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Großer Umbau auf Schloss Heiligenberg

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Das Projekt war umstritten und sollte zudem im Landratswahlkampf vor knapp einem Jahr eine Rolle spielen. Das Vorhaben, auf Schloss Heiligenberg eine repräsentable Außenstelle für plastische Chirurgie der Kreisklinik Jugenheim einzurichten, wird nun umgesetzt.

Das Projekt war umstritten, sollte zudem im Landratswahlkampf vor knapp einem Jahr eine Rolle spielen. Das Vorhaben, auf Schloss Heiligenberg eine repräsentable Außenstelle für plastische Chirurgie der Kreisklinik Jugenheim einzurichten, ist seitdem fast in Vergessenheit geraten.

„Weder braucht eine Kreisklinik Schönheits-Chirurgie, noch ist das Schloss Heiligenberg mit seiner engen Auffahrt und wenigen Parkplätzen dafür geeignet.“ So argumentierte nicht nur eine örtliche Bürgerinitiative gegen das Vorhaben des Kreises, für seine Fachklinik Jugenheim eine Dependance wenige Hundert Meter Luftlinie entfernt auf Schloss Heiligenberg einzurichten.

Auch die CDU-Opposition im Kreistag sah da Futter für den Landratswahlkampf. Doch rasch verpuffte die Aktion, fielen Argumente gegen das Vorhaben in sich zusammen. So werde es durch die Mini-Klinik kaum mehr Autos und Verkehr geben als zuvor durch das Amt für Lehrerfortbildung, das den Schlosstrakt gekündigt hatte.

Den Vorwurf, der Kreis verschleudere Millionen an Steuergeldern für eine elitäre Schönheitsklinik, entkräftete Landrat Klaus Peter Schellhaas gleich doppelt: Zum Einen werde es sich bei den meisten der künftigen kleinen Operationen dort um medizinisch notwendige Eingriffe handeln. So wird beatmeten Langzeit-Komapatienten nach erfolgreicher Genesung der geöffnete Brustkorb wieder verschlossen. Anderen werden nach schwerem Unfall Nase, Mund oder andere Teile des Gesichts wiederhergestellt. Frauen wird nach einer Krebs-OP die Brust modelliert, anderen der Probleme verursachende zu große Busen verkleinert.

Darüber hinaus werde es aber auch einen noch nicht quantifizierbaren Anteil rein ästhetischer Chirurgie geben, also Schönheitsoperationen. „Es wird keinen Glamour-Faktor geben“, sagt der Landrat und verweist darauf, dass alle Eingriffe auch derzeit schon erfolgen.

Zum Anderen rechnet er die Finanzen vor: Gemäß eines vom Kreis in Auftrag gegebenen Businessplans sollten sich – bei vorsichtiger Rechnung – spätestens nach sechs Jahren die zu investierenden zwei Millionen Euro refinanziert haben. Inzwischen rechnet der Kreis mit nur noch 1,8 Millionen Euro Ausgaben. „Nach unseren Schätzungen ist mit Gewinn nach etwa drei Jahren Inbetriebnahme zu rechnen“, teilt die Kreis-Pressestelle auf Anfrage mit. Der Kreis wird eine monatliche Miete von 3600 Euro bezahlen für rund 350 Quadratmeter im Schloss. Dessen Ostflügel steht seit langer Zeit leer. Die Mieteinnahmen sichern somit auch den Erhalt des historisch bedeutenden Anwesens auf der bewaldeten Anhöhe über Jugenheim. Die helle Aufregung nach Bekanntgabe der Pläne noch im Ohr, ist umso verwunderlicher, dass bis heute – ein Jahr später – vom großen Umbau nichts zu sehen ist. Er sollte zügig und abgestimmt auf Denkmalschutz und medizinische Hygieneanforderungen erfolgen. „Es wird nichts hinzugebaut, es werden nur die bestehenden Gebäude erhalten, im Inneren eher in Richtung Praxis als in Richtung Klinik verändert“, hatte Schellhaas geschildert. „Das Bauvorhaben liegt hinsichtlich der Fertigstellung Ende 2016 voll im Zeitplan“, antwortet nun die Kreis-Pressestelle auf Anfrage. Zunächst habe der neue Bebauungsplan durch die Kommune abgewartet werden müssen, der im Herbst 2015 rechtskräftig wurde. Die Bebauungsplanänderung wurde notwendig, weil zuvor nur die Nutzung des Schlosses als Lehrerbildungsstätte möglich war. Nun ist – neben dem Trauzimmer, Café und Veranstaltungsräumen in anderen Schlosstrakten – das künftige „Zentrum für Ästhetik“ rechtlich möglich.

Umgeplant wurde zwischenzeitlich der Bereich des OP im Schloss. Der dort vorgesehene OP-Saal der Klasse 1a wurde durch einen der weniger aufwendigen Klasse 2 ersetzt. Große stationäre Eingriffe erfolgen ohnehin in der nahen Kreisklinik. Im ersten Schritt wird nun ab Ende Februar der Rück- und Ausbau der Nachkriegseinbauten vorgenommen, um dann denkmalgerecht zu reparieren, wie am undichten Dach, verwitterten Fenstern und am Tragwerk.

Bleibt die steile, enge und kurvenreiche Zufahrt hoch zum Schloss; sie ist alles andere als ideal. Um im Notfall einen schnellen Zugriff der Feuerwehr zu ermöglichen, soll eine Ampelschaltung installiert werden. Wenn’s brennt, gibt’s oben am Parkplatz rot, damit die Einsatzwagen ungehindert hochfahren können: ein System, wie es an anderen Schlössern bereits praktiziert werde. Patienten sollen nur wochentags behandelt werden. Wochenends, wenn das übrige Schloss stark genutzt und besucht wird, gebe es keinen medizinischen Betrieb. Ansonsten sei mit tagsüber nur sechs bis acht Patienten zu rechnen, von denen zwei bis vier dort übernachten werden. piz

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