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Großer Zuspruch für Erhalt der Pfungstädter Brauerei

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Von: Claudia Kabel

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„Brauen statt Bauen“: Reinhard Ahlheim, der Sprecher der Pfungstädter Bürgerinitiative, präsentiert einen Ordner mit abgehefteten Unterschriftslisten.
„Brauen statt Bauen“: Reinhard Ahlheim, der Sprecher der Pfungstädter Bürgerinitiative, präsentiert einen Ordner mit abgehefteten Unterschriftslisten. © Michael Schick

Die Bürgerinitiative „Brauen statt Bauen“ übergibt im Rathaus von Pfungstadt an Bürgermeister Patrick Koch (SPD) mehr als 4600 Unterschriften für den Verbleib am Traditionsstandort.

Das Ende der 1831 gegründeten Pfungstädter Brauerei steht mit dem Auslaufen des Pachtvertrags Ende 2023 bevor. Das Brauerei-Areal in der Innenstadt will der Mannheimer Investor Daniel Hopp zusammen mit der Dossenheimer Projektentwicklungsgesellschaft Conceptaplan mit Wohnhäusern bebauen. Die Stadtverordneten haben den Vorentwürfen zum Bebauungsplan bereits zugestimmt.

Doch gegen die Pläne machen nun Bürgerinnen und Bürger aus Pfungstadt mobil. Die im Juli gegründete Initiative „Brauen statt Bauen“, die innerhalb kürzester Zeit auf 952 Mitglieder wuchs, hat in den vergangenen sechs Wochen Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt. Am Dienstag wurden im alten Rathaus fünf Leitzordner mit 4606 Unterschriften an Bürgermeister Patrick Koch (SPD) übergeben. Das sind 25 Prozent der Wahlberechtigten – 10 Prozent sind nötig, um einen Bürgerentscheid zu initiieren. Bürgermeister Koch zeigte sich überrascht von der Menge der Unterschriften. Dies sei ein deutliches Zeichen der Stimmung in der Bevölkerung, die ihre Brauerei behalten wolle. Die Unterschriften müssen nun geprüft werden. Auch der Hessischen Städtetag wird das Bürgerbegehren prüfen. Das Ergebnis soll laut Koch noch in diesem Jahr den Stadtverordneten vorgelegt werden. Diese müssen sich mit dem Bürgerwillen auseinandersetzen. Unabhängig davon, ob es zu einem Bürgerentscheid kommt oder nicht, könnte das Parlament auch von sich aus den gefassten Beschluss für die Bebauung rückgängig machen.

Die Bürgerinitiative will erreichen, dass der Investor seine Bebauungspläne „Pfungstädter Stadtgärten – Alte Brauerei“ zurückzieht oder auf ein anderes Gelände ausweicht – zum Beispiel auf das nahe gelegene Baugebiet Grüner Weg. Dafür schlägt man ein Mediationsverfahren vor. „Bauen kann man überall, brauen nicht“, sagte BI-Sprecher Reinhard Ahlheim. Wegfallen würden 70 Arbeitsplätze.

Brauereiinhaber Uwe Lauer, der 2020 das Unternehmen kaufte, um es vor der Insolvenz zu bewahren, hatte Tränen in den Augen, über diese Masse an Zuspruch. Er sagte der Frankfurter Rundschau, er sei bereit das Gelände von Hopp zurückzukaufen oder auch zu pachten.

Geschäftsführer Peter Winter sieht die Brauerei wieder gut aufgestellt. Man habe investiert und nach der Pandemie einen guten Sommer mit vielen Festen gehabt. Er sei optimistisch, dass die Brauerei bestehen könne.

Für Bürgermeister Koch ist es unvorstellbar, dass die Brauerei, die er als „DNA Pfungstadts“ bezeichnete, verschwinden soll. Gerade jetzt da im kommenden Jahr der Hessentag in Pfungstadt stattfinde. Überall in der Region begegne man dem roten Hufeisen – dem Markenzeichen des Biers.

Ob Hopp sich für einen Geländetausch erwärmen kann, ist die Frage. Bisher habe er es abgelehnt, im Baugebiet Grüner Weg einzusteigen, so Koch. Allerdings sei das Areal der Brauerei als Gewerbegebiet ausgewiesen. Die Stadtverordneten könnten die Bebauung verhindern und eine Umwandlung zum Wohngebiet ablehnen.

2020 hatten die 97 Gesellschafter der insolventen Privatbrauerei zugestimmt, Gelände und Brauerei getrennt voneinander zu verkaufen. Zunächst plante Hopp mit seinem Family Office und dem Projektentwickler Conceptaplan ein neues Stadtquartier zu entwickeln, auf dem auch eine neue Brauerei gebaut werden sollte. Der Pforzheimer Bierbrauer Wolfgang Scheidtweiler wollte diese übernehmen. Doch die Pläne zerschlugen sich.

Dann übernahm der in Pfungstadt verwurzelte Anlagenbauer Lauer die Brauerei, um diese zu erhalten, wie er sagte. Allerdings könne die Brauerei nicht an einen anderen Ort umziehen, da vier Brunnen und ein Quellwasserbrunnen für den Betrieb nötig seien, für die man über die Rechte verfüge.

Das Bauvorhaben „Pfungstädter Stadtgärten – Alte Brauerei“ wird am 26. September um 19 Uhr in der Sport- und Kulturhalle der Bürgerschaft vorgestellt.

BI-.Sprecherin Tanja Hegemann (r.) überreicht dem Pfungstädter Bürgermeister Patrick Koch die Unterstützungsunterschriften für das Bürgerbegehren.
BI-.Sprecherin Tanja Hegemann (r.) überreicht dem Pfungstädter Bürgermeister Patrick Koch die Unterstützungsunterschriften für das Bürgerbegehren. © Michael Schick
Die Bürgerinitiative kämpft für den Erhalt der Pfungstädter Privatbrauerei.
Die Bürgerinitiative kämpft für den Erhalt der Pfungstädter Privatbrauerei. © Michael Schick

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