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Der Kühkopf im Hessischen Ried.

Geschichte

Zar und Großherzog auf Jagdausflug

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Der Kühkopf im Hessischen Ried sollte einst Militärstützpunkt werden.

Das alte Pumphaus wurde im Rahmen des Projekts aufwendig renoviert. Ein Blick hinein zeigt die grüne Pumpanlage. Das Gebäude gibt Auskunft darüber, dass der Kühkopf früher nicht nur zur Ölförderung, sondern vor allem landwirtschaftlich genutzt wurde. Da jedoch, abhängig vom Rheinspiegel, der Grundwasserpegel um bis zu vier Meter variierte, war es nötig, den Wasserstand über ein System aus Gräben, Wehren und Pumpstationen zu regeln. „Im Pumphaus wurde Wasser für die Wohnhäuser gefördert“, erklärt Ralph Baumgärtel, Leiter des Umweltbildungszentrums Schatzinsel Kühkopf. 

Funde aus der Steinzeit 

Während Funde die landwirtschaftliche Nutzung des Gebiets des Kühopfs bereits in der Jungsteinzeit nahelegen, geht die Geschichte des Hofguts Guntershausen bis ins 16. Jahrhundert zurück, wie der Förderverein Hofgut Guntershausen darstellt. Zunächst als Jagdhaus des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz genutzt, entwickelte es sich erst in späteren Jahren zum Gutshof. Es hatte seitdem viele Herren. Als seine Blütezeit gilt die Zeit im Besitz von Baron von Heyl zu Herrnsheim, wie der Förderverein Hofgut Guntershausen in einem geschichtlichen Abriss darstellt. Danach besuchten auf Heyls Einladung zum Jagdausflug am 3. November 1903 sogar Zar Nikolaus II. von Russland, Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, sowie Prinz Heinrich von Preußen den Kühkopf.

Die Familie von Heyl verkaufte das Anwesen 1961 an das Land Hessen, welches das Gut anschließend mit Pächtern besetzte, bis schließlich 1983 die Bewirtschaftung eingestellt wurde.

Die Form des heutigen Naturreservats ist eng verknüpft mit der Veränderung des Verlaufs des Rheins. Die Idee, die Rheinschleife abzuschneiden und den Kühkopf zur Insel zu machen, hatte militärische Gründe, wie Tobias Lorenz auf seiner Webseite zum Kühkopf darstellt. Dadurch sollte während der Koalitionskriege 1794 bis 1797 der Rhein als Frontlinie begradigt werden und die Franzosen stoppen. Auf dem Kühkopf war ein Stützpunkt vorgesehen. Es kam nicht dazu. Doch der Rhein wurde später dennoch begradigt.

1829 wurde am Kühkopf ein im Vergleich zum Flussbett schmaler Abkürzungs-Kanal gegraben, den der Fluss selbst verbreiterte. Durch den alten Arm des Rheins fließt heute nur noch ein kleiner Teil des Wassers. Geteilt wurde im Laufe dieses Durchbruchs auch die Rheininsel Geyer, deren größerer Teil dem Kühkopf zufiel; der Rest blieb der linken Rheinseite.

Seinen Namen hat der Kühkopf nicht von dem Tier, das ausgestopft auch im Hofgut angeschaut werden kann, sondern er rührt von der Bezeichnung „Königsland“ aus der Karolingerzeit her, wie auf der Website kühkopf.de zu lesen ist. Da die Halbinsel früher die Form eines Kopfes hatte, wurde daraus Königsland-Kopf oder kurz Königs-Kopf. Im Mittelhochdeutschen hieß König „künec“. Künec-Kopf wurde dann im Laufe der Zeit zu Kühkopf.

Lapidarer kam da die zum Naturschutzgebiet gehörende Knoblochsaue zu ihrem Namen: Das Gebiet gehörte bis ins 15. Jahrhundert der Familie von Knobloch.

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