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OB hält Obergrenze beim Wachstum für "asozial"

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Von: Jens Joachim

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Die Planer schlagen neue und verlängerte Straßenbahnlinien vor und wollen den Takt der Bahnen auf möglichst zehn Minuten reduzieren.
Die Planer schlagen neue und verlängerte Straßenbahnlinien vor und wollen den Takt der Bahnen auf möglichst zehn Minuten reduzieren. © Monika Müller

Planer stellen Zukunftsszenarien für die Wissenschaftsstadt vor. Auch der Bau neuer Kindergärten und Schulen ist geplant.

Die Stadt Darmstadt mit ihren derzeit 160 000 Einwohnern wird nach Prognosen von Statistikern bis 2035 um rund 23 000 Personen wachsen. Allein zwischen 2010 und 2016 verzeichnete die Wissenschaftsstadt ein Plus von 11,4 Prozent, wie am Dienstag das Bundesinstitut für Stadtforschung in Bonn mitgeteilt hat. Nur nach Leipzig (mit einem Plus von 13,7 Prozent) zogen in einem bundesweiten Vergleich der Großstädte noch mehr Menschen. 

Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) sagte am Mittwochabend beim dritten Bürgerforum zum Masterplan 2030+ in der Centralstation, die Stadt sei „attraktiv, lebens- und liebenswert“. Daher werde auch in den nächsten Jahren in die städtische Infrastruktur investiert. So sei auch der Bau von neuen Kindertagesstätten und Schulen geplant. Partsch sagte, beim Wachstum der Stadt könne es „keine Obergrenze geben“. Das Wachstum zu begrenzen, sei eine „asoziale Position“, weil dies zu einer Gentrifizierung und Segregation führe.

Auch Planungsdezernentin Barbara Boczek (Grüne) bekräftigte die Absicht, das Wachstum der sich weiter dynamisch entwickelnden Stadt zu steuern. Boczek befürwortete es, dass das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt inzwischen das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer und Partner damit beauftragt hat, ein regionales Entwicklungskonzept für den Regierungsbezirk Darmstadt zu erarbeiten. 

Das Büro soll nun gemeinsam mit dem RP als Oberer Landesplanungsbehörde die planerischen Herausforderungen, die durch das starke Bevölkerungswachstum, den anhaltenden Wohnraumbedarf und neue Anforderungen an Gewerbe- und Logistikflächen in der Region geprägt sind, eingehend untersuchen. Dabei sollen auch die Themen Mobilität, Landschaftsraum, Klimawandel und das Sicherstellen einer sozialgerechten Raumnutzung im Ballungsraum berücksichtigt werden. Das Konzept soll – im Sinne eines Masterplans für die Region – eine konzeptionelle Entscheidungsgrundlage für Flächenausweisungen im neu aufzustellenden Regionalen Flächennutzungsplan für Südhessen liefern, heißt es in einer Mitteilung des RP. 

In Darmstadt werden die Bürgerinnen und Bürger beim Erarbeiten eines Masterplans für die Stadt schon seit mehreren Monaten beteiligt. Am Mittwochabend wurden von fünf Teams erste Zwischenergebnisse sowie Zukunftsbilder und Szenarien in der Centralstation präsentiert.  Unstrittig ist etwa, dass der Autoverkehr in der Stadt zurückgedrängt werden soll. Die Planer schlagen neue und verlängerte Straßenbahnlinien, einen Bahnringverkehr um oder in der Innenstadt sowie die Ausweisung von Fahrradstraßen vor. Auch soll der Takt der Straßenbahnen von derzeit 15 auf möglichst zehn Minuten reduziert werden. 

Die Stadtplaner sind zudem der Auffassung, dass Darmstadt als „Stadt der Quartiere“ und Wohnstadt weiterentwickelt werden sollte. Neben einer weiteren Verdichtung und der Schaffung neuer Quartiere sollte die Stadt auch das Wohnen in Gewerbegebieten ermöglichen. Auf wenig Gegenliebe stieß der Vorschlag, nördlich von Eberstadt den Wald für ein neues Wohnviertel mit S-Bahn-Anschluss abzuholzen. 

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