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Großer Streit um kleinen Bach

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Das Parlament debattiert über die Offenlegung des Darmbachs. Die lange, kontroverse Debatte erinnerte wegen ihrer Schärfe und widersprüchlichen Argumente an Auseinandersetzungen um die verworfene Nordostumgehung.

Stück für Stück kommen die Befürworter einer Offenlegung des Darmbachs voran. Die Stadtverordneten billigten mit Mehrheit weitere Planungen für den Weg, den der Darmbach durch die Stadt nach Westen nehmen soll. Demnach (Variante zwei) soll er größtenteils unterirdisch in separaten Rohren verlaufen. Nur an Grünanlagen tritt er zutage.

Erwartungsgemäß gab es vor der Abstimmung eine lange, kontroverse Debatte, die wegen ihrer Schärfe und widersprüchlichen Argumente an Auseinandersetzungen um die verworfene Nordostumgehung erinnerte.

Yasemin Aslan (SPD) sprach von schönen Aspekten des Projekts, sah aber keine Notwendigkeit, es umzusetzen. Die teils offene, teils unterirdische Führung des Darmbachs sei doch „nichts Halbes und nichts Ganzes“, mit dem selbst die Befürworter nicht zufrieden sein könnten.

Baudezernentin Cornelia Zuschke (parteilos), die bei diesem Thema mehrfach ans Rednerpult trat, sprach von einem politischen Wunsch in der Stadt, der auch im Bürgerhaushalt geäußert worden sei. Mit dem Projekt – bisher sind dafür sieben Millionen Euro veranschlagt – könne die Stadt durch die Aufwertung von Grünanlagen ökologischer werden und gleichzeitig Reinigungskosten sparen.

Beides traf auf Widerspruch. Erich Bauer (Uwiga) erklärte, die Offenlegung sei keine Ökologie, sondern Ortsverschönerung. Die sieben Millionen Euro sollten lieber in bessere Radwege fließen.

Kosten für Bürger unklar

Die Rechnung, die Stadt spare bei einer Abkopplung des Darmbachs von der Kläranlage pro Jahr zwei bis drei Millionen Euro Reinigungsgebühr an die HSE, bezeichnete Georg Hang (Uffbasse) als Prinzip linke, rechte Tasche. Wegen hoher Fixkosten bei der Wasserklärung müssten dann die Bürger durch höhere Wasser- und Kanalgebühren den Ausfall der Stadt ausgleichen. Das mache gerade einmal zehn Cent pro Kubikmeter aus und werde erst nach Umsetzung des Projekts fällig, konterte Zuschke.

Auch Werner Krone (Linke) kritisierte eine Belastung für die Bürger. Sein Vorschlag, den Darmbach doch einfach in der Albert-Schweitzer-Anlage versickern zu lassen, rief Doris Fröhlich (Grüne) auf den Plan. Die Stadt habe seit 1995 rund 50 Millionen Euro für die Wasser-Reinigung ausgegeben. Im Übrigen verbiete die Abwassersatzung die Einleitung von Fremdwasser wie beim Darmbach.

Eine Debatte, ob der Klimawandel dafür sorge, dass der Darmbach trocken fallen oder wegen der Offenlegung Menschen im Bach ertrinken könnten, hatte so irreale Züge wie das Argument, das Projekt sei eine Verschiebung der Gebühren von Besser- zu Geringverdienern. (ryp)

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