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Die ganze Welt im Klassenzimmer

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Von: Claudia Kabel

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Schüler im Klassenraum (Symbolfoto).
Schüler im Klassenraum (Symbolfoto). © Imago

Die Mornewegschule in Darmstadt ist ein Paradebeispiel für sprachliche Integration, stößt aber an ihre Kapazitätsgrenzen

„Die Welt kommt zu mir ins Klassenzimmer“, sagt Lehrerin Ursula Bordt. Ihre Schüler sprechen spanisch, Hindi, afghanisch, englisch und türkisch – die Mehrheit der Elf- bis Dreizehnjährigen beherrscht mehrere Sprachen. Nur beim Deutschen hapert es. Die Mornewegschule ist eine der Damstädter Schulen mit dem höchsten Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund. 

60 Prozent der 824 Schüler wachsen ohne deutsche Herkunftssprache auf. Gleichzeitig ist die Integrierte Gesamtschule ausgezeichnete Europaschule und setzt viele Bausteine des vom Land aufgelegten schulischen Gesamtsprachförderkonzepts um. Grund für Kultusstaatssekretär Manuel Lösel (CDU) sich am Mittwoch während der „Zukunftswochen“ der Landesregierung vor Ort zu informieren.

Seit 25 Jahren gibt es hier Intensivklassen, in denen jeweils etwa 15 Schüler Deutsch lernen, bevor sie in den Regelunterricht integriert werden. Aktuell sind es jeweils zwei in Grund- und Sekundarstufe. „Wir könnten theoretisch eine dritte aufmachen, wenn man nach den Schülerzahlen geht, die zu uns wollen“, sagte der stellvertretende Schulleiter Ingo Neumann. Doch die Schule platzt schon jetzt aus allen Nähten, der Unterricht findet zum Teil in beengten Räumen statt. Eine Turnhalle soll dieses Jahr fertig werden, und im Sommer sollen vier weitere Klassenräume für die neuerdings vierzügige Grundschule entstehen, indem Mobiskul-Container aufgestellt werden.

Wie in Frankfurt gibt es auch in Darmstadt zu wenige Grundschulen. Die Mornewegschule hat laut Neumann durch den Zuzug vieler Familien im Verlagsviertel drastischen Zulauf erfahren. Dabei seien die meisten nichtdeutschsprachigen Kinder keine Flüchtlinge, sondern Kinder von Arbeitsmigranten. Für Staatssekretär Lösel setzt die Mornewegschule das Gesamtkonzept der Sprachförderung „absolut vorbildlich“ um. Denn sie biete nicht nur Intensivklassen und interkulturelle Projekte an, sondern auch Vorlaufkurse. Diese hatte die Landesregierung 2002 eingeführt, um Deutschdefizite bereits vor der Einschulung aufzufangen.

Die Mornewegschule kann vom Kindergarten bis zum Realschulabschluss an der Sprachförderung ihrer Schüler arbeiten. Allerdings hat die Schulleitung jetzt bei der Stadt beantragt, die Grundstufe abzukoppeln. Der Grund: Seit Jahren fehle dort eine Leitung, und dies sei mit der wachsenden Kapazität nicht zu bewältigen. Insgesamt seien die Lehrer überlastet, was aber nicht ausschließlich an der Sprachproblematik liege, wie eine Lehrkraft sagte, sondern auch an Inklusion und Verwaltungsarbeit.

„An den Ressourcen können wir nichts ändern“, sagte Susanne Haidu, Direktorin am staatlichen Schulamt. Hessen stehe aber, was die Grundversorgung angehe, sehr gut da. Man berate derzeit die Schulen intensiv, wie sie ihre Lehrerstunden besser verteilen könnten. Eine Schule wie die Mornewegschule erhalte überdies zusätzliche Lehrerstunden.

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