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Mal ganz real einen zwitschern

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Twitterer aus der Stadt und dem Umland treffen sich im realen Leben zum Austausch.

Ein Paar steht vor dem Traualtar. Nach dem Ja greift der Bräutigam in seine Hosentasche, zieht sein Handy heraus und ändert seinen Status bei Facebook auf verheiratet. Anstatt entsetzt zu reagieren, tut es ihm die Braut gleich. "Das Video hab' ich getwittert bekommen", erzählt ein Twitterer mit dem Usernamen oli61 und lacht. Der Softwareentwickler ist einer von rund 20 Darmstädtern und Darmstadtverbundenen, die am Freitagabend zu Darmstadts erstem Twittertreffen ins Lokal Wein-Schubert kamen.

Der Kurznachrichtendienst namens Twitter wurde 2006 von zwei Amerikanern vorgestellt und hat mittlerweile in Deutschland rund 1,8 Millionen Nutzer. Über das Internet oder sein Mobiltelefon setzt ein Nutzer Meldungen ab, die 140 Zeichen nicht überschreiten dürfen. Andere folgen ihm, das heißt sie erhalten die Nachrichten, können darauf antworten oder sie weiterleiten.

Oli61, dem 135 Menschen folgen und der selbst 116 Nutzern folgt, erfüllt ein Nutzer-Klischee, wie er zugibt. Er ist in der Computerbranche tätig, 40 Jahre alt, männlich, Single. Die Zahl 61 in seinem Usernamen stand früher auf seinem Football-Trikot. Er folge einem amerikanischen Spieler, der auch schon mal von der Bank während eines Spiels getwittert habe. Das macht Twitter aus: "Es ist ein schneller Hinweis auf etwas Brandaktuelles, das jetzt gerade passiert." Er setze aber nur eine Hand voll Nachrichten am Tag ab, lese mehr. Was er persönlich nie twittern würde: "Meine Gefühlswelt. Die bleibt bei mir."

Schreiben, was man macht

Twitterer en_hesse dagegen, der auch zum Treffen gekommen ist, setzt rund 100 Tweets am Tag ab. Seine Anhängerschaft liegt bei 1300 Nutzern. "Du bist schon extrem", sagt Kai-Piranha, einer seiner Follower. "Ich schreibe, was ich gerade tue. Wie´s mir geht", sagt en_hesse. Morgens zwischen 6 und 8 Uhr, abends und vor allem nachts, wenn er nicht schlafen kann, wenn privater Stress ihm zu schaffen macht.

Dass die Twitterer aus Darmstadt und Umgebung sich auch mal von Angesicht zu Angesicht treffen, geht an diesem Abend auf die Initiative von Karl-Heinz "Kalle" Mandl und Jan Schwarz zurück. Schwarz betreibt das Darmstädter Netzwerk "meinDA". Beide sind überzeugt, dass Twitter eine große Zukunft hat. "Twittern verbindet Menschen, sie können sich austauschen", erklärt Schwarz. Die Kurznachrichten sieht er als Ergänzung zur Information aus der Tageszeitung. Per Twitter erhalten viele auch Hinweise auf interessante Online-Artikel. Twitter sei ein Wegweiser.

Einer, der auch Gefahren birgt. Das Thema Datenschutz beschäftigt die Nutzer. Oli61 rät zur Vorsicht: Wer fröhlich twittert, dass er im Urlaub ist und seinen Wohnort bekannt gegeben hat, kann nach den Ferien eine böse Überraschung erleben. Auch Einbrecher verfolgen Twitter. (mbo)

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