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Ein ganzer Ort protestiert

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500 Worfelder demonstrierten dafür, dass Helmut Becker nicht nach Mörfelden muss.
500 Worfelder demonstrierten dafür, dass Helmut Becker nicht nach Mörfelden muss. © Alexander Heimann

Die Worfelder sind sauer, weil ihr Paketbote versetzt worden ist. Jetzt haben wieder mehr als 500 Einwohner für den Verbleib des Paketboten demonstrierten. Doch weder die Demo noch die rund 2000 Unterschriften und die Solidaritätsbekundungen scheinen DHL zu beeindrucken.

Helmut Becker ist inzwischen bekannt wie ein bunter Hund. Ständig schauen Radio- und Fernsehsender bei dem Paketzusteller vorbei, auch überregionale Zeitungen berichten. Denn dass er nach 28 Jahren Zustelldienst in Worfelden einfach ins benachbarte Mörfelden versetzt werden soll, hat die Bürger des Büttelborner Ortsteils Worfelden gegen DHL aufgebracht.

Zuletzt haben sich am Donnerstagabend wieder mehr als 500 Einwohner vor dem Bürgerhaus versammelt und demonstrierten für den Verbleib Beckers, der ab 4. August die Pakete in Mörfelden zustellen soll.

Doch weder die Medienberichte noch die rund 2000 Unterschriften und die Solidaritätsbekundungen scheinen DHL zu beeindrucken. Das beklagt jedenfalls Büttelborns Bürgermeister Andreas Rotzinger (CDU). Er hat, wie viele Bürger auch, dem DHL-Vorstand einen Brief geschrieben und appelliert, die Entscheidung rückgängig zu machen. Doch ohne Erfolg.

„Helmut muss bleiben“, fordern die Bürger, die die freundliche, zuverlässige und menschliche Art des Zustellers loben, der auch mal helfe, ein Formular auszufüllen, oder auch mal ein Paket in den Nachbarort an den Arbeitsplatz eines Kunden bringe, wenn dieser nicht zu Hause sei. Das alles werde nun auf der Strecke bleiben, befürchten die Worfelder, die in ihrem Protest auch dann nicht nachlassen wollen, wenn die Versetzung Beckers Realität wird.

Unumstößlich

Dass Helmut Becker versetzt wird, ist unumstößlich, wie DHL-Pressesprecher Stefan Hess auf Nachfrage sagt. So sehr er den Vorgang bedaure, könne DHL daran nichts mehr ändern. Die Versetzung des Paketboten sei nicht mehr umkehrbar. Schon deshalb nicht, weil DHL keinen Präzedenzfall schaffen könne, denn bundesweit würden mehrere Hundert Paketboten andere Bezirke bekommen.

Hess führt die Neuordnung auf die ständige Zunahme von Paketen zurück. Da immer mehr Menschen nicht mehr im Geschäft einkauften, sondern im Internet bestellten, müssten diese Waren zugestellt werden. Das erfordere wegen der ständigen Zunahme an Postpaketen eine Neueinteilung der Zustellbezirke und vor allem viele neue Mitarbeiter. Seit 2010 seien 20 000 Paketzusteller neu eingestellt worden, in den kommenden Jahren kämen weitere 20 000 dazu. „Für diese Leute brauchen wir natürlich Zustellbezirke.“

Dass DHL Briefe nicht beantworte oder dem Zusteller in Worfelden Disziplinarmaßnahmen angedroht habe, wenn er mit Medien rede, weist Hess zurück. Es habe Briefe ohne Absender gegeben, die man deshalb nicht beantworten könne. Darüber hinaus werde jeder Brief beantwortet, auch wenn das etwas länger dauern könne.

Der Zusteller in Worfelden unterliege, wie alle anderen DHL-Mitarbeiter, der Verpflichtung, sich öffentlich nicht zum Unternehmen zu äußern, weil DHL dafür Pressesprecher habe. Einen Maulkorb habe es gegenüber Becker aber nie gegeben. (hde)

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