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In guten Händen

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Die Hebammen können zum Beispiel eingreifen, wenn Kinder vernachlässigt werden.
Die Hebammen können zum Beispiel eingreifen, wenn Kinder vernachlässigt werden. © Helene Souza/Pixelio

Familienhebammen sollen junge Eltern im Kreis Darmstadt-Dieburg bei Problemen unterstützen. Zum Jahreswechsel könnte es losgehen - wenn das Parlament zustimmt.

Ein Kind zu bekommen, ist ein freudiges Ereignis. Es kann aber auch eine Belastung sein. Etwa für die junge alleinerziehende Mutter, die ihr zweites Kind erwartet. Der Gynäkologin erzählt sie von ihren Sorgen: Die Teilzeitstelle könne sie nun bald nicht mehr ausüben, und das Geld für die kleine Wohnung reiche dann wohl auch nicht mehr. Schon jetzt sei sie oft mit den Nerven am Ende; wie soll das erst mit dem zweiten Kind werden?

Die Gynäkologin antwortet: „Wissen Sie, dass es jetzt bald Familienhebammen gibt? Die kommen zu Ihnen nach Hause und schauen, was bis zur Geburt und danach getan werden kann, damit es auch mit ihrem zweiten Kind gut klappt.“ „Aber das kann ich mir nicht leisten“, erwidert die junge Frau. „Müssen Sie auch nicht“, beruhigt die Ärztin, „ die Kosten hierfür trägt der Staat.“

So – oder so ähnlich – könnten demnächst vielerorts helfende Gespräche mit baldigen Müttern geführt werden. Bei der Gynäkologin oder auf der Wöchnerinnenstation des Krankenhauses. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg sollen die Familienhebammen „lieber heute als morgen“ ihre Arbeit aufnehmen, kündigt Kreis-Sozialdezernentin Rosemarie Lück (SPD) an. „Wir stehen in den Puschen und wollen loslaufen.“

Die Familienhebammen sollen die Eltern, wenn nötig, auch nach der Geburt des Kindes begleiten und ihnen bei Problemen helfen. Sie können rechtzeitig eingreifen, wenn Eltern überfordert sind, Kinder vernachlässigt oder gar misshandelt werden.

Die Idee der Familienhebamme hat viele Mütter und Väter. Sowohl der Bund als auch das Land Hessen feilen an einem Förderpaket. Wer vorher startet, riskiert, zum Schluss nicht die volle Förderung bewilligt zu bekommen. Dies will die politische Führung Darmstadt-Dieburgs derzeit in Gesprächen mit Bund und Land ausschließen. „Dann können und wollen wir hier im Kreis starten, noch in diesem Jahr“, so die Sozialdezernentin.

In zweijähriger Vorarbeit hat das Kreis-Jugend- und Sozialamt 120 Organisationen und Personen zu einem Netzwerk für die frühe Hilfe verknüpft. Hebammen haben ergänzende Schulungen erhalten. In dem Netzwerk finden sich zum Beispiel Gynäkologen, Erziehungsberatungsstellen und Kindergärten.

Erster Einsatz zum Jahresende

„Es geht darum, ein extrem niederschwelliges Angebot zu machen, denn wir können nicht erwarten – das war früher der Fehler –, dass die Betroffenen, die Probleme haben, zu uns kommen werden“, erläutert Otto Weber, der Leiter des Bereichs Familie und Soziales im Kreis. Und so gilt es nun, überall dort mit wachen Ohren und Augen vertreten zu sein, wo Betroffene kurz vor, während und nach der Schwangerschaft anzutreffen sind. Die Leitidee dahinter sei klar, ergänzt Rosemarie Lück: „Je früher wir präventiv in Familien anfangen, umso besser.“

Wie groß der Zeitaufwand pro Familie sein wird, sei unklar und solle flexibel gehandhabt werden, sagt Otto Weber. Intern rechnet man momentan mit 20 Stunden. „Dort, wo es nur darum geht, wichtige Tipps zu geben, über Hilfeangebote zu informieren und Kontakte zu vermitteln, wird das völlig reichen“, sagt Weber. Andere Familien in schwieriger sozialer Lage, vielleicht schon in mehreren Generationen, werden einen größeren Zeitaufwand erfordern. Und klar ist auch: „Manchen Familien können Sie auch mit dem größten Beratungsaufwand nicht helfen“, sagt der Abteilungsleiter mit Blick auf gut 20 Jahre Berufserfahrung.

Das Kreisparlament soll sich möglichst noch im Herbst mit dem Konzept der Kreisspitze befassen. Die ersten Familienhebammen könnten dann schon zum Jahreswechsel zu den Familien nach Hause kommen. ( piz/ers)

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