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Fünf Sterne sollen es sein

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Das Welcome-Hotel ist eines der 4-Sterne-Häuser in Darmstadt.
Das Welcome-Hotel ist eines der 4-Sterne-Häuser in Darmstadt. © Claus Völker

IHK fordert Hotel der Top-Kategorie / Dehoga: Schlechte Auslastung am Wochenende.

Die Hotellerie in Darmstadt zählt 4610 Betten, doch kein einziges 5-Sterne-Hotel. „Aber es wäre gut, eines zu haben“, sagt Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Darmstadt (IHK). Ob es wirtschaftlich zu betreiben wäre, müsse allerdings ein Investor bewerten. Viel wichtiger sei allerdings ein weiteres 4-Sterne-Hotel. Die derzeitigen Kapazitäten reichten nicht aus, um die Tagungsgäste des Kongresszentrums (Darmstadtium) aufzunehmen. Vetterlein ist sich sicher, dass er mit der Forderung auch für Großunternehmen wie Merck spricht. Der Mangel werde noch größer, weil die Telekom ihr Tagungshotel in Darmstadt schließen werde.

Der Vorsitzende des Darmstädter Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Reiner Heiß, sieht grundsätzlich auch einen Bedarf, aber ebenso ein Dilemma. Dadurch, dass das Telekom-Tagungshotel schließen soll, das Contel-Hotel Flüchtlinge unterbringe und das Maritim Rhein-Main am Kavalleriesand möglicherweise aufgegeben werde, fehlten Betten. Ein weiterer Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten könne auf Darmstadt zukommen, wenn die Stadt die Privatvermietung – wie jetzt in Berlin geschehen – einschränkt. Nach einer zweijährigen Übergangszeit will die Bundeshauptstadt die Zweckentfremdung von Wohnraum nun mittels harter Bußgelder stoppen. Internetportale wie Airbnb, die private Wohnungen an Fremde vermitteln, dürften es fortan schwerer haben.

In Darmstadt gebe es heute schon mehr Privat- als gewerbliche Übernachtungen, sagt Heiß. Doch mehr Hotelbetten schafften auch Probleme: Mitnichten seien die Hotels die ganze Woche ausgebucht. Der Dienstag und der Mittwoch seien stark gefragt, so Heiß. Aber am Wochenende seien die Leerstände groß. Besonders kleine Häuser hätten Mühe, das wieder über erhöhte Zimmerpreise zu Messezeiten hereinzuholen. Der Inhaber des Hotels und Restaurants Bockshaut sieht die Schwierigkeit, Darmstadt als Übernachtungsstadt für Touristen zu vermarkten.

Heiß verweist auf zehn Millionen Tagesgäste pro Jahr in Darmstadt, allerdings blieben die meisten nicht über Nacht. Er nennt dies einen „punktuellen Tourismus“, etwa die Wissenschaftstouristen, die sich für das Raumfahrtzentrum interessierten oder die Besucher der Mathildenhöhe. Eine erfolgreiche Bewerbung zum Weltkulturerbe könne das Image der Stadt weiter heben.

Heiß kann sich schon vorstellen, dass eine renommierte Hotelkette mit einem 4-Sterne-Haus neue Besuchergruppen anziehen könnte. Ob sich aber ein 5-Sterne-Hotel in Darmstadt lohnt, daran zweifelt der erfahrene Hotelier. „Die großen Hotelketten haben das sicher schon analysiert.“ Geschäftskunden hätten eher einen Bedarf an 3- oder 4-Sterne-Hotels, weil Arbeitgeber andere Übernachtungskosten nicht erstatteten (Dienstreiseregelungen). Und da bliebe noch die Frage: Wo soll ein 5-Sterne-Hotel stehen? Freie Flächen in ansehnlicher Kulisse seien rar.

Auch die Stadt bleibt auf Nachfrage die Antwort schuldig, wo genau noch Flächen für eine Hotelbebauung zu nutzen wären. Und das hat einen Grund: „Die Herausforderung in der konkreten Standortwahl besteht dabei in einem bekanntermaßen prosperierenden Immobilienmarkt darin, dass die

Hotelnutzung sich gegenüber dem derzeit renditestärkeren Wohnen, aber auch gegenüber Büroprojekten durchzusetzen hat“, heißt es in der Antwort der Stadt.

Kurzum: Für Hotelbebauung sind nicht die gleichen Grundstückspreise wie für Wohnen zu erzielen. Jedoch sei der Bau eines weiteren Hotels wünschenswert, so die Rathauspressestelle. Die Auslastung des Darmstadtiums, die günstige Entwicklung von Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch die wachsende Bedeutung für Kulturreisende sprächen für eine Kapazitätserweiterung der Hotelbetten. Den Bedarf eines 5-Sterne-Hauses sieht die Stadt Darmstadt nicht: „Die Beobachtung zeigt, dass der Markt eher zu 3-Sterne-Superior bis maximal 4-Sterne neigt.“ Und zudem weist die Stadt darauf hin, dass das Hotel Jagdschloss Kranichstein ein 4-Sterne-Superior-Haus ist – also kurz vor den fünf Sternen. (ers)

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