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Gefragt sind kleine Größen

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Ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die Ausgabe der Kleiderspenden.
Ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die Ausgabe der Kleiderspenden. © Marc Schüler

Kleidercontainer versorgt Flüchtlinge / Es fehlt an Spenden für Männer.

Wir brauchen dringend Männerkleidung in Größe S und mehr ehrenamtliche Unterstützung!“, sagt Renate Boettcher, die montags als ehrenamtliche Helferin im Kleidercontainer der Flüchtlingsunterkunft im Groß-Gerauer Gewerbegebiet GG08 arbeitet. Das Diakonische Werk Groß-Gerau/Rüsselsheim organisiert im Auftrag der Stadt Groß-Gerau den Betrieb des Kleidercontainers, aus dem sich jeder Flüchtling am ersten Montag während ihres 14-tägigen Aufenthalts in GG08 je zwei Hosen, T-Shirts, Pullover und anderes aussuchen darf, erläutert Renate Boettcher. Nach etwa zwei Wochen werden die Menschen auf die Gemeinden im Kreis verteilt.

Wöchentlich kommen zwar „nur noch“ 20 bis 50 Flüchtlinge aus Gießen hierher, berichtet Sozialamtsleiter Thomas Krambeer, doch auch für sie werde die Kleidung knapp – Kinder ausgenommen. „Tolle Kinderkleidung haben wir genügend“, sagt Boettcher. Auch Sachen für Frauen liegen noch in den Regalen. Dagegen herrscht in den Regalen für Herren Größe S und M Ebbe. Die männlichen Flüchtlinge seien in der Regel sehr schlank und zierlich, ebenso ihre Füße: Schuhgröße 39 werde häufig gebraucht, erklärt die Helferin. Da die Flüchtlinge bereits in Gießen mit Kleidungsstücken grundversorgt wurden, muss niemand in Lumpen herumlaufen. Doch das hierzulande schnell wechselnde Klima erfordert ein Mehr an Kleidern.

„Ich konnte es nicht mehr ertragen, den jungen Männern zu sagen, dass wir nichts Passendes haben“, erklärt eine andere ehrenamtliche Helferin. Sie kaufte unlängst aus eigener Tasche Männerbekleidung in Größe S in einem Discounter für die Neuankömmlinge. „Wenn die Menschen uns dankbar anlächeln, sind das schöne Momente“, offenbaren Boettcher und ihre Kolleginnen Rita Fadda und Christel Quilling-Schwantes.

Unterstützt werden die Frauen auch von dem 19-jährigen Flüchtling Hakim Halimi aus Afghanistan. Er kam im Januar nach Groß-Gerau, lebt mittlerweile in Nauheim, besucht die Berufsschule und unterstützt jeden Montag freiwillig die Frauen bei der Kleiderabgabe. „Er ist für uns nicht nur als Dolmetscher sehr wertvoll“, betonen die Frauen.

Simone Welz vom Diakonischen Werk ist nicht nur stolz auf ihre Truppe Ehrenamtlicher, die alle seit der Eröffnung der Unterkunft im Februar dabei sind, sondern hat schon fast ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen aufgebaut: „Ich sehe es als eine meiner Hauptaufgaben an, die ehrenamtlichen Helfer zu begleiten“. Auch Krambeer betrachtet die Helfer mit großer Wertschätzung und hofft, dass sich noch mehr Bürger entscheiden, im Kleidercontainer mitzuhelfen.

Nach dem Zeitaufwand gefragt, antwortet Krambeer: „Wenn jemand nur einmal im Monat für eine Stunde Zeit findet, sind wir dankbar.“ Renate Boettcher räumt aber auch ein, dass einzelne Ehrenamtliche ihre Tätigkeit im Kleidercontainer aufgegeben haben, weil sie die hin und wieder schroffe Art der Flüchtlinge nicht ertragen konnten. Nicht nur die Helfer, sondern auch die Flüchtlinge treffen hier auf große kulturelle Unterschiede, erläutern die ehrenamtlichen Helferinnen. Die Menschen hätten existenzielle Ängste, seien voller Sorgen und enorm gestresst, „wer bleibt da schon immer nett und freundlich?“

Bestückt wird die Kammer in GG08 aus den Kleiderspenden, die direkt an das Diakonische Werk Groß-Gerau/Rüsselsheim gehen. Angenommen werden die Spenden in der Tafel in der zentralen Abgabestelle in der Danziger Straße 6. Dort werden sie sortiert und weiter an andere Flüchtlingsunterkünfte verteilt. Viele Bürger sehen in der Tatsache, ihre Kleider in der Danziger Straße nur freitags bis 14 Uhr abgeben zu können, eine Beeinträchtigung, denn auf ihrem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen locken Altkleidercontainer. „Aber diese Spenden kommen nicht bei uns an“, erklärt Krambeer. Altkleider seien auch ein Markt, mit dem Geld verdient werde. (eda)

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