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Geerntet wird nach 130 Jahren

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Bei der 12. Weihnachtswanderung lernen die Teilnehmer viel über Nachhaltigkeit, außerdem das der Wald den wichtigen Rohstoff Holz liefert.

An dieser Eiche haben sich die Holzfäller ordentlich abgearbeitet. Der breite Stumpf ist von Kettensägen zerfurcht, klobige Kanten und lange Schnitte erzählen vom Kampf mit dem mächtigen Stamm. Die Fällung eines solchen Baumes anzuordnen gehört zu den Pflichten eines Försters – wenn auch nicht unbedingt zu den Lieblingsaufgaben.

„Die Krone war ausgetrocknet, wenn da einer der mächtigen Äste runterfällt, dann ist alles tot, was sich drunter befindet“, erklärt Peter Fischer den rund 60 Weihnachtswanderern. Direkt an der Grillwiese am Steinbrücker Teich stand die Eiche, Waldbesucher befanden sich recht oft darunter; der Eingang von dort in den Wald wirkt nun etwas kahler. Andererseits ist die Fällung nicht nur ein Verlust für den Wald, sondern auch: Ernte. „Natürlich ist der Wald wichtig zur Erholung“, sagt deshalb Forstamtsleiter Hartmut Müller. „Aber er liefert eben auch den wichtigen Rohstoff Holz, und das ortsnah.“

Wie genau dieser Rohstoff gewonnen wird, war das zentrale Thema auf der mittlerweile zwölften Weihnachtswanderung an Heiligabend.

Wichtig dabei sind auch die Markierungen an den Bäumen, die den meisten Waldbesuchern unverständlich sein dürften: Ein „H“ steht zum Beispiel für „Habitatbaum“, ein bewohnter Baum also, etwa mit einer Spechthöhle im Stamm oder einem Vogelnest in der Krone. Rund 3000 davon gibt es im Forstamt Darmstadt und sie alle sind vor den Kettensägen sicher.

Dann gibt es noch die Markierung „R“, meistens mit einem Pfeil nebendran. Für „Rückegasse“ stehen die, denn bei der Baumfällung fahren an dieser Stelle die Maschinen in den Wald und ziehen die Stämme vom Inneren des Waldes an den Weg.

Lebkuchen pflücken im Wald

Bäume, die mit einem schwarzen Ring markiert sind, sind sicher. Sie werden besonders geschützt, denn kommt ihnen ein jüngerer Baum zu nahe, dann muss dieser neuere Baum weichen. Für alle anderen Bäume aber gilt, was Peter Fischer sagt: „Wir warten ein paar Jahre ab, dann werden Tische, Stühle und Bett daraus gemacht.“ Wobei „ein paar Jahre“ in der Forstwirtschaft eine andere Bedeutung haben als in anderen Teilen der Wirtschaft: 120 oder 130 Jahre kann es dauern, bis so ein Baum geerntet wird. „Von dem, was wir heute pflanzen, werden wir nicht mehr profitieren.“ Es bleibt ein Trost. Denn was heute geerntet wird, haben die Förster von vergangenen Generationen geerbt. Es ist deshalb kein Wunder, dass der Begriff der Nachhaltigkeit vor gut dreihundert Jahren in der Fortwirtschaft entwickelt wurde.

Praktiziert wird Nachhaltigkeit deshalb auch bei der Bescherung an den Scheftheimer Wiesen. Die Kinder pflücken sich Lebkuchen, den Fischer an einem Strauch befestigt hat, und lassen dafür Nahrung für die Tiere zurück. Äpfel und Meisenknödel hängen sie in die Bäume, Karotten legen sie ins Wurzelwerk. In diesem Jahr wird sogar das Forstamt beschenkt. Der Lions-Club hat einen neuen Auto-Anhänger für die Waldpädagogik gespendet, von dem die Förster eben so profitieren werden wie die Kindergruppen. eda

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