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Glück im falschen Spiel

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Kriminalhauptkommissarin Annerose Siegler warnt auch vor falschen Zwanzigern.
Kriminalhauptkommissarin Annerose Siegler warnt auch vor falschen Zwanzigern. © Roman Grösser

Das Darmstädter Betrugskommissariat hat fast täglich mit unechten Gewinnbenachrichtigungen zu tun. Rund 25 bis 30 Schreiben dieser Art landen jährlich bei Kriminalhauptkommissarin Annerose Siegler auf dem Tisch.

Das Darmstädter Betrugskommissariat hat fast täglich mit unechten Gewinnbenachrichtigungen zu tun. Rund 25 bis 30 Schreiben dieser Art landen jährlich bei Kriminalhauptkommissarin Annerose Siegler auf dem Tisch.

Herzlichen Glückwunsch! Wir gratulieren Ihnen zu dem nagelneuen Audi A?5 im Wert von 54?600 Euro. Die Ziehung fand am 15.2.2011 in Istanbul in der Türkei statt.“ Es ist ein typischer Brief mit einem typischen Gewinnversprechen, den die künftige Leiterin des Betrugskommissariats, Kriminalhauptkommissarin Annerose Siegler, da vor sich liegen hat. Es ist ein typischer Fall von Betrug.

Für die angeblichen Gewinne fallen angebliche Überführungskosten in Höhe von 2801 Euro an. Aber, so steht es im Brief, die müsse der Gewinner nicht bezahlen. Es werde für ihn nur eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen. Für 645 Euro. Die seien nicht zu überweisen, sondern bar zu transferieren. „Bar und weg“, sagt Siegler lapidar.

Die Gewinnbenachrichtigung trägt den Briefkopf eines Frankfurter Notariats, die Telefonnummer hat eine Frankfurter Vorwahl. Der Brief ist unterschrieben und gestempelt. Soweit das bei Gewinnbenachrichtigungen überhaupt möglich ist, sieht das Schreiben seriös aus. Ist es aber nicht.

Rund 25 bis 30 Schreiben dieser Art aus Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg landen jährlich bei Annerose Siegler auf dem Tisch. Die Dunkelziffer sei schwer zu schätzen, aber wohl weitaus höher.

Opfer sind meist Senioren

Die Bande, die dahinter steckt, betreibt in der Türkei Callcenter mit deutschsprachigem Personal und hat bei einer Düsseldorfer Firma online eine Wunschtelefonnummer bestellt. Diese Nummer wird angemeldet auf eine reale Person, die aber nichts davon weiß. Wer dort anruft, landet im Callcenter in der Türkei und erhält die Anweisung, wie viel Bares wohin transferiert werden soll. Die Internet-Identifizierungsadresse des Telefonnummern-Bestellers lässt sich im Nachhinein nicht mehr verfolgen.

Weil die Benachrichtigung einen Kontaktmann mit Adresse nennt, der das Geld für die Versicherung in Empfang nehmen wird, werden die Opfer in Sicherheit gewiegt. „Sie glauben, das ist risikolos“, stellt Siegler immer wieder fest. Das Schreiben verspricht zudem die „Bearbeitung und Anlieferung binnen zwei bis drei Werktagen“. Dazu kommt es aber nicht. Weil weitere Gebühren oder Steuern anfallen, die die angebliche Auslieferung verzögern. Haben die Opfer erstmal die 645 Euro bezahlt, „sind sie auch geneigt, noch zwei, dreimal nachzuschießen“, sagt sie. „Irgendwann stellen sie fest, dass sie betrogen worden sind.“

Wie beim Enkeltrick sind die Opfer in der Regel ältere Menschen. „Viele sind arglos, haben noch ein Urvertrauen“, weiß Siegler. Und die Schreiben enthielten viele amtlich wirkende Faktoren, ergänzt Kriminalhauptkommissar Fred Hosse von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle: „Davon lassen sich Ältere einschüchtern.“ Wenn er ihnen dann rät, das Schreiben einfach wegzuwerfen, hört er schon mal, „aber das ist ein Stempel drunter“. Dazu kommt der sehnliche Wunsch, auch mal Glück zu haben. Glück bei einem Gewinnspiel, an dem man gar nicht teilgenommen hat. (rwb)

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