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Gemeinschaftliches Wohnen ist in

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Von: Claudia Kabel

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Andrang herrscht beim 7. Wohnprojekte-Tag in Darmstadt. Dessen Initiatoren fordern eine städtische Beratungsstelle.

Familiäre Strukturen lösen sich auf, Wohnraum wird immer teurer und das Leben in der Stadt empfinden viele als anonym. Eine Antwort darauf sind gemeinschaftliche Wohnprojekte, die wachsenden Zuspruch finden. In ihnen leben Alt und Jung, Behinderte und Nichtbehinderte, Sozialhilfeempfänger und Flüchtlinge als Einzelpersonen oder Familien in Mietshäusern oder gar in Bauwagensiedlungen zusammen.

In Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg gibt es zahlreiche Initiativen, die solche Projekte bereits realisiert haben oder derzeit planen. Beim alle zwei Jahre stattfindenden Wohnprojekte-Tag stellten sich am Sonntag im Wohnprojekt Agora verschiedene Initiativen vor.

Gemeinsam ist allen Projekten, dass die Mieten in den vergleichsweise kleinen Wohneinheiten niedriger sind, dass dafür aber Gemeinschaftsräume zur Verfügung stehen. Außerdem wird der Gemeinschaftsgedanke wie gegenseitiges Helfen, Ausleihen von Gegenständen oder gemeinsame Freizeitaktivitäten hoch gehalten. Auch die Mitbestimmung aller Bewohner ist fundamental. Bei Agora oder dem Heinersyndikat hat man dafür eigene Gesellschaften gegründet, bei Zusammenhaus oder Wohnart fungiert die städtische Tochter Bauverein als Träger.

Baudezernentin Barbara Boczek (Grüne) lobte die ökologisch hohen Standards der Projekte und die gute Nachbarschaft, die gepflegt werde. Sie betonte, dass die Stadt diese Initiativen seit Jahren unterstütze. Sie seien „eine gute Antwort auf den demographischen Wandel“. Allerdings habe man auch die Erfahrung gemacht, dass nicht alle Angebote nachgefragt würden; so seien etwa in der Lincoln-Siedlung erst drei von fünf möglichen Gebäuden von Wohnprojekten genutzt. Auch auf dem Gelände der ehemaligen Cambrai-Fritsch-Kaserne/Jefferson-Siedlung solle es Raum für solche Projekte geben. Leider würden in Darmstadt sonst kaum größere unbebaute Flächen existieren. Diese zu finden, ist jedoch für neue Initiativen eine der größten Hürden, wie Birgit Diesing, eine der Leiterinnen des Runden Tischs „Gemeinschaftlich Wohnen in Darmstadt“, sagte. Sie schlägt deshalb vor, die Stadt solle über Erbpachtverträge nachdenken, „damit die Initiativen Grundstücke zu günstigen Preisen erhalten und diese für weitere Spekulationen vom Markt genommen sind“.

Vor allem aber brauche es eine Kontakt- und Beratungsstelle: Zum einen für interessierte Mitbewohner auf der Suche nach dem passenden Wohnprojekt, zum anderen für die Gründer neuer Projekte. Sie kenne viele Initiativen, die über die Gründungsphase nicht hinauskamen, weil das Know-how für rechtliche, kaufmännische und bautechnische Fragen fehlte. „Ein Wohnprojekt zu gründen, ist wie die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft“, sagte Diesing. Boczek kündigte an, dieses Thema im Magistrat anzusprechen.

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