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"Es gibt noch Geheimnisse"

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Von: Peter Hanack

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Ölschieferabbau in der Grube Messel bei Darmstadt. Die Grube steht seit 1995 auf der Weltnaturerbe-Liste der Unesco.
Ölschieferabbau in der Grube Messel bei Darmstadt. Die Grube steht seit 1995 auf der Weltnaturerbe-Liste der Unesco. © Senckenberg

Messel-Erforscher Schaal über den Blick in die Vergangenheit und manche Überraschung.

Herr Schaal, verbergen sich in der Grube Messel eigentlich noch Geheimnisse?
Wenn mit Geheimnissen Funde von bislang noch unbekannten Tieren und Pflanzen gemeint sind, dann ganz klar Ja. Man kann davon ausgehen, dass seit Beginn der Grabungen im Jahr 1975 beispielsweise von den Wirbeltieren erst gut die Hälfte der zu erwartenden Arten entdeckt wurde und von den Insekten, die in den Regenwäldern gelebt haben dürften, erst ein verschwindend geringer Anteil der Arten nachgewiesen worden ist.

Woran liegt das?
Die typischen Bewohner des ehemaligen Messel-Maarsees und seiner Umgebung vor 48 Millionen Jahren hatten größere Chancen, im See verewigt zu werden und sind vermutlich bereits entdeckt. Alle etwas selteneren Arten gelangten auch seltener in den See und werden somit heutzutage auch seltener bei den Grabungen aufgespürt.

Wie lange haben die Forscher noch zu tun, bis alles ausgegraben ist?
Es ist genug Material vorhanden, um noch über Generationen Ausgrabungen vorzunehmen. Zusätzlich wird eine große Fläche im Süden der Grube langfristig für zukünftige Generationen aufgehoben. Sie wurde Ende der 1980er Jahre mit einer bis zu vier Meter mächtigen Schotterschicht bedeckt, die damals als Filterschicht für die geplante Mülldeponie gedacht war. 

Welche Überraschungen könnte es denn noch geben?
Zusätzliche Funde einer bereits bekannten Art zeigen oft Details, die bei bisherigen Stücken gefehlt haben. Das könnte etwa der Mageninhalt sein, oder man findet einen aussagefähigeren Hautschatten oder bessere Knochenerhaltung. Erwachsene Tiere ergänzen die Kenntnisse zu bislang nur als Jungtiere bekannten Arten. Neunachweise von Arten sind nach mehr als 40 Jahren Grabung natürlich nicht mehr so häufig zu erwarten. Insbesondere bei den Vögeln, Reptilien, Insekten und Pflanzen aber werden doch immer wieder neue Arten entdeckt.

Für wen haben Sie das schöne Buch über die Grube Messel und ihre Funde herausgegeben?
Für Wissenschaftler und Studenten der Geowissenschaften, für Fossilienliebhaber und auch für die interessierten Laien. Für die erste Gruppe haben wir die gesamte wissenschaftliche Literatur der vergangenen 30 Jahre zusammengefasst. Für die Laien und Liebhaber ist die sehr üppige Ausstattung mit Bildern der Fossilien gedacht.

Interview: Peter Hanack 

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