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Grenzgänger in Europa

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Rund 700 Bürger und Gäste aus den Darmstädter Partnerstädten wandern. Auf der Grenzgangstrecke vom Böllenfalltor bis zur Ludwigshöhe stehen die Stände der Partnerstädte.

Für geübte Grenzgänger, und das sind die meisten der etwa 700, ist es von Szeged nur ein Katzensprung nach Bursa, Plock, Trondheim, Saanen und Graz. Denn die Partnerstädte Darmstadts hatten auf der Grenzgangstrecke vom Böllenfalltor bis zur Ludwigshöhe ihre Stände aufgebaut. Die Strecke beginnt an der Oberförsterwiese. Dort wo die Gastgeber, Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) und Forstamtsleiter Hartmut Müller die Wanderer begrüßen, wartet Dieter Düber vom Jagdklub Darmstadt auf seinen Einsatz. Mit dem Parforcehorn soll er den guten Ton treffen. Den trifft auch der OB. Ehe er sich den Darmstädtern widmet, sagt er, viele Menschen könnten derzeit nicht ans Feiern denken, da ihnen ihr Hab und Gut von der Flut genommen worden sei.

Unruhe kommt auf, als – plötzlich und ohne Vorwarnung – in kurzer Folge Böllerschüsse ertönen. „Das ist aber neu“, kommentiert eine Frau. Es stellt sich heraus, dass Jagdklub-Mitglied Stefan Bechtel vier Salutschüsse zu Ehren des Jubiläums 125 Jahre Eingemeindung Bessungens organisiert hat. OB Partsch sagt, auch er sei überrascht worden. Später, am Stand der Norweger an der Alten Bogenschneise, wo die Vorhut auch ihm noch reichlich von der leckeren Elchwurst übrig gelassen hat, ist er schon wieder versöhnt.

Rechts überholen gehört sich auch im Wald nicht, doch am Stand der Ungarn, die traditionell Salami und Rotwein reichen, ist die Schlange derart lang, dass einige für die Mitbringsel aus Szeged nur einen kurzen Blick übrig haben.

Ingo Skoda ist zum fünften Mal in Folge beim Grenzgang dabei. Seine Tochter Natascha ist ein gutes Beispiel für gelebte Völkerverständigung. Weil sie Norwegisch lernen wollte, machte sie im hohen Norden ein freiwilliges soziales Jahr, und weil sie Land und Sprache liebt, bot sie dem Amt für Städtepartnerschaften an, den Trondheimern bei deren Darmstadt-Besuchen zu helfen. „Das mache ich seit sechs Jahren“, sagt die Mitzwanzigerin. Heute begleitet sie Stadtrat Yngwe Brox.

Unerwartete Salutschüsse

Am Doppelstand Plock/Bursa bekommen die Wanderer Honigwein und Wurst (Plock) und zum Nachtisch kandierte Kastanien (Bursa). Am Ende des Viereicher Weges steht Gemeinderatspräsident Aldo Kropf aus Saanen, in der linken ein Tablett mit Hobelkäse, in der rechten ein Fläschchen Weißwein aus dem Wallis. Dazu erklingen abwechselnd Alphorn- und Akkordeonklänge.

An einer Lichtung unterhalb des Prinzenberges hat man nur scheinbar die Wahl. Links geht es nach Graz, rechts zur Schlussrast. Die Heiner aber wissen: Wer Graz links liegen lässt, verpasst etwas. In diesem Fall ein sonniges Fleckchen, muntere Akkordeonspieler (Helmut Gutschy, Martin Pronegg), eine wie immer charmante Schankwirtin (Sigrid Hirsch), Schmackhaftes zum Essen (Verhackertes) und zum Trinken (Schilcher, Welschriesling).

Mit derart geschärften Sinnen nimmt der inzwischen arg in die Länge gezogene Tross den letzten (und einzigen) Anstieg, passiert die Abordnungen der Schausteller sowie der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft und ist im Nu auf der Ludwigshöhe. Die Bedingungen für eine vergnügliche Schlussrast könnten besser nicht sein: Das Wetter hält. das Seniorenorchester und Jugendliche der Leuschnerschule unterhalten musikalisch und die Erbsensuppe des Roten Kreuzes beschließt die kulinarische Europareise. (how)

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