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Der Motivwagen zeigt den Verfassungsgeber Ludewig I. als Herrscher, der das Volk knechtet.
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Der Motivwagen zeigt den Verfassungsgeber Ludewig I. als Herrscher, der das Volk knechtet.

Darmstadt/Riedstadt

Knechtender Herrscher mit Knute

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Das Büchnerhaus und die Büchnerbühne in Riedstadt bei Darmstadt widmen sich mit einem Motivwagen der ersten Landesverfassung. Tour durch das „Büchnerland Hessen“ geplant.

Corona hat einer gemeinsamen Aktion des Büchnerhauses und der Büchnerbühne in Riedstadt vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ursprünglich wollten die beiden Einrichtungen aus der Geburtsstadt des Schriftstellers und Revolutionärs Georg Büchner mit einem Motivwagen im „Büchnerland Hessen“ auf Tour gehen, um auf kreative Weise an die Proklamation der ersten Landesverfassung vor 200 Jahren durch den ersten hessischen Großherzog Ludewig I. zu erinnern. Geplant war auch, kurz vor Weihnachten vor der Centralstation in Darmstadt den Wagen aufzubauen, um zugleich auf die Zusammenarbeit zwischen dem Büchnerhaus und der Bühne aufmerksam machen.

Peter Brunner, der Leiter des Büchnerhauses in Goddelau, hatte ursprünglich die Idee, einen früheren Entwurf für das Ludwigsdenkmal auf dem Luisenplatz, das als wesentlich bescheideneres Verfassungsdenkmal konzipiert war, nachbauen zu lassen. Doch nach Gesprächen mit dem Kommunikationsexperten Christian Steinmetz, einem Ur-Ur-Enkel von Ludwig Büchner (dem Bruder Georg Büchners), und dem Düsseldorfer Motivwagenbauer Jacques Tilly entstand dann die Idee, die Verfassungsproklamation kritisch und karikierend zu gestalten.

Von der einen Seite wird der Großherzog – in Anlehnung an den nicht verwirklichten Entwurf für das Verfassungsdenkmal – als jovialer Herrscher gezeigt, der die neue Verfassung hochhält. Doch wer genauer hinsieht und sich den Motivwagen von der Seite betrachtet, der oder die erkennt, wie der Großherzog eine Knute in der Hand hält und auf einem Untertanen hockt, auf dessen nacktem Rücken blutige Striemen von Peitschenhieben zu sehen sind.

Erste Verfassung

Vor 200 Jahren , am 22. Dezember 1820, wurde in Darmstadt, der Hauptstadt des damaligen Großherzogtums Hessen, die erste Verfassung des Landes verkündet. Sie wurde zwar formal durch Großherzog Ludewig I. erlassen, war aber zuvor mit den Landständen ausgehandelt worden.

Das Ludwigsmonument – der „Lange Lui“ – auf dem Darmstädter Luisenplatz erinnert noch heute an den Großherzog. Die Bronzeskulptur zeigt den Verfassungsgeber, wie er in seiner rechten Hand die eingerollte Verfassungsurkunde hält.

In Abwandlung des berühmten Aufrufs „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ aus dem „Hessischen Landboten“ wird die Verfassung zugleich mit dem Satz „Frieden den Palästen“ umschrieben. In der Verfassung wurde zwar eine Reihe von neuen Bürgerrechten aufgeführt. Zugleich wurde die privilegierte Rolle der großherzoglichen Familie – der auch Zweidrittel der Einkünfte der Domänen zustand – rechtlich manifestiert.

Nach den Worten Brunners wird es – sobald dies möglich ist – im nächsten Jahr Veranstaltungen geben, um auf die Kooperation von Museum, Theater und Stadt Riedstadt unter dem Motto „Büchner findet statt!“ hinzuweisen. So plant die Büchner-Bühne Ende Juni die Premiere des Büchner-Stücks „Dantons Tod“. Und in Darmstadt soll rund um das Justus-Liebig-Haus der 200. Geburtstag von Georg Büchners Schwester Luise gefeiert werden.

Weitere Informationen gibt es online unter https://buechnerbuehne.de und auf Peter Brunners Büchner-Blog https://geschwisterbuechner.de.

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