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Ein grüner Kämpfer

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Christel Fleischmann ist seit 2006 Schuldezernent im Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Christel Fleischmann ist seit 2006 Schuldezernent im Landkreis Darmstadt-Dieburg. © Landkreis

Der Protest gegen die Startbahn West hat ihn geprägt: Heute ist Christel Fleichmann, ein Grüner der ersten Stunde, Schuldezernent im Landkreis Darmstadt-Dieburg

An vorderster Front war Christel Fleischmann mit dabei. Damals, in den 70er und 80er Jahren beim Protest gegen die Startbahn West. „Mit unseren Latzhosen sind wir rausgefahren“, erinnert er sich. „Wir haben gekämpft und demonstriert bis zum Umfallen.“ Darmstadt-Dieburgs Schuldezernent wird am heutigen Dienstag 60 Jahre alt. Er wirkt noch immer jugendlich und erinnert sich schaudernd an die Erlebnisse vor 30 Jahren. Er hat sich gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens gestellt, Tränengas abbekommen, gesehen, wie die Polizei Demonstranten niederknüppelte. Und dann verhöhnte Ministerpräsident Holger Börner (SPD) die Demonstranten als Chaoten und Steinewerfer, als Kriminelle.

Fleischmann hatte mit dem Gedanken gespielt, in die SPD einzutreten. „Den Aufnahmeantrag habe ich dann aber ganz schnell im Mülleimer entsorgt“, sagt er. Es zog ihn stattdessen zu den aufkeimenden Grünen, er gehörte zu den Mitbegründern der „Initiative Umwelt Hähnlein, Alsbach, Sandwiese“ (Iuhas) und saß ab 1981 für 25 Jahre im Gemeindeparlament. Er habe immer etwas werden wollen und beharrlich für Ämter und Posten kandidiert, sagt Fleischmann. Für einen Grünen der ersten Stunde ist ein solches Machtstreben nicht selbstverständlich. In seiner vom Rotationsgedanken geprägten Partei musste er sich dafür rechtfertigen. Als er gegen den Alsbach-Hähnleiner Bürgermeister Reinhard Wennrich (parteilos) antrat, in den Landtag wollte oder bei der Landratswahl Alfred Jakoubek (SPD) herausforderte, schmunzelten noch viele über den Chancenlosen. Heute lacht keiner mehr, denn Fleischmann wurde in der rot-grünen Koalition 2006 hauptamtlicher Dezernent für den Kreis.

Dezernent will weitermachen

Die 81 Schulen, das Baugeschäft und die Umwelt liegen in seiner Hand, aktuell managt er ein 250-Millionen Euro schweres Schulsanierungsprogramm. Das Landratsamt hat gerade eine Laudatio veröffentlicht, in der er als „akribischer Arbeiter, detailverliebt und stets gut vorbereitet“ gewürdigt wird. Er wird als „Kommunalpolitiker mit großer Überzeugungskraft“ gefeiert. Wenn Fleischmann im Kreistag redet, macht er tatsächlich eine glänzende Figur. Selbst wenn er Misserfolge wegstecken muss, steht er rasch wieder auf. Das Scheitern des gemeinsamen Schulentwicklungsplans mit Darmstadt ist ein gutes Beispiel dafür: Fleischmann überragt seinen Amtskollegen Dierk Molter (FDP) in der Auseinandersetzung um Längen. Und während Molter ans Aufhören nach der Kommunalwahl 2011 denkt, gibt Fleischmann noch mal richtig Gas: Er will die Allianz mit Darmstadt nach Molters Ausscheiden in einem neuen Anlauf vorantreiben. „Wenn der Wähler will, mache ich bis 2018 weiter.“

Natürlich trägt Fleischmann längst keine Latzhosen mehr. Die Haare sind grauer geworden, der Bauch dicker. Er ist mit seiner Partei gealtert. Und doch bleibt das typisch Grüne unverkennbar: Seit den 80er Jahren ist er Vegetarier. „Ein Grüner darf doch keine dicken Steaks essen“, hatte ihm seine Tochter vorgehalten. Das Buffet, das Parteifreunde heute im Landratsamt organisieren, muss daher auch „vegetarisch sein und aus der Region kommen“.( sami)

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