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Das Glück der Centralstation

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An ihm kommt keiner vorbei: Mien Le steuert den Ablauf.
An ihm kommt keiner vorbei: Mien Le steuert den Ablauf. © Grösser

Integis übernahm zum Jahresbeginn die Gastronomiesparte der Centralstation. Das Unternehmen garantiert den Mittagstisch - mit Erfolg, wie sich nach einem Monat zeigt.

Mien Le hat Kommunikationswissenschaften und Philosophie studiert, er hat sich zum Informatikkaufmann ausbilden lassen, er ist in Computerdingen ein As. Doch zu mehr als Ein-Euro-Jobs hat es in seinem Arbeitsleben nie gereicht. Mien Le sitzt im Rollstuhl. Weder finanzielle Anreize noch das Engagement der Arge haben je einen Arbeitgeber überzeugt, den einst aus Vietnam gekommenen Darmstädter einzustellen.

Nun aber begegnet Mien Le den Menschen mit einem fröhlichen Gesicht. Seit dem 1. Januar hat er eine feste Arbeit. Zuvor war er noch mit Aushilfsarbeiten in einem Frankfurter Museum und im Darmstädter Polizeipräsidium beschäftigt. Jetzt jedoch ist er Empfangschef in der Centralstation.

Das Glück des Mannes ist zugleich das Glück des Hauses. Im vergangenen Herbst sah es so aus, als werde die Gastronomie der Centralstation zum Jahresende eingestellt - Opfer der verqueren Finanzkonstruktion, von der die Kulturhalle im Carree getragen wird. Der eigentlich profitable Betrieb sollte geschlossen werden, was im Herzen der City ein Vakuum hinterlassen hätte.

Erst in letzter Minute konnte dies abgewendet werden - durch einen Vertrag mit Integis. Die Firma, die als eigenwirtschaftliches Unternehmen Behinderte beschäftigt, übernahm zum Jahresbeginn die Gastronomiesparte der Centralstation. Vier Schwerbehinderte hat Integis eingestellt. Zwei weitere Behinderte, sowohl für die Küche als auch für den Service, werden noch gesucht. Das Unternehmen garantiert den Mittagstisch - mit Erfolg, wie sich nach einem Monat zeigt.

Freitag, 12.30 Uhr. Gedämpft und doch geschäftig geht es im großen Saal zu. Alle Tische sind besetzt. Die Schlange am Büfett ist lang, den Wartenden steigt der Duft eines kreolischen Fischcurrys und einer Mangoldlasagne in die Nase. Wer hier zulangt, hat zuvor bei Mien Le einen Bon erworben. Das ist neu. Der Rollstuhlfahrer sitzt an einer Rezeption neben den Türen, begrüßt die Gäste, registriert Tischnummer und Verzehrwünsche. Im Grunde, erklärt Centralstation-Geschäftsführer Alexander Marschall, steuert Mien Le schon jetzt den gesamten Ablauf.

Rezeption als Leitstelle

Und seine Aufgaben werden wachsen. Die Rezeption wird peu à peu zur Leitstelle ausgebaut. Auch die Konzertkarten sollen künftig hier verkauft werden. Die Kasse an der Toilette im Keller hat ausgedient. "Warum sind wir da nicht eher draufgekommen?" stöhnt Marschall. Das gilt für das gesamte Projekt, das Sozialdezernent Jochen Partsch (Grüne) und Integis-Geschäftsführer Peter de Gennaro gestern bei einem Pressegespräch zum Erfolg erklärten. Auch Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) staunte: "Ich habe einen guten Eindruck. Für die Innenstadt absolut ein Gewinn." Auch de Gennaro ist zufrieden. "Gegenüber dem Vorjahresmonat haben wir ein Plus erwirtschaftet" ( ers)

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