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Häftlinge in Hessen

Gebäck hat es in sich

Die hessische Landesregierung will Weihnachtspäckchen für Häftlinge verbieten. Zu oft würden die Geschenke zum Schmuggeln von Drogen oder Handys missbraucht und der Kontrollaufwand zu den Feiertagen sei zu groß.

In der Adventszeit packt Elisabeth Bäsler eifrig Päckchen. Plätzchen, Süßigkeiten, Kaffee, Tee, Briefmarken und -papier. Damit fährt die 74-Jährige zur Justizvollzugsanstalt (JVA) Eberstadt und bringt Weihnachtsgrüße für die Häftlinge, die keine Angehörigen haben, die ihnen Präsente schicken.

Dieses Jahr könnte es ihre letzte Hilfsaktion sein. Denn die Landesregierung will die Geschenke von Nahrungs- und Genussmitteln verbieten. Päckchen würden zum Schmuggeln missbraucht, der Kontrollaufwand sei zu groß. "Da bleibt ja nix übrig", sagt Bäsler. Für sie und auch die Gefängnisseelsorger geht damit "ein Stück Menschlichkeit" verloren.

"Für uns ist das ein kleines Zeichen für die Häftlinge, dass sie nicht Knackis, sondern Menschen sind", sagt Bäsler. Seit sieben Jahren organisiert sie die Päckchensammlung der katholischen St. Josef-Gemeinde. Inzwischen haben sich auch die Christus- und die Dreifaltigkeitsgemeinde der Aktion angeschlossen. Mehr als hundert Geschenke von Privatleuten werden dabei gesammelt. Künftig dürfte noch nicht einmal mehr Tabak oder Kaffee verschenkt werden.

Drogen und Handys im Paket

Was Elisabeth Bäsler als "kleines Zeichen" wertet, schafft aus der Sicht des Justizministeriums eher Probleme. Nicht nur zur Weihnachtszeit. Die Paketsendungen seien immer wieder missbraucht worden, um Drogen oder Mobiltelefone ins Gefängnis zu schmuggeln, heißt es im hessischen Ministerium. "Es ist kaum zu glauben, was alles in einem Weihnachtskuchen sein kann", sagt Sprecherin Dagmar Döring.

Hinzu komme der Aufwand. Der ist vor Weihnachten besonders groß, denn dann schicken auch die Angehörigen mehr. Zusätzlich kommen Sendungen über Hilfsaktionen wie die von Elisabeth Bäsler. Bewältigt ein Bediensteter die Arbeit in der Poststelle des Gefängnisses normalerweise allein, sind es in den Wochen vor dem Fest drei. "Das ist viel Arbeit", sagt JVA-Leiter Wigbert Baulig. Jedes Paket muss untersucht werden.

Auf der Poststelle untersucht Jörg Bültemann die Pakete. Er prüft, ob die Verpackungen im Originalzustand sind oder ob sie Anzeichen von Manipulationen aufweisen. Dann werden sie geöffnet. Was verboten ist, wird gleich aussortiert. Schon jetzt gibt es eine Reihe von Waren, die nicht geschickt werden dürfen. Leicht verderbliche Lebensmittel zum Beispiel. "Es war schon einmal Frischfisch dabei. Der hatte eine weite Reise hinter sich und stank ganz ordentlich", erinnert sich Baulig. Elektrogeräte untersucht ein Elektrofachmann auf verbotene Einbauten. Die vom Ministerium genannten Handys oder Rauschgift sind nach Angaben Bauligs in Eberstadt gefunden worden. Wegen des Aufwands hält er die geplante Neuregelung für angemessen.

Baulig verweist auf eine Alternative. Verwandte und andere Spender könnten den Gefangenen Geld schicken. Der Gesetzentwurf sieht deshalb vor, dass die Häftlinge künftig nicht einmal, sondern zweimal im Jahr "zu besonderen Anlässen Geldzuwendungen erhalten dürfen". Ein besonderer Anlass ist Weihnachten. Mit den geschenkten Euro kann der Häftling dann im Gefängnis einkaufen.

Geld ist unpersönlicher

Der katholische Gefängnisseelsorger Werner Gerz sieht darin eine Geschenkmöglichkeit: "Es bleibt ja sonst kaum etwas, was ins Päcken kommen darf." Für seine evangelische Kollegin, die Gefängnisseelsorgerin Sigrid Hornung, ist Geld kein Ersatz. Zum einen seien die Waren beim Gefängnishändler teurer als draußen. "Zum anderen sind die Pakete etwas Persönliches, etwas Familiäres", sagt sie: "Gerade zu Weihnachten ist das wichtig."

Wigbert Baulig teilt die Auffassung zum Wert der persönlichen Anteilnahme durch Pakete nicht. "Es ist äußerst selten, dass sich ein Kontakt entwickelt", ist seine Erfahrung. Er wertet die Bedeutung des voraussichtlich Mitte kommenden Jahres zu verabschiedenden Gesetzentwurfs daher anders als die Seelsorgerin. Die Argumente von Ministerium und Gefängnisleitung nimmt Elisabeth Bäsler zur Kenntnis. Sie wertet die Neuregelung dennoch als "ein Zeichen von Kälte" und weiß noch nicht, ob sie im kommenden Jahr wieder Pakete packen wird. (rf)

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