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Fußball als Chance

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Jonas Keim arbeitet mit Straßenkindern. Nun sucht er einen Nachfolger.
Jonas Keim arbeitet mit Straßenkindern. Nun sucht er einen Nachfolger. © Dirk Winter

Der 21 Jahre alte Mörfelder Jonas Keim engagiert sich im „Dorcas Boys Center“, einem Projekt für Straßenkinder, das Freude am Fußballspielen mit Bildung und beruflichen Perspektiven verbindet.

Sie brauchen keinen grünen Teppich, weder aus natürlichen noch aus künstlichen Grashalmen. Diese Jungs kicken auf einem staubigen Sandplatz – und haben Spaß dabei. Sie spielen Fußball im westafrikanischen Burkina Faso, genauer gesagt in Bobo-Dioulasso. Dort verbringt Jonas Keim aus Mörfelden-Walldorf seit September vergangenen Jahres ein freiwilliges soziales Jahr. Der 21 Jahre alte Mörfelder engagiert sich im „Dorcas Boys Center“, einem Projekt für Straßenkinder, das Freude am Fußballspielen mit Bildung und beruflichen Perspektiven verbindet.

Für Keim ist es nach einem USA-Aufenthalt schon die zweite längerfristige Auslandserfahrung. Diesmal „wollte ich von den Privilegien, die ich bisher genossen hatte, ein bisschen was zurückgeben“, erzählt er: „So kam ich auf Afrika.“ Er bewarb sich bei der Organisation „Kinderhilfe Westafrika“, wurde zu einem Kennenlern-Wochenende eingeladen – und erfuhr von dem Projekt in Burkina Faso. Die Verbindung von Fußball und Jugendarbeit reizte ihn, der seit seinem vierten Lebensjahr gepflegt wider den Ball tritt. Da nahm es Keim auch inkauf, dass in Burkina Faso Französisch gesprochen wird. Mit dieser Sprache hatte er sich in der Schule ziemlich schwer getan.

Nach bestandenem Abitur ging es im September vergangenen Jahres nach Bobo-Dioulasso. In der zweitgrößten Stadt des Landes wohnt Jonas Keim bei Pastor Moise Oubda und dessen Frau Elisabeth, den Triebfedern des Dorcas-Projekts, das auch aus einem 2001 eingerichteten Ausbildungszentrum für Mädchen besteht. Der Mörfelder hilft vor allem in der Organisation und Verwaltung des Jungenprojekts.

Außerdem hat Jonas Keim es mit ehemaligen Straßenkindern zu tun. Manche von ihnen sind Waise oder Halbwaise. Andere haben zwar Familien, die aber so arm sind, dass die Kinder zum Lebensunterhalt beitragen müssen. Etwa, indem sie auf Müllkippen nach Dingen stöbern, die sie verkaufen können. Oder, indem sie betteln oder stehlen.

Fußballverein gegründet

In diesem Milieu war Pastor Oubda vor vier Jahren, während der Anfänge des Jungenprojekts, unterwegs. Er sprach Straßenkinder an, ob sie Lust hätten, in einer neu gegründeten Fußballmannschaft mitzuspielen. Über diesen Umweg gewann er sie für eine Schul- und Berufsausbildung. Fußball spielt im Dorcas Boys Center auch heute noch eine wichtige Rolle. Vor einigen Monaten ist mit dem FC Dorcas sogar ein Fußballverein gegründet worden. Angeleitet von Jonas Keim und dem ebenso fußballbegeisterten Siebou Da trainieren die Jungs täglich. Vorbereitet auf diese Aufgabe hat sich Jonas Keim in der Fußballschule des SV Rot-Weiß Walldorf: „Dort habe ich sehr viele Tipps und auch ein Trainingskonzept bekommen“, sagt der Einundzwanzigjährige.

Aber noch viel wertvoller als das empfindet Keim eine Spendenaktion des SV Rot-Weiß, bei der eine komplette Fußballausrüstung für die Dorcas-Kicker zusammenkam. Auch finanzielle Unterstützung erfuhr Keim vom SV Rot-Weiß. „Das hat mir sehr, sehr geholfen“, sagt er vor dem Hintergrund, dass er sich seinen Auslandseinsatz selbst finanzieren muss.

Denn Burkina Faso wird vom Auswärtigen Amt als Krisengebiet eingestuft. Für Freiwilligendienste dort gibt es deshalb keine Gelder aus dem Bundesförderprogramm „weltwärts“.

Im August muss Jonas Keim seine burkinischen Fußballjungs verlassen, dann nämlich geht sein freiwilliges soziales Jahr zu Ende. Damit sie nicht ohne Trainer dastehen, sucht Jonas Keim einen Nachfolger für sich. Trainererfahrung sei nicht unbedingt notwendig: „Gesucht werden Motivation, Engagement und Fußballbegeisterung.“

Unterstützt werde sein Nachfolger (oder die Nachfolgerin) vom Leiter des Projekts, Siebou Da. Wer sich für ein Engagement als Freiwilliger interessiert und Näheres wissen möchte, kann sich direkt an ihn wenden (E-Mail jones.keim@hotmail.de) oder an Sarah Oeder von der Freiwilligenbetreuung der Kinderhilfe Westafrika (Telefon 0163 3018443). Informationen gibt es auch im Internet auf www.kinderhilfe-westafrika.wordpress.com. (dirk)

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