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Mit Handicap zu Luther

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Von: Claudia Kabel

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Tastmodell vom Bildnis Martin Luthers.
Tastmodell vom Bildnis Martin Luthers. © HLMD

Das Landesmuseum bietet Führungen für Gehbehinderte an. Für Sehbehinderte gibt es Tastmodelle berühmter Werke.

Das Hessische Landesmuseum hat sich auf die Fahnen geschrieben, ein Museum für alle zu werden. Jetzt soll es erstmals spezielle Führungen für Besucher mit körperlichen Einschränkungen geben. Das heißt: Kurze Wege, Aufzüge in Reichweite, geeignete Sitzgelegenheiten vor den Originalen.

Entstanden ist das Format durch die beliebte Variante „Museum zu den Besuchern“, bei dem Museumsmitarbeiter Seniorenheime besuchen und dort Bilder von Ausstellungsstücken als Projektionen zeigen. Doch dann habe es viele Anfragen von rüstigen Senioren gegeben, die gerne das Museum besuchen würden, sich aber schwertäten, dort die weiten Wege zurückzulegen, sagt Lutz Fichtner, Leiter des Bereichs Bildung und Vermittlung.

Deswegen konzentriere sich die neue Führung auf einen kleineren Rundgang. Auftakt ist am 18. Oktober, danach kann das Format auch für Gruppen gebucht werden. Für Menschen mit Sehbehinderungen gibt es seit 2014 spezielle Angebote. Sechs Tastmodelle von Gemälden wurden in Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule Elfenbein in Michelstadt und dem Behindertenbeauftragten der Stadt Darmstadt, Michael Müller, erarbeitet. „Die Tastmodelle sind sehr ungewöhnlich“, sagt Müller. Es handle sich nicht um einen dreidimensionalen Abguss, sondern um die thematische Erzählung der Geschichte eines Bildes. Laut Fichtner arbeitet das Landesmuseum derzeit gemeinsam mit der Hochschule Darmstadt an einem Konzept für Menschen mit geistiger Behinderung. Angebote soll es ab 2019 geben.

Prinzipiell sei das wichtigste für die Inklusion, dass ein Museum überhaupt zugänglich ist, so Müller, der Sachverständiger für barrierefreies Planen und Bauen beim Club Behinderter und ihrer Freunde (CBF) ist. Zwar sei dies in vielen Bereichen im Museum schon der Fall, allerdings gebe es Räume, in die nicht jeder könne. Als Beispiel nannte er die Beuys-Ausstellung. Die Durchfahrbreiten zwischen den Objekten sind vom Künstler zu eng aufgestellt worden und damit für Rollstuhlfahrer nicht passierbar. Ein Problem, das das Museum damit löst, dass es in einem Nebenraum die Schau visualisiert.

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