mannschaft gewirkt zu haben. Gegen die „Tübinger Thestrale“ gingen sie schon nach wenigen Minuten in Führung und legten so einen fulminanten Start hin. Zeitlich versetzt startete kurz darauf das zweite Spiel der Vorrunde, bei denen alle Teams gegeneinander antreten mussten. Neben den bereits genannten waren das die „Rheinos Bonn“, die „Ruhr Phoenix Bochum“, die „Three River Dragons Passau“ sowie die „Bowitcores“ – ein mit Spielern aus Frankfurt und Freiburg zusammengestellter Kader.

Elemente aus Rugby und Volleyball

Frauen und Männer gehen beim Quidditch gemeinsam ins Rennen. Und die zeigten, dass Quidditch, auch wenn es von „Muggeln“ – so nennen die Zauberer und Hexen die normalen menschlichen Wesen – gespielt wird, ein schnelles Spiel ist. Auch deshalb, weil mehrere Bälle gleichzeitig im Spiel sind. Zum einen der „Quaffel“, mit dem, wenn er durch einen der am Spielfeldrand aufgestellten Ringe geworfen wird, zehn Punkte geholt werden. Zum anderen die „Klatscher“, mit dem Gegner kurzzeitig außer Gefecht gesetzt werden. Nach 18 Minuten kommt die Jagd nach dem „Schnatz“ hinzu.

Um diesem Leben einzuhauchen, war Nicolas Volders eigens aus Belgien angereist. Am Wochenende gehörte er zum internationalen Unterstützerteam des Turniers. Statt in Gold und mit Flügeln wie im Potter-Original wird der „Schnatz“ beim Muggel-Wettkampf durch gelbe Sportkleidung markiert. An Volders Hosenbund baumelte dann noch ein in einer Socke gehüllter Tennisball – das eigentliche Objekt der Begierde.

Denn den müssen die „Sucher“ erwischen. Die erfolgreiche Mannschaft erhält dann 30 Punkte und das Spiel ist beendet. „Ich bin recht groß, aber nicht so kräftig gebaut. Deshalb muss ich vor allem versuchen, meine Verfolger auf Abstand zu halten“, beschrieb Volders seine Strategie.

„Quidditch ist einfach sehr vielseitig und komplex“, begründete Lisa Struck die Anziehungskraft des Spiels. „Es ist ja eine Kombination aus vielen unterschiedlichen Spielarten: Rugby, Volleyball. Und außerdem ist die Quidditch-Community toll. Alle sind sehr nett und offen.“ Beim Meisterschaftsturnier war die Studentin deshalb nicht nur auf dem Spielfeld für „Darmstadt Quidditch“, das sich in der Vergangenheit schon mehrfach gegen die Konkurrenz durchgesetzt hatte, sondern auch in der Turnierleitung aktiv. Die Favoritenrolle wollte Lisa Struck den Darmstädtern dennoch nicht zuschreiben. „Es sind viele neue Teams hier, deren Leistung schwer einzuschätzen ist“, sagte sie.

Also war Spannung angesagt, und die sorgte auch bei den Zuschauern für gute Stimmung. Darunter fanden sich viele, die bei den Abenteuern von Harry Potter mitgefiebert haben. Dass die Meisterschaft an einem kalten Winterwochenende ausgetragen wurde, liegt daran, dass mit dem Turnier die Qualifikation für die im April stattfindende Europameisterschaft in Italien verbunden ist.

Nach dem Finale am Sonntagnachmittag steht fest, dass dort neben den „Rheinos Bonn“ auch die Darmstädter Quidditch-Spieler vertreten sein werden. Und im Sommer findet in Frankfurt dann die Quidditch-Weltmeisterschaft statt. (eda)

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