Trotz Betonwüste: Natur erleben im Gemeinschaftsgarten. .Hoyer

Menschenskinder

Darmstadt: Gärtnern inmitten von Hochhäusern

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Beim Verein Menschenskinder, einer Anlaufstelle für Familien, lernen Kinder etwas über Nachhaltigkeit. 4000 Regenwürmer sind die neueste Errungenschaft.

„Da oben links ist einer“, ruft ein Kind begeistert. Tatsächlich: Zwischen altem Gemüse und vergammeltem Salat schlängelt sich ein kleiner grauer Regenwurm. 4000 an der Zahl sollen sich in dem bierkastengroßen Behälter befinden. Zusammen mit einer Kompostieranlage hat sie die Darmstädter Bauverein AG jetzt dem Verein „Menschenskinder – Werkstatt für Familienkultur“ gespendet. Dieser betreibt im Stadtteil Kranichstein ein Familienzentrum mit Kindertagesstätte. Neben der Integration von Gehörlosen ist ein wichtiger Schwerpunkt die Naturpädagogik, deswegen die Sache mit dem Kompost – die Kinder sollen Nachhaltigkeit erfahren.

Auf einem 4000 Quadratmeter großen Gelände, einer ehemals zugemüllten Brachfläche zwischen Hochhaussiedlungen unterhält der Verein einen Gemeinschaftsgarten. Der Bedarf hier im Stadtteil sei ein anderer als bei sonstigen Urban-Gardening-Projekten, sagt Christa Bauer. Die Biologin bietet Workshops zum Gärtnern und Selbermachen an. In der Nachbarschaft seien die Eltern oft beide berufstätig, hätten keine Zeit, selbst zu gärtnern. So sei aber die Nachfrage der Kinder groß, die zum „wilden Gärtnern“ gerne auf das Gelände kommen. Sie legen Hochbeete und Kräuterspiralen an, pflanzen Obstbäume und Beerensträucher oder toben sich aus. Und sie lernen Entstehungsprozesse kennen; weinen um jeden mutwillig umgeknickten Strauch. „Jeder, der vorbeikommt, darf sich was pflücken“, so Bauer. Viele haben hier erstmals Kontakt zu heimischen Gewächsen, die man essen kann.

Kräuter, Zwiebeln und Tomaten werden im dazugehörigen Café verbraucht. Hier wird das Essen für die Kita, aber auch für externe Essensgäste gekocht. Das ehemalige Hallenbad in der Siemensstraße 3a hat der Verein vor zwei Jahren begonnen umzubauen. Seit einem Jahr läuft dort der Cafébetrieb. Beheimatet ist hier auch eine Familienberatungsstelle, ein großer Bewegungsraum und eine Forscherwerkstatt. Zahlreiche Angebote von griechischen Tänzen bis Musik und Qigong gibt es für Erwachsene und Kinder. Viele richten sich auch speziell an Menschen mit psychischen Belastungen.

Gewerkelt wird auch im Freien. Jugendliche haben kürzlich einen „Dom“ aus den Latten eines Betts gebaut. „Dafür fehlt jetzt nur noch die Hülle“, sagt Bauer. Gleich daneben: eine Jurte, die allen und zu jeder Zeit offensteht. „Wäre sie abgeschlossen, würde sie sicher aufgebrochen werden“, sagt Bauer.

Seitdem Menschenskinder im Viertel aktiv ist, habe sich nach Gesprächen mit den Betroffenen auch die Dealerszene wegverlagert. Geblieben sei ein großes Müllproblem. „Deswegen bauen wir mit den Kindern Müllgreifer und sammeln alles ein“, sagt Bauer. Viele Kinder hier wüssten gar nichts von Mülltrennung.

Programm und Öffnungszeiten: www.menschenskinder-darmstadt.de

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