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Haft und Alkohol-Entzug

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Mann wegen Messerattacke auf Türsteher verurteilt / „Hochgradig aggressiv“

Mehran Karimis Leben wäre um Haaresbreite zu Ende gewesen – in der Nacht zum 25. Oktober vorigen Jahres, am Eingang der Bessunger Diskothek Huckebein. Ohne Vorwarnung stach dort ein sturzbetrunkener Gast mit einem Messer auf Karimis Brust ein.

Wegen der Attacke musste sich der Täter, ein damals 21 Jahre alter Darmstädter, gestern vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Die Anklage lautete auf versuchten Totschlag.

Mehran Karimi arbeitet als Türsteher im Huckebein. Er macht den Job gern. „Ich gehe in meiner Arbeit auf“, sagt der gelernte Kaufmann. „Ich werde von den Menschen geliebt, und ich liebe die Menschen. Ich muss da sein, um dafür zu sorgen, dass die Leute in Ruhe feiern können.“

In Ruhe feiern – genau das konnten nicht alle Gäste in jener Nacht im Huckebein. Für Unruhe sorgte nach Mitternacht der Darmstädter, der nach seiner Ankunft im Vollrausch mit mehreren Anwesenden Streit suchte.

Genervte Gäste riefen Türsteher Karimi. Der geleitete den Störenfried zum Ausgang. Draußen setzte sich der 21-Jährige auf die Stufen und weigerte sich, den Heimweg anzutreten.

Schutzweste als Lebensretter

Mehran Karimi versucht, ihn umzustimmen. „Eine Dreiviertelstunde lang habe ich versucht, Psychologie zu leisten, habe auf den jungen Mann eingewirkt und mir den Mund fusselig geredet“, erinnert sich der 43-Jährige.

Es kam schließlich zu einer Rangelei, als der Gast drohend eine Bierflasche hob, dann trollte sich der 21-Jährige endlich. Doch er hatte nicht vor, das Feld endgültig zu räumen. Der junge Mann ging nach Hause, holte ein langes Messer aus der Küche und kehrte zur Disco zurück.

Karimi, nichtsahnend, sah den seitlich der Tür lauernden 21-Jährigen gerade aus dem Augenwinkel, als dieser das Messer hob und nach der Brust seines Kontrahenten stach. Als lebensrettend erwies sich Karimis Schutzweste. Die Klinge glitt daran ab, traf aber den Hals und schnitt ihn auf drei Zentimeter Länge auf.

Davon merkte das Opfer im Stress des Augenblicks zunächst nichts. Mit zwei Kollegen nahm Karimi die Verfolgung des flüchtenden Darmstädters auf. Erst als er beim Laufen Blut am Hals spürte, wurde ihm klar, „dass ich abgestochen wurde“. Die Kollegen brachten ihn sofort ins Krankenhaus, wo sich die Verletzung als nicht lebensbedrohlich erwies. Der Messerstecher wurde noch am gleichen Tag festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Im Zeugenstand spricht Karimi mit Erlaubnis des Gerichts den Angreifer direkt an: „Was war deine Motivation? Was habe ich dir getan?“ Der Angeklagte antwortet ausweichend: „Ich kann nicht genau sagen, was mit mir los war an dem Abend.“

Auch eine von den Verteidigern Manfred Döring und Hans Georg Kaschel angekündigte Entschuldigung des Darmstädters bei seinem Opfer fällt eher lau aus. Die Tat tue ihm schon leid, sagt er.

Er macht allerdings Erinnerungslücken wegen seiner Trunkenheit geltend.

„Er ist jemand, der unter Alkohol völlig aus dem Ruder läuft“, sagte Oberstaatsanwalt Matthias Mackenthun in seinem Schlussplädoyer über den Angeklagten. „Dann wird er hochgradig aggressiv, um es volkstümlich zu sagen: unberechenbar, gemeingefährlich, völlig irre.“

Der Vorsitzende Richter Volker Wagner verurteilte den Angeklagten zu vier Jahren und zehn Monaten Haft, eine Alkohol-Entzugstherapie inbegriffen. ( bad)

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