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Gut geölt um die Kurve

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Das Pflaster in der Bismarckstraße wird durch Beton ersetzt.
Das Pflaster in der Bismarckstraße wird durch Beton ersetzt. © claus völker

Das Darmstädter Nahverkehrsunternehmen Heag-Mobilo erneuert die Straßenbahngleise in der Heidelberger Straße. Im kommenden Sommer geht es dann richtig zur Sache.

Silke Rautenberg ist optimistisch: „Das wird genauso schön wie an der Nieder-Ramstädter Straße“, sagt die Sprecherin des Darmstädter Nahverkehrsunternehmens Heag-Mobilo. Doch André Dillmann korrigiert sie: „Viel schöner!“ Dillmann leitet die Gleisbauabteilung des Verkehrsbetriebs. Die Baustelle in der Heidelberger Straße, um die es geht, ist derzeit die größte. Auf 320 Meter Länge werden vor der Villenkolonie die Gleise ausgetauscht.

Außerdem wird der Oberbau erneuert. „Wir hatten hier immer Wasserprobleme“, sagt Dillmann. Sowohl von der Straße her floss Wasser ins Gleisbett, als auch von den Hügeln gegenüber.“ So bildeten sich Senken, die das Gleis und die darübersausenden Züge zum Wippen brachten. „Wir hätten ja fast schon Vergnügungssteuer dafür verlangen können.“

Nun wird parallel zur Straße eine Drainage gebaut. Außerdem werden die Schienen nicht mehr auf Schwellen befestigt, sondern auf Längsbalken aus Beton. Sie sind also komplett unterfüttert und werden stabil gehalten. Diese Methode ist in Darmstadt neu; „wir wollten damit Erfahrungen sammeln“, erklärt Dillmann, „und die Erfahrungen sind gut.“

Rollrasen erfreut Auge und Ohr

Zunächst mal jedenfalls die Erfahrungen der Gleisbaurotte, die mit dem neuen Oberbau so gut zurechtkam, dass Heag-Mobilo hier eine Woche vor dem Zeitplan liegt. Schon nächste Woche kann das östliche Gleis wieder befahren werden.

Bereits am Wochenende erhält es sein grünes Bett – Rollrasen zwischen und neben den Schienen. Die frische Erde ist schon zu sehen. Rasengleise gibt es bei der Heag schon lange, etwa in der Nieder-Ramstädter Straße, zwischen Herdweg und Böllenfalltor. Sie sind nicht nur schön, sondern auch schonend: Es fährt sich darauf wesentlich leiser; „das freut die Anwohner“, sagt Dillmann. In den nächsten Jahren wird auf diese Weise die gesamte Straßenbahnstrecke zwischen Cooperstraße und Reuterallee umgestaltet. Rund 1,5 Millionen kostet der erste Bauabschnitt, der bis Anfang August fertig sein soll.

Beton statt Pflaster

Die Baustelle in der Heidelberger Straße ist nicht die einzige auf den Straßenbahnstrecken der Heag. Auch in der Ludwigshöhstraße dröhnen die Kompressormotoren, glühen die Lichtbogen der Schweißgeräte. „Hier sind wir aber nur Nebenspieler“, sagt Dillmann. Die Hauptakteure erneuern im Auftrag der Stadt Wasserrohre und Abwasserkanal. Gleichwohl nutzt Heag-Mobilo die Gelegenheit, um vom Café „Linie 3“ bis zum Architekturbüro Rittmannsperger und Partner das talseitige Gleis zu ersetzen.

Es ist das Vorspiel für den eigentlichen Eingriff im kommenden Sommer. Denn 2012 ist die Kurve dran. Die Schienen dort stammen aus den Jahren 1965 und 1970. Es ist eine der wenigen Stellen in Darmstadt, wo die Straßenbahnen noch quietschen.

Damit ist es ab nächstem Jahr vorbei. Das Gleis wird mit einer automatischen Spurkranzschmierung ausgestattet. Nähert sich die Tram, drückt eine Pumpe Fett auf die Seiten des Schienenkopfs. Geschmiert wurden Gleise schon immer, jedoch nicht mit einer derart dauerversorgenden Methode. Die ist notwendig, seit nur noch kurzlebige, umweltverträgliche Fette verwendet werden dürfen. „Praktisch wie Salatöl“, sagt Dillmann. Zudem werden die Gleise um wenige Zentimeter verrückt.

Gebaut wird auch in der Bismarckstraße, zwischen Goebelstraße und Kirschenallee. Dort hatte die Pflasterung einen verkehrsgefährdenden Zustand erreicht, jetzt wird provisorisch eine Betonfahrbahn gegossen, bis die Bismarckstraße umfassend saniert wird. ( ers)

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