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Die Geschichte des Heinerfests

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Rummel auf dem Heinerfest.
Rummel auf dem Heinerfest. © Michael Schick

"Schön war, wie mer immer freibekomme hat", heißt es im Film "60 Jahre Heinerfest". Zur Premiere kommen 300 Gäste. Zeitzeugen berichten von ihren schönen Erlebnissen von einst und heute.

Waltraud Henrich war fünf Jahre alt. Auf dem Kopf trug sie einen schneckenförmigen Haardutt, in der Hand ein Täschchen und dazwischen ein Lächeln. So ist sie auf einem Foto neben dem zotteligen Eisbär-Maskottchen zu sehen, das 1951 beim ersten Heinerfest von ihr und ihrer Mutter gemacht wurde.

"Wir sind per Anhalter dahingefahren", erzählt sie. Über Roßdorf seien sie nach Darmstadt gelangt. Und waren froh über die geballte und gelöste Fröhlichkeit, die sie dort angetroffen haben. "Des war ja nach´m Krieg, da hat mer sich gefreut", sagt die heute 65-Jährige. Zum ersten Mal im Leben Zuckerwatte und dann auch noch das Kettenkarussell.

Die Geschichten sprudeln am Montagabend in der Centralstation wie der Gerstensaft nach dem Bieranstich auf dem Heinerfest. Es ist die Premiere des Films "60 Jahre Heinerfest" von Christian Gropper, rund 300 Gäste sind gekommen. Im Anschluss an die Vorführung steht man noch ein Weilchen zusammen und tauscht weitere Heinerfest-Erinnerungen aus.

"Schön war, wie mer immer freibekomme hat", fällt Henrichs Mann Werner ein. "Und dann ist alles rüber ins Zelt zum Hamel." Der 72 Jahre alte Dieburger, damals Mechanikermeister an der Hochschule, muss grinsen: "Und wenn die mal ´n paar getrunken hatten, dann waren die Professoren genau so Menschen wie wir."

Das Menschelnde spielt die Hauptrolle in den Geschichten und Anekdoten, die die Zeitzeugen erzählen. "Beim ersten Heinerfest war ich mit der Oma, einer lieben, kräftigen Frau, sie hat eine schwarze Satinschürze getragen", erinnert sich Karl-Peter Föhrenbach genau. Fleischwurst haben sie sich gekauft und damit in den Herrngarten gesetzt. Stets sei er seither dort gewesen, und noch heute setzt er sich am liebsten dort auf die Wiese - aber mittlerweile mit seiner Frau und einer Flasche Wein.

Schausteller seit Jahrzehnten

Nie gefehlt hat auch Wilfried Gruppe. Sein Vater hatte schon auf dem ersten Heinerfest einen Imbiss mit Bratwurst und Fischbrötchen, den der Junior später in bester Schaustellertradition übernommen hat. "Ich hab´ mich auf dem Heinerfest immer mit Schulkollegen getroffen, die wollten alle Freifahrten von mir", erzählt der 64 Jahre alte Schausteller, der sich vor 20 Jahren auf Automatenunterhaltung spezialisiert hat. Nur einmal, 1968, war er eingeschränkt anwesend: Am ersten Heinerfesttag wurde sein Sohn geboren. Ein echter Heinerfest-Heiner also.

Eine gesellige Damenrunde sitzt am Rande zusammen inmitten des Premieren-Stimmengewirrs und klönt. In der einen Hand hält jede ein Laugengebäck, in der anderen ein Gläschen Weißwein. Seit gut 20 Jahren gehen die fünf Freundinnen vom Turnverein Bessungen am Eröffnungstag auf den Festplatz und treiben dort ihr charmantes Unwesen. "Das war für uns immer ein freudiges Zusammenkommen. Ohne Männer", stellt Erika Luda fest. "Des war lustiger", wirft Helga Nos ein.

Von mädchenhaftem Kichern und Lachen sind die Anekdötchen begleitet, die die Frauen zwischen 72 und 81 Jahren aus dem Hut zaubern. "Wir waren oft so albern", stellt Nos fest. Einmal hätten sie als Trostpreis beim Dosenwerfen so komische Hände bekommen, mit denen sie den Leuten auf den Kopf geklopft hätten. Ob Pferderennen oder Fröschehüpfen - vergnüglich ging es offenbar stets zu. Auch am legendären Stand mit der Waage, wo ein Mann das Gewicht der Besucher geschätzt habe. "Hast zugenommen, hat der immer gesagt", wirft Helga Nos ein. Die Freundinnen lachen.

Was sie dem Heinerfest zum runden Geburtstag wünschen? Aus der Damenrunde sprudelt es weiter heraus wie aus einem durcheinander schäumenden Wasserfall: "Viele Leute, Sonne und Fröhlichkeit, eine schöne Zeit und gute Stimmung", rufen sie fast gleichzeitig. "Und ein tolles Feuerwerk." (aw)

Der Heinerfestfilm ist während des Heinerfestes von Donnerstag bis Montag, 1. bis 5. Juli, im Heiner-Shop am Marktplatz erhältlich. Gezeigt wird er am Sonntag, 4. Juli, um 16 und um 18 Uhr im Pali-Kino.

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