1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Handwerker klagen über Stadt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Dimitri Gebel von der Firma Zimmermann und Sohn beim Vergolden
Dimitri Gebel von der Firma Zimmermann und Sohn beim Vergolden © claus völker

Nicht nur Privatkunden erweisen sich als säumige Zahler: Die Darmstädter Handwerker klagen vor allem über die laxe Zahlungsmoral der Stadt und ihrer Eigenbetriebe.

In vergoldeten Lettern ist am Literaturhaus wieder die Bezeichnung zu lesen, unter der die Darmstädter das bis vor kurzem eingerüstete Gebäude an der Ecke Rheinstraße/Kasinostraße kennen: John F. Kennedyhaus. Die langwierige Sanierung seit Ostern 2007 ist abgeschlossen. Nicht aber die Abrechnung der Handwerkerarbeiten.

„Das Kennedyhaus ist eine Katastrophe“, schimpft Dirk Schäfer, Inhaber des Rüsselsheimer Dachdecker-Betriebs Philipp Bender, der das marode Dach saniert und neu aufgearbeitet hat. Ein Auftrag von über 100?000 Euro. „Nicht eine einzige Zahlungsfrist wurde eingehalten“, klagt er.

Aus eigener Anschauung wisse er, dass es mit der Zahlungsmoral vieler Kommunen nicht zum Besten stehe. „Aber Rüsselsheim geht noch. Viel schlimmer ist Darmstadt. Da werden wir inzwischen zu zweiten Banken für die Stadt.“ Die Stadt zahle grundsätzlich erst nach der ersten Mahnung. Andererseits drängelten die Kommunen wegen des Auslaufens der Konjunkturprogramme, damit die Aufträge fristgerecht fertig würden.

Nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB), gewissermaßen die Bibel der Branche, gilt für Abschlagzahlungen eine Zahlungsfrist von 18 Werktagen nach Zustellung. Bei der Schlussrechnung hat der Auftraggeber maximal zwei Monate Prüfungsfrist.

Fristen sind bindend

„Wenn ich bei Abschlagszahlungen nachfrage, wo das Geld bleibt, sagen mir Sachbearbeiter: ,Aber Herr Schäfer, Sie wissen doch, dass wir zwei Monate Zeit haben’“, schildert der Handwerker das mühevolle Geldeintreiben. „Die kennen die VOB anscheinend gar nicht“, empört sich Schäfer und verweist darauf, das die Handwerksbetriebe ständig in Vorlage treten müssten und damit neben dem finanziellen auch noch ein Haftungsrisiko hätten.

Selbst wenn er eine Schlussrechnung einreiche, gebe es immer wieder „Spielchen“: Da würden erst knapp zwei Monate abgewartet und dann angeblich fehlende Produktdatenblätter nachgefordert oder längst geklärte Sachverhalte immer wieder angesprochen. Bei Arbeiten für die Hochschule Darmstadt in der Schöfferstraße (Auftraggeber ist das Land Hessen) prüfe ein Architekt gar jede Abschlagszahlung wie eine Schlussrechnung.

Bei Eigenbetrieben wie Immobilienmanagement Darmstadt (IDA) funktioniere es gut, wenn IDA ein eigenständiges Budget habe, weiß Schäfer. „Ganz schlecht“ laufe es aber, wenn, wie beim Kennedyhaus gleich zwei Eigenbetriebe mit getrennten Kassen beteiligt seien: IDA als Projektsteuerer und der Eigenbetrieb Kultur als Nutzer. Generell sei Darmstadt aber ein guter Auftraggeber. Nur beim Bezahlen gebe es leider Probleme.

Nach dem Eindruck des stellvertretenden Kreishandwerksmeisters Frank Kaffenberger war es vor zehn Jahren in Darmstadt beim Bezahlen von Rechnungen „megaschlecht“; die Lage habe sich aber etwas gebessert.

Durch eine Kurzumfrage bei Kollegen weiß der Inhaber des Pfungstädter Zimmerei Wilhelm Kaffenberger, dass Zahlungen meist vier bis sechs Wochen und keine 18 Werktage dauerten. Das gehe immer durch mindestens drei Instanzen. Er selbst habe mal bei einer telefonischen Mahnung bei einer Gemeindeverwaltung gehört, der zuständige Sachbearbeiter sei in Urlaub. „Gut, dass er nicht verstorben ist, sonst wäre ich wohl nie zu meinem Geld gekommen“, sagt Kaffenberger.

Ein Handwerker, dessen Betrieb sehr viel Aufträge von der Stadt bekommt und der deshalb seinen Namen nicht nennen will, bestätigt die laxe Zahlungsmoral der Stadt: „Die Verschleppung der Zahlungstermine gehört hier dazu. Wir berücksichtigen das als festen Bestandteil unserer Kalkulation.“ ( ryp)

Auch interessant

Kommentare