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Gleich am Eröffnungstag haben viele Darmstädter die Gelegenheit genutzt, den neuen Park zu besichtigen.

Darmstadt

Zurück zur alten Pracht

Der Schlossgraben, einst Botanischer Garten, ist wieder als Park zugänglich. Die Technische Universität ist Schlossherrin und stark engagiert, dass der Garten wieder zugägnlich wird.

Horst Meder lehnt an der Sandsteinmauer, die das Residenzschloss umgibt, und schaut hinunter in den Graben, der dicht bevölkert ist. In der Schlosskapelle sei er getauft worden, als Fünfjähriger habe er die Brandnacht am 11. September 1944 überlebt, nach der der Schlossgraben unter Kriegsschutt begraben war, erinnert er sich.

Und jetzt sei er froh, dass man den Schlossgraben wieder nutzen könne. „Das war aber auch an der Zeit“, so Meder. Die Technische Universität (TU) als Schlossherrin sei da ein Stück weit in der Pflicht gewesen. Die Universität hat sicherlich vorrangig andere Pflichten. Und darum ist ihr Engagement, den früheren Botanischen Garten, der genau vor 200 Jahren an dieser Stelle eröffnet wurde, als solchen auch wieder zugänglich zu machen, ein Lob wert.

Nicht nur, dass sie die Planung vorantrieb, auch bat die Universität die Darmstädter, ihren Schlossgraben mitzugestalten. Und das ließen sich diese nicht zweimal sagen: Rund 200 Bürger folgten dem Aufruf und spendierten für den Garten Büsche, Bäume, Sträucher und Bänke im Wert von 109 000 Euro; andere stellten ihre Zeit zur Verfügung und standen bei Arbeitseinsätzen mit Schaufeln und Hacke parat.

„Ich bin überwältigt von der Resonanz unserer Aktion“, lobt TU-Kanzler Manfred Efinger so auch die Gäste, die sich gestern der Bastion unter den Platanen versammeln, um die Eröffnung mit einem Glas Sekt zu feiern. Alle sind voll des Lobs für den wunderschönen Park, für die „Oase mitten in der Stadt“.

Der Leiter des Botanischen Gartens der TU Stefan Schneckenburger ist am Sonntag im historischen Kostüm unterwegs und sieht aus wie sein früher Vorgänger Georg Friedrich Schnittspahn, der ab 1855 Direktor des Botanischen Gartens war. Mit dem Pflanzbuch in der Hand und einer Botanisiertrommel über der Schulter führt er durch den Garten, der sich in den vergangenen neun Monaten in ein botanisches Schmuckstück verwandelt hat.

So lange dauerte es, bis die Gartenbauer die ersten 3700 Quadratmeter des verwilderten Geländes vom Unkraut befreit und Wildwuchs gerodet, Erdmassen bewegt und planiert, gesät und Büsche gesetzt hatten. Mehr als 40 Pflanzenarten kamen in die Erde, Bänke wurden aufgestellt, Nistkästen angebracht und ein Taubenhaus aufgebaut.

Der westliche Teil soll folgen

Dass nur wenige Meter oberhalb des Grünzugs der Verkehr über den Cityring braust – davon ist im Schlossgraben nichts zu hören. Vor allem auch deshalb nicht, weil seit Sonntag eine Fontäne mitten im Teich sprudelt und geräuschvoll ihr Wasser über dessen Oberfläche verteilt. Im Teich wachsen Grünpflanzen und Lilien, die allerdings – so die klitzekleine Kritik dreier Mitglieder des Freundeskreises des Botanischen Gartens – „da gar nicht hingehören“. Sie sitzen auf einer der Bänke und sind ansonsten sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Das Gelände sei eine Brache gewesen. „Jetzt ist es ein neuer Rückzugsort mit herrlichen Bäumen und toller Kulisse“, loben sie mit Blick aufs Schloss. Und obwohl auch die drei Gummienten, die über den Teich schwimmen, nicht ganz naturgetreu sind, werden sie wohlwollend geduldet. Der westliche Teil des Schlossgrabens – 12 000 Quadratmeter – soll bis zum Frühjahr 2017 instandgesetzt werden. Dafür startet die TU nun eine zweite Kampagne, denn es werden 122 000 Euro benötigt. (an)

Der Schlossgraben ist über den Schlosshof oder den Eingang auf der Nordseite zugänglich. Mehr Infos gibt es auf www.mein-schlossgraben.de.

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