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Mitglieder des Museumsvereins spalten Schieferplatten, die sie bei einer Garbung geborgen haben.

Darmstadt-Dieburg

Grabungsstart in der Grube Messel

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Mit neuem Gerät gehen Wissenschaftler erstmals wieder auf die Suche nach Fossilien.

Nach zweijähriger Zwangspause haben am Montag wieder die regulären Ausgrabungen in der Grube Messel (Kreis Darmstadt-Dieburg) begonnen. Ein Team von vier Studenten wird in den kommenden vier Wochen nach Fossilien im Ölschiefer suchen. Im September werde ein weiteres Grabungsteam folgen, wie Sonja Wedmann aus der Abteilung Messelforschung am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt der FR sagte. Vor zwei Jahren war die seit 1975 andauernde Grabungstätigkeit unterbrochen worden, um die bisher praktizierte Grabungs- und Dokumentationsmethodik zu überprüfen. Neue Gesetzesauflagen sehen seit 2016 den besonderen Schutz von Unesco-Welterbestätten vor, so Wedmann. Gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen und dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt sei bereits während einer Probegrabung im vergangenen Jahr eine neue Strategie entwickelt worden, teilte die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit. Diese soll es künftig ermöglichen, paläontologische Forschung in der Grube zu betreiben und dabei den Ölschiefer so gut es geht zu bewahren. Der dauerhafte Schutz dieses Bodendenkmals soll gemäß den umfassenden Unesco-Bestimmungen und den Vorschriften des Hessischen Denkmalschutzgesetzes soweit irgend möglich gewährleistet werden.

„Wir benutzen jetzt ein Hightech GPS-Gerät, das wir vorher nicht hatten“, erklärte Wedmann. Mit dem sogenannten GPS-Base-Rover-System könnten die Funde und Abbaublöcke zentimetergenau eingemessen werden. Dann würden die ein bis zwei Meter großen Blöcke wie bisher abtransportiert und mit Messern per Hand Stück für Stück gespalten.

Bereits Anfang Juni testeten die ehrenamtlichen Kollegen vom Museumsverein Messel die neue Methode. „Die Grabungen fanden auf einer nordwestlich am Grubenhang gelegenen Grabungsstelle statt“, so Wedmann. „Bereits in der ersten Grabungswoche haben wir schon viele fossile Pflanzen, Insekten und Fische geborgen. Wir sind gespannt welche weiteren Schätze wir in diesem Jahr noch bergen können“, so Wedmann. Sie als Insektenkundlerin hoffe auf eine „tolle Gottesanbeterin“ oder „Wandelnde Blätter“. Ihre Kollegen in Frankfurt würden sich über ein Säugetier freuen.

Bisher wurden mehrere 10 000 Fossilien in dem vor 48 Millionen Jahren entstandenen Maarvulkan-See bei Darmstadt geborgen. Jährlich kommen etwa 3000 neue Funde hinzu.

Vor Ort dabei

Bei vier Spezialführungen, die das Besucherzentrum in Kooperation mit Senckenberg und der Welterbe Grube Messel Gesellschaft anbietet, können Teilnehmer ausnahmsweise direkt die Ausgrabungsstelle besuchen und mit den Forschern sprechen.

Termine der zweistündigen Führung sind am 3. und 10. Juli sowie 11. und 18. September. Beginn jeweils um 10.30 Uhr. Teilnahme 15 Euro, Kinder unter sieben frei. Reservierung unter Telefon 06159 / 717590 oder per Mail an service@welterbe-grube-messel.de

Das Besucherzentrum bietet weitere Führungen und Infos unter www.grube-messel.de

Der Museumsverein Messel präsentiert Funde im eigenen Museum. Infos unter www.messelmuseum.de

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