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Gutes tun und drüber reden

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Gerhard Becker will den Standort Eberstadt aufgeben.
Gerhard Becker will den Standort Eberstadt aufgeben. © Roman Grösser

Gerhard Becker, der neue Geschäftsführer des Klinikums, will die Kliniken aus Eberstadt in den Komplex Grafenstraße umsiedeln. In sechs Monaten soll ein Finanzpaln vorliegen.

Wie wird das Darmstädter Klinikum in 20 Jahren aussehen? So weit mag der neue Geschäftsführer Gerhard Becker, der vor drei Monaten sein Büro bezogen hat, nicht vorausdenken. Denn Gesundheitspolitik ist ein kaum einschätzbarer Faktor. Aber auf eine Zehn-Jahres-Zeitreise lässt er sich gern ein. 2020 wird Darmstadt mehr Einwohner als heute haben, sagen Statistiker. Das ist erfreulich für die Stadt, aber auch für das Krankenhaus der Maximalversorgung, weil es mit mehr Patienten rechnen kann.

Bei seinem Amtsantritt hat Becker "massive Schwachpunkte beim Ambiente" und eine "nicht zukunftsfähige bauliche Substanz" des Klinikums festgestellt. Er hat sich zum Ziel gesetzt, in zehn Jahren die Umsiedlung der Kliniken aus Eberstadt in den Komplex Grafenstraße, umzusetzen. Das wird seit Jahrzehnten gefordert, scheiterte bisher aber an der Finanzierung. Die Umsetzung würde dem Klinikum Einsparungen von über einer Million Euro pro Jahr einbringen.

Finanzplan in sechs Monaten

Innerhalb der nächsten sechs bis sieben Monate will der Geschäftsführer der Klinikum Darmstadt GmbH Finanzierungspläne ausarbeiten. "Ich bin für das Modell Public Private Partnership offen", sagt Becker, ohne auf weitere Details einzugehen. Mit einem alternativen Finanzierungsmodell hofft er, die Zusammenlegung schneller realisieren zu können.

Auch künftig werde es - wie in Offenbach oder an der Uniklinik Marburg - aus Spargründen Vier-Bett-Zimmer geben. Becker räumt auf mit der Idee von Hotelkomfort: Das Zwei- oder Ein-Bett-Zimmer für Patienten sei nicht die Zukunft und werde nicht Standard werden. Denn solcher Luxus werde auf Dauer von den Krankenkassen nicht refinanziert.

In Beckers Wunschliste für 2020 stehen: gefälligeres bauliches Ambiente, effizientere Abläufe bei der Behandlung und auf Freundlichkeit geschultes Personal. Die Verweildauer der stationären Patienten - zur Zeit 6,2 Tage - werde sich wohl nicht weiter reduzieren lassen.

Dem Betriebswirt und Informatiker eilt der Ruf voraus, ein konsequenter Sanierer zu sein. Von ihm erwartet der Magistrat, dass er das jährliche Defizit des Krankenhauses zurückfährt. 2007 waren es zwei Millionen Euro, 2008 rund vier Millionen. Für 2009 - die Zahlen liegen erst in sechs Wochen vor - rechnet Becker mit "keiner weiteren Verschlechterung".

Lob für medizinische Arbeit

Er hat nicht vor, Personal auszudünnen, zumal künftig verstärkt Patienten mit schweren Krankheitsverläufen und hohem Pflegebedarf behandelt werden sollen. Auch die Bettenzahl - zur Zeit rund 770 - soll nicht verringert, in einigen Bereichen sogar aufgestockt werden. Weil das Klinikum gute Arbeitsbedingungen und Weiterbildungsmöglichkeiten biete und exzellent ausbilde, sei es attraktiv für Ärzte und Pflegepersonal, sagt er.

Bevor Becker nach Darmstadt kam, war er unter anderem Kaufmännischer Direktor der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Von den medizinischen Leistungen im Klinikum ist er positiv überrascht. "Ärzte und Pflegekräfte arbeiten auf einem sehr hohen Niveau. Der Schwachpunkt: Wir reden zu wenig darüber". Das soll sich ändern. (pyp)

Die Darmstädter können sich am Samstag, 26. Juni bei einem Tag der offenen Tür von 11 bis 16 Uhr Eindrücke vom Klinikum verschaffen. Versprochen wird "Unterhaltung und Wissen rund um die Themen Medizin und Gesundheit".

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