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Geschlossenes System von Drogenhandel

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Vor Gericht stehen drei Männer, die rund 800 Kilogramm Marihuana verkauft haben sollen.

Die Staatsanwaltschaft werfe mit Jahren nur so um sich, kommentierte Verteidiger Joachim Bremer am Dienstag im Darmstädter Landgericht das Plädoyer des Anklagevertreters. Jens Neubauer hatte im Prozess gegen drei Eberstädter, denen er jahrelangen Handel mit Marihuana vorwirft, mehrjährige Haftstrafen gefordert.

Für den 25 Jahre alten Angeklagten hält Neubauer sechs Jahre und acht Monate für angemessen, für den 30 Jahre alten Angeklagten sieben Jahre plus zwei Jahre aus einem alten Verfahren, und für den 31 Jahre alten Angeklagten forderte er achteinhalb Jahre. Strafhöhen, die die Angehörigen im Zuschauerraum als unverhältnismäßig ansehen. Sie verwiesen auf Sanel M., der die Studentin Tuçe Albayrak niedergeschlagen hatte und 2015 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren Haft verurteilt worden war.

Die Anklage schreibt allen Angeklagten Handel mit insgesamt rund 800 Kilogramm Marihuana und rund sieben Kilogramm Kokain zu. Das Gericht habe es hier mit Angeklagten zu tun, die seit Jahren mit Betäubungsmitteln handeln, erklärte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Sie gehörten einem „geschlossenen System“ an, was die Ermittlungen erschwert habe. Im Verfahren habe sich gezeigt, dass die Zeugen sich fürchteten und dass auch im Gerichtssaal deren Angst „greifbar“ gewesen sei.

Staatsanwalt Jens Neubauer sah die Anklage durch Zeugenaussagen bestätigt, die auch mit Ergebnissen aus Innenraumüberwachungen – die Autos waren verwanzt – übereinstimmten. Zudem sei DNA von zwei Angeklagten an Verpackungsmaterial und Einmalhandschuhen gefunden worden. Dies passte wiederum zu den Schilderungen von Zeugen.

Zwei Millionen Euro Ertrag

Der Staatsanwalt beantragte zudem, die zwei Millionen Euro, die die drei Männer durch den Drogenhandel erwirtschaftet haben sollen, zugunsten des Staats für verfallen zu erklären. Die Summe war aus den Schwarzmarktpreisen errechnet worden. „Damit gibt es keine Perspektive mehr für die Angeklagten“, protestierte Verteidiger Rüdiger Böhm, da die Verfallsforderung lebenslange Schulden bedeute.

Die Verteidiger wiederum sehen nur sehr wenige der angeklagten Rauschgiftgeschäfte als bewiesen an, da die zwei Hauptzeugen unzuverlässig und psychisch krank seien. „Borderliner neigen dazu, unrichtige Behauptungen aufzustellen“, sagte Anwalt Joachim Bremer, der damit die Aussagen der Hauptbelastungszeugin verwarf, die angegeben hatte, zwei Angeklagte bei Drogengeschäften beobachtet zu haben.

Anwalt Henner Maaß erinnerte daran, dass der zweite Zeuge – der 2012 den Freund der Zeugin in Bessungen erschossen hatte – angedeutet habe, dass 90 Prozent seiner Aussagen erfunden gewesen seien. Die Kammer will das Urteil am Dienstag. 2. August, um 14 Uhr verkünden. (mawi)

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