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Ein großer Kämpfer muss aufgeben

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Der Darmstädter Jonathan Heimes ist im Alter von 26 Jahren gestorben. Er war der Gründer der „Du musst kämpfen“-Initiative, die den Förderverein der Kinderkrebsklinik am Frankfurter Uniklinikum unterstützt.

Am Ende fehlte nicht nur die Kraft. Am Ende fehlte auch der Wille. Am Dienstagabend ist Jonathan Heimes im Kreis seiner Familie zuhause friedlich eingeschlafen. Er wurde 26 Jahre alt.

Im Dezember 2014 hatte Jonathan Heimes gerade seine vierte Krebstherapie überstanden und war voller Pläne. Das Jahr hatte ihn durch die endlosen Krankenhausaufenthalte getragen, seine Motivationsbändchen „Du musst kämpfen“ zugunsten des Fördervereins der Kinderkrebsklinik am Frankfurter Uniklinikum, hatten mittlerweile ihren Siegeszug durch die Darmstadt-98-Welt angetreten.

Sie hatten das Wunder von Bielefeld begleitet, den Aufstieg eines sportlich abgestiegenen Drittligisten, der nur durch die Insolvenz seines Erzkonkurrenten Offenbach in der Dritten Liga bleiben durfte und in der Relegation in buchstäblich letzter Sekunde den Aufstieg in die Zweite Bundesliga geschafft. Dass Jogi Löw und seine Nationalspieler im Fußball-Weltmeisterschaftsjahr die Bändchen ebenfalls um hatten, muss nicht extra erwähnt werden.

So hatte die frühere Tennishoffnung Jonathan, Trainingspartner und Freund von Andrea Petkovic, den Spruch seines besten Freundes „4:6, 4:5, 15:40. Zwei Matchbälle gegen dich. Du musst kämpfen. Es ist noch nichts verloren“ nicht nur zu seinem Lebensmotto, sondern auch zu Geld gemacht.

Das sollte mehr werden, denn Johnny Comeback hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Supportive Sporttherapie an der Kinderkrebsklinik zu finanzieren, der Einrichtung, in der er seit seinem 14. Lebensjahr, als sein erster Hirntumor diagnostiziert wurde, Jahre seines Lebens verbracht hat. Sie mobilisiert Kinder während der Chemotherapie und hilft, ihren Allgemeinzustand zu erhalten, so dass sie danach nicht alles wieder aufbauen müssen.

Der Sport hat eine positive Wirkung auf Körper und Seele und vermittelt den kleinen Patienten ein Stück Normalität und Kontrolle über den eigenen Körper. Die Krankenkassen bezahlen sie dennoch nicht. 70 000 Euro: soviel kostet diese Unterstützungsmaßnahme im Jahr, und das war Jonathans Marge. Dafür gründete er im Januar 2015 mit sechs früheren Tennisprofis die gemeinnützige „Du musst kämpfen“-gGmbH zur Organisation sportlicher Benefiz-Veranstaltungen.

Jonathan war tumorfrei und guter Dinge. Als erstes Event war eine Tennis-Trophy geplant, im Juli, mit vielen aktiven und früheren Tennisstars, natürlich mit Petkovic. Vorher allerdings kam der Pfingstsonntag und mit ihm das zweite Fußballwunder. Der SV Darmstadt 98 schaffte aus eigener Kraft – und mit Jonathans Bändchen – die Aufstiegssensation ins Oberhaus des bundesdeutschen Fußball.

Selbstverständlich war Jonathan bei der Uffstiegsfeier auf dem Darmstädter Karolinenplatz mit der Mannschaft auf der Bühne. Schon damals konnte man sehen, dass es ihm nicht gut ging. Zum fünften Mal hatte der Krebs zugeschlagen. Sein Vermächtnis: Er hat nicht nur den Kampf gegen sein Schicksal aufgenommen, er hat dabei noch anderen geholfen. (rwb)

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