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Hessens Umweltminister Joschka Fischer (2.v. l.) bei der Vertragsschließung 1991, als das Land die Grube Messel kaufte.

Grube Messel

Aufschluss über frühe Evolution

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Die Fossilienfundstätte bei Darmstadt gewährt einzigartige Einblicke in die frühe Evolution der Säugetiere. Engagierten Privatpersonen ist zu verdanken, dass sie nicht zur Müllhalde erklärt wurde.

Wenn heute von der großen Bedeutung der Grube Messel als Zeitfenster in die Geschichte gesprochen wird, bleibt oft unerwähnt, dass die neun Kilometer nordöstlich von Darmstadt liegende Fossilienfundstätte beinahe mit Müll zugekippt worden wäre.

Dem Engagement von 54 Privatpersonen, die 1979 auf eigenes finanzielles Risiko gemeinsam mit der Gemeinde Messel (Kreis Darmstadt-Dieburg) gegen den Planfeststellungsbeschluss für eine Mülldeponie in der stillgelegten Ölschiefertagebaugrube klagten, ist es zu verdanken, dass Funde wie das Urpferd, der „Kranichvogel“ oder „Ida“, ein früher Primat, gemacht werden konnten. Eine Gedenktafel mit ihren Namen steht erst seit 2015 im Hof des Heimatmuseums Messel.

1995 wurde die Fossillagerstätte Grube Messel, in der seit 1880 Ölschiefer zur Mineralölgewinnung abgebaut wurde, als erstes deutsches Naturdenkmal in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen. Sie gibt einzigartigen Aufschluss über die frühe Evolution der Säugetiere und dokumentiert die Entwicklungsgeschichte der Erde vor 48 Millionen Jahren, als nach dem Ende des Dinosaurierzeitalters explosionsartige Veränderungen die Tier- und Pflanzenwelt bestimmten.

In den bituminösen Tonsteinen (Ölschiefer), die sich hier vor 48 Millionen Jahren am Grunde eines Maarsees ablagerten, wurden unzählige Pflanzen, Insekten und Tiere konserviert. Viele Funde sind im vollen Skelettverband erhalten. Sie bieten Paläontologen die Chance, nicht nur einzelne Tier- und Pflanzenarten zu rekonstruieren, sondern ihr Zusammenleben in einem quasi zur Momentaufnahme erstarrten vorzeitlichen Ökosystem zu erforschen.

Mehrere 10 000 Fossilien wurden bisher geborgen und jährlich kommen circa 3000 Funde hinzu. Neben den wissenschaftlichen Grabungen finden regelmäßig Führungen für Privatleute statt.

https://grube-messel.de

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