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Große Welt im Kleinen

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Lea Simon ist die frisch gewählte Bürgermeisterin der „Sonnenstadt“.
Lea Simon ist die frisch gewählte Bürgermeisterin der „Sonnenstadt“. © Alexander Heimann

In „Sonnenstadt“ üben Kinder während der Ferienspiele das Alltagsleben. Sie gehen arbeiten und haben Kontakt mit verschiedenen Behörden.

Zum zweiten Mal seit 2013 hat die kommunale Jugendarbeit in Groß-Gerau Ferienspiele im großen Stil organisiert. „Sonnenstadt“ heißt das zweiwöchige Projekt, das der Idee eines Münchner Jugendteams aus den 90er Jahren folgt. Die Wallerstädter Juz-Pädagogin Petra Sattler hat es 2013 erstmals angeregt. Keine Frage: Es wurde ein voller Erfolg.

„Wir haben die Ferienspiele für Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren aus allen Stadtteilen ausgelegt. 183 Teilnehmer sind dabei“, berichtet Ralf Platen, neben Petra Sattler und Boris Haupt hauptamtlicher Pädagoge der Stadt. Die vier kommunalen Jugendzentren haben dafür ihre Ressourcen gebündelt und zur Betreuung 40 pädagogisch geschulte Mitarbeiter akquiriert. Eine von ihnen ist als „Streetworkerin“ in der „Sonnenstadt“ unterwegs, um auch all die Kinder zu integrieren, die vielleicht anfangs scheu am Rand der Aktivitäten stehen.

Ralf Platen erläutert, dass das Programm vorsehe, Aktivitäten des Alltags in die Strukturen einer Stadt einzubetten. „Das Gefüge des realen Lebens stellt den Rahmen. Über das Jobcenter suchen sie Arbeit in einer Bäckerei, beim Schreiner, beim Wachdienst, in der Fahrradwerkstatt, der Kantine oder bei der Bank“, führt er aus, skizziert das Gerüst aus Handel, Banken und Behörden, in das die Kinder von den Betreuern in Kleingruppen eingeführt wurden. Die jüngeren Kinder absolvieren eine „Berufsvorbereitung“, zum Beispiel als Praktikanten in den „Sonnenstadt“-Betrieben.

Kinder begeistert dabei

Hört sich komplex an, erschließt sich aber im Tun: Blickt man rundum, so sind die Kinder begeistert dabei, finden ihre Lieblingsbeschäftigung beim Kuchen- oder Pizzabacken, beim Schrauben und Reparieren oder Schreiben und Fotografieren für die Tageszeitung „News aus der Sonnenstadt“. Ordnungskräfte gibt es auch. Leon Philipp (11) ruft ins Megafon: „Achtung, Achtung, die Bevölkerung wird in den Versammlungssaal gebeten, in der der neue Bürgermeister vorgestellt wird.“

Platen merkt an, dass Kinder klare Regeln brauchen: Pures Chaos erschrecke eher. Geordnetes Chaos in Form von Vielfalt mache Spaß. Lea Simon (11) mit ihrem Slogan „Mehr Lohn“ ist nach Auszählung der Stimmen die diesjährige Bürgermeisterin der „Sonnenstadt“. Groß-Geraus Verwaltungschef Stefan Sauer (CDU) gratulierte der jungen Kollegin am Mittwoch und wünschte viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer Ziele.

„Sonnenstadt“: Das ist die große Welt im Kleinen, das ist ein Miteinander vielfältiger, vernetzter Aktivitäten – wer arbeitet, erhält Lohn, wer Geld hat, zahlt Steuer, kann aber mit dem Restgeld im Café Kuchen genießen, den zu backen freundliche Frauen der Generationenhilfe anleiten.

Viele Akteure aus Vereinen seien mit im Boot, so Platen. Die Feuerwehr stellt Löschdiplome aus, Besichtigungen bei der Polizei und bei Unternehmen gehören dazu. Geschäftiges Hin- und Her zeigt, dass alle ein Ziel haben. Voll besetzt ist auch der Wartesaal im Krankenhaus, wo sich Kinder gegen Langeweile oder „Fauleritis“ impfen lassen können: Helfer des Deutschen Roten Kreuzes Wallerstädten haben Spritzen sowie Notfall- und Trostpflaster vorbereitet. (lot)

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