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Die Polizei sperrt am Montag die Alarich-Weiss-Straße vor dem Gebäudekomplex L201 auf dem Außencampus Lichtwiese der TU Darmstadt ab.
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Die Polizei sperrt am Montag die Alarich-Weiss-Straße vor dem Gebäudekomplex L201 auf dem Außencampus Lichtwiese der TU Darmstadt ab.

Darmstadt

Giftanschlag an TU Darmstadt: Polizei, Feuerwehr und Klinik im Einsatz

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Behörden, Polizei und Klinik arbeiten bei einem Giftanschlag wie an der Technischen Universität Darmstadt zusammen. Die FR erklärt, wie eine Vergiftung nachgewiesen wird und worauf man achten muss.

Welche Stellen werden bei einem Fall von Vergiftung wie an der TU Darmstadt eingeschaltet?

Grundsätzlich ist ein Einsatz wie an der TU eine polizeiliche Lage, obliegt also der Federführung der Landespolizeibehörden. Der Rettungsdienst kann sich über die Leitstelle beim Giftnotruf informieren. Die Untersuchungen der Verletzten werden durch die Krankenhäuser durchgeführt. Die Feuerwehr Darmstadt wurde zur Unterstützung der Polizei eingesetzt und hat vor Ort Proben entnommen und diese zur Feuerwehr Frankfurt transportiert. Dort wird eine Analytikeinheit vorgehalten, die erste Hinweise auf die Stoffe geben konnte. (Daniel Klose, Pressestelle der Stadt Darmstadt)

Wer wurde im Krankenhaus behandelt?

Im Klinikum Darmstadt wurden am Montag drei Betroffene nach dem möglichen Kontakt mit der giftigen Substanz an der TU vorsorglich untersucht. Wie die Klinik auf FR-Anfrage erklärte, musste eine stationäre Aufnahme in keinem der Fälle erfolgen. Insgesamt waren sieben Personen betroffen.

Was unterscheidet eine Vergiftung mit einem Fremdstoff von einer Lebensmittelvergiftung?

Eine Lebensmittelvergiftung entsteht durch den Verzehr von verdorbenen Lebensmitteln. Das können Giftstoffe in den Lebensmitteln sein oder Krankheitserreger wie Salmonellen. Es entstehen rasch Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfälle, Fieber und Schwindel. In der Regel heilt die Lebensmittelvergiftung nach wenigen Tagen aus. Wichtig ist, in ausreichender Menge Flüssigkeit aufzunehmen. Kleine Kinder und ältere Menschen haben geringere Reserven an Flüssigkeit und Blutsalzen, so dass bei Ihnen eine stationäre Behandlung notwendig werden kann.

Vergiftungen mit anderen Fremdstoffen können ganz unterschiedliche Symptome haben. Entsprechend der Wirkung der Giftstoffe werden die Vergiftungen in vier Gruppen eingeteilt. Innerhalb dieser Gruppen treten ähnliche Symptome auf: Veränderungen der Pupillenweite und der Sekretion von Körperflüssigkeiten, Störungen von Herzschlag, Atmung und Bewusstsein bis hin zum Herz- oder Atemstillstand oder zum vollständigen Verlust des Bewusstseins. Andere Substanzen verursachen ein auffälliges Verhalten, Halluzinationen, Hautveränderungen.

Wie ist das Prozedere ?

Wichtig ist eine genaue Untersuchung und Befragung der betroffenen Person. Ist der Patient oder die Patientin nicht mehr in der Lage, eigenständig Auskunft zu erteilen, sind Information von Familie, Freunden und Bekannten wichtig, die die Situation, in der der oder die Erkrankte aufgefunden wurde, beurteilen können. Auch Informationen zu Vorerkrankungen, ein Medikamentenplan und Telefonnummern von Kontaktpersonen sind wichtig für die weitere Behandlung.

Wie wird eine Vergiftung festgestellt?

Bei Vergiftungen erfolgt der Substanznachweis am häufigsten im Blut oder Urin, auch Haar- oder Hautproben können zum Nachweis herangezogen werden. Bei der typischen Nahrungsmittelvergiftung werden ebenfalls Stuhlproben untersucht. Im Labor werden Blut- und Urinproben auf Giftstoffe untersucht. Hier kann der Nachweis und die Angabe der Konzentration des Giftstoffs weitere Hinweise für die Behandlung geben. Kann die Ursache der vermuteten Vergiftung nicht gefunden werden, erfolgt eine Therapie der Symptome und es werden weitere Untersuchungen durchgeführt.

Wie geht es nach dem Giftnachweis weiter?

Werden Gifte nachgewiesen, kann Hilfe bei der Giftnotinformationszentrale eingeholt werden, die Rettungsdienst, Ärzte und auch Privatpersonen bezüglich des weiteren Vorgehens beraten.

Wo werden die Proben analysiert?

Die Blutproben werden in einem Blutgasanalysegerät, das in der Zentralen Notaufnahme steht, untersucht. Hier stehen erste Ergebnisse nach wenigen Minuten zur Verfügung. Dann werden die Blutproben in das hauseigene Labor zu weiteren Untersuchungen geschickt. Für sehr spezielle Untersuchungen stehen besondere Labore zur Verfügung wie beispielsweise das Labor im Rechtsmedizinischen Institut der Universität in Frankfurt. (Sabine Jobmann, Klinikdirektorin der Zentralen Notaufnahme)

Die Vergiftung an der TU hatte zu einer Blaufärbung der Extremitäten bei den Betroffenen geführt. Welche Stoffe verursachen dies?

Vergiftungen mit Stoffen, die den Gasaustausch im Körper hemmen, können sich durch eine Zyanose (Blausucht) bemerkbar machen. Hierzu zählen Kohlendioxid, Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen, Salicylsäure, Pestizide und Opiate.

Gab es schon ähnliche Vorfälle von Giftanschlägen?

Giftattacken am Arbeitsplatz gibt es immer wieder. Im hessischen Bad Nauheim buk eine Krankenschwester Kekse für die Kolleg:innen. Was wie eine nette Geste klingt, sorgte bei einigen Kolleg:innen für Schwindel und Bewusstlosigkeit. Die Frau mixte nach Auffassung des Landgerichts Gießen Beruhigungs- und Schlafmittel in ihre Naschereien und wurde im Mai 2020 wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren Haft verurteilt. In der Gemeinde Schloss Holte-Stukenbrock in Nordrhein-Westfalen vergiftete ein Mann nach Auffassung des Landgerichts Bielefeld über Jahre die Pausenbrote seiner Kolleg:innen. Er streute Pulver mit Blei-, Quecksilber und Cadmiumverbindungen auf die Pausenbrote. Er wurde 2019 zu lebenslanger Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. FR/dpa

Ermittlungen zum Giftanschlag an der TU Darmstadt: Staatsanwalt geht von versuchtem Mord

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