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Gianpieros Weihnachtswunsch

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Gianpiero kann wieder fröhlich spielen.
Gianpiero kann wieder fröhlich spielen. © Volker Dziemballa

Frohe Botschaft: Gianpiero Militello (7) aus Dornheim geht es besser. Der Bub war schwer an Leukämie erkrankt, und 1344 Menschen nahmen Anteil, ließen sich 2015 für eine Knochenmarkspende typisieren. Zu Weihnachten wünscht sich Gianpieros Gesundheit.

Gianpiero spielt, ist ganz in seine kindliche Fantasie vertieft. Vorm Weihnachtsbaum sitzen seine Eltern Daniela und Carlo Militello, blicken glücklich auf den Sohn. Sieben Jahre ist Gianpiero nun alt, und es scheint unglaublich, dass er noch vor einigen Monaten dem Tod näher war als dem Leben. „Mama, warum bin ich so krank?“, habe er damals mit leiser Stimme gefragt, ein fiebriger, appetitloser, matter Bub, der binnen Kurzem etliche Kilo abgenommen hatte, wie die Eltern berichten.

Sie seufzen erleichtert, doch noch immer scheint der Schrecken der Diagnose in ihnen nachzuhallen. „Es war der 21. Oktober 2014, als wir in der Uniklinik Frankfurt die Worte hörten: Es ist Leukämie“, sagt Daniela Militello. Alles sei damals sehr schnell gegangen, man habe gehandelt wie in Trance, erzählt sie. „Los ging’s mit einer Erkältung. Doch dann bekam Gianpiero Fieber, hatte geschwollene Lymphdrüsen. Außerdem hatte er blaue Flecken, die ich erst aufs Fußballtraining schob“, erinnert sie sich, als sei alles erst gestern geschehen.

Daniela Militello fährt fort: „Ich ging mit ihm zum Kinderarzt, der Besorgnis zeigte. Er überwies uns sofort in die Onkologie Frankfurt. „Onkologie, Krebsstation – das habe ich gar nicht registriert. Da gab’s eine Sperre im Kopf, um das nicht begreifen zu müssen.“

Vater Carlo Militello nickt: „Es hieß dann, das Blutbild sei sehr schlecht, und dann bekam Gianpiero sofort eine Bluttransfusion. Der Hämoglobinwert war total im Keller, wie wir später erfuhren.“ Und Daniela Militello ergänzt: „Zwei Tage später wäre Gianpiero unbehandelt zusammengeklappt.“

Derweilen ist Gianpiero auf Mamas Schoß geklettert, schmiegt sich an sie. 2015 war das Jahr, in dem die Eltern sich bange fragten: „Wie lange lebt unser Kind noch? Ist die Krankheit heilbar?“ Jetzt scheint es, als versuche Gianpiero seinerseits die Eltern zu trösten: „Ich hätte zwar lieber Papas Blutgruppe behalten, aber jetzt habe ich eben die von Oma.“

Durch die Krankheit gereift

Die Mutter streicht Gianpiero übers Haar. Auch die Haare waren nach der Chemotherapie ausgefallen. Vergleicht man Fotografien des Jungen aus der Zeit vor seiner Erkrankung – im September 2014 war er eingeschult worden – mit neuen Aufnahmen, so bestätigt sich ihre Empfindung: „Gianpiero ist durch die Krankheit gereift.“

Monatelang lebte Daniela Militello mit ihm im Krankenhaus, der Alltag war von einem Moment zum anderen aus den Fugen geraten. „Da merkst du plötzlich, was wichtig und was unwichtig ist“, sagt ihr Mann.

Sie nickt: „Ich wollte nur eins, ich wollte ein gesundes Kind.“ Gefragt, was er sich zu Weihnachten wünsche, sagt Gianpiero: „Ich wünsche mir viel Gesundheit. Und dass ich nie wieder krank bin.“

Am Schicksal von Gianpiero hatten viele Menschen teilgenommen, 1344 Personen ließen sich nach Aufruf des Fördervereins der Grundschule Dornheim im Januar 2015 typisieren, um als Knochenmarkspender helfen zu können. „Für Gianpiero wurde zwar niemand gefunden, doch mittlerweile hat die Typisierung eines Groß-Gerauers einem anderen Leukämiepatienten das Leben gerettet. Die Werte werden ja bundesweit abgeglichen“, sagt Carlo Militello.

Bange hundert Tage folgten auf den 3. März 2015, den Tag der Knochenmarksübertragung bei ihrem Sohn, berichten die Eltern. „In der Spenderdatenbank war dann ein Fall exakter Übereinstimmung der DNS gefunden worden. Doch es musste sich erst zeigen, ob die Behandlung anschlägt. Gott sei Dank ging alles gut.“

Im November fuhr Familie Militello vier Wochen zur Rehabilitation und begegnete anderen Familien, die ähnliches durchmachten. „Es war gut, Menschen zu treffen, die wissen, wie das ist. Diesen Schicksalsschlag wünscht man keinem“, sagt Daniela Militello.

Gianpiero ist jetzt krebsfrei, muss aber turnusmäßig zur ärztlichen Kontrolle. Dass er dank Unterricht am Krankenbett in seine alte Schulklasse zurückkehren konnte, freut all seine Freunde. Und seine Eltern sind glücklich, ihr Kind wieder fröhlich spielen zu sehen. „Tausend Dank, herzlichsten Dank an alle, die uns zur Seite standen und die uns geholfen haben“, sagen sie. (lot)

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