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Aus für's Musikland

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Axel Mertink und zwei Relikte.
Axel Mertink und zwei Relikte. © Roman Grösser

"Uli's Musicland" schließt nach mehr als 30 Jahren. Wie in so vielen Fällen, so hat auch diesmal der Internethandel mit Musik einen realen Laden kaputtgemacht. Und die Hüfte des Chefs macht auch nicht mehr mit.

Staubflocken fliegen hoch beim Blättern durch CDs und Platten, Fingerspitzen färben sich graubraun vom Dreck. Die kultverdächtige Wendeltreppe nach unten knirscht, quietscht und wackelt wie eh und je, doch auch drumherum ist einiges in die Jahre gekommen in Uli’s Musicland. Nun schließt der Plattenladen in der Darmstädter Helia-Passage nach mehr als 30 Jahren zum Monatsende.

Der Ausverkauf läuft längst, ein Großteil des Bestandes ist bereits abgegrast. „14 Tage sind wir noch da, dann gehen hier die Lichter aus“, sagt Musicland-Chef Axel Mertink zu dem Paar, das gerade einen Schwung Tonträger bei ihm bezahlt. „Schad’ drum“, findet der Mann. „Ja, e bissje schad’“, pflichtet Mertink bei. Es klingt arg einschränkend, doch er setzt nach: „E bissje Wehmut ist schon dabei.“

Wie ein Dinosauerier

Wie der Dinosaurier einer wegsterbenden Branche sitzt der 57 Jahre alte Plattenladen-Inhaber hinter der Verkaufstheke. Haupthaar und Vollbart sind ergraut, aber vor allem macht die Hüfte nicht mehr mit.

Das nennt Mertink als Hauptgrund für das Aufhören. Er kommt kaum aus seinem Stuhl hoch, wenn er aus dem Regal hinter sich mal eine CD herausfingern muss. Doch der Tonträgerverkauf war ohnehin nicht mehr das Hauptgeschäft in Uli’s Musicland, benannt nach Mertinks inzwischen verstorbenem Bruder, der den Laden Ende der 70er Jahre eröffnet hatte. „Das lohnt sich nicht mehr“, befindet Axel Mertink. Es sei einfacher, Musik übers Internet zu beziehen als dafür in die Stadt zu fahren und auch noch Parkgebühren zu bezahlen. Neue Scheiben gab es bei ihm nur noch auf Bestellung.

Stattdessen hat Mertink verstärkt auf Kartenvorverkauf gesetzt. „Aber das ist durch das Internet auch rückläufig gewesen“, stellt der Bickenbacher fest. „Da macht es nicht mehr viel Sinn, hier rumzusitzen. Davon wird die Hüfte auch nicht besser.“ Viele werden vermissen, wie er da stets hinter seinem Tresen gehockt hat – selbst die, die schon Jahre nicht mehr gekommen sind. (aw.)

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