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Führungen, Briefe und letzte Zeugen

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Kommunen erinnern an die Pogromnacht vor 75 Jahren

Als am 9. und 10. November 1938 in Deutschland die Synagogen brannten und jüdische Geschäfte geplündert wurden, war das erst der Auftakt zu einem beispiellosen Verbrechen, dem bis zum Ende der NS-Herrschaft Millionen europäische Juden zum Opfer fielen. 75 Jahre danach erinnern auch im Kreis Offenbach zahlreiche Gedenkfeiern an die Reichspogromnacht.

In Dreieich zeigt noch bis zum 10. November eine sehenswerte Ausstellung im Dreieich-Museum auch an lokalen Beispielen, mit welch perfiden Mitteln die Finanzämter Juden enteigneten und entrechteten – alles ganz „legal“ und mit Zustimmung der nicht-jüdischen Nachbarn.

Mit einem Gottesdienst um 10 Uhr in der Burgkirche, einer Lesung aus unveröffentlichten Briefen zur Pogromnacht mit Helge Heynold vom Hessischen Rundfunk um 11 Uhr und einer abschließenden Führung um 15 Uhr endet die Ausstellung.

Auf dem jüdischen Friedhof in Sprendlingen gedenken Dreieichs Stadtverordnetenvorsteherin Renate Borgwald (SPD), der Magistrat, die Stadtverordneten und der Ausländerbeirat am 10. November um 14 Uhr der Opfer des Nationalsozialismus. Im Anschluss an die Feier führt Hans-Ludwig Schäfer zu ausgewählten Häusern und öffentlichen Gebäuden jüdischer Kultur. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Interessierte werden gebeten, sich unter der Nummer 0 61 03/ 60 11 94 anzumelden.

Eine Überlebende erzählt

In Langen berichtet Ex-Stadtarchivar Herbert Bauch morgen Abend um 19.30 Uhr im Kulturhaus Altes Amtsgericht, Darmstädter Straße 27, über das Pogrom und seine Vorgeschichte. Die Holocaust-Überlebende Edith Erbrich erzählt am Freitag, 8. November, 17 Uhr, im Dreieich-Gymnasium, Goethestraße 6, von ihrer durch die Schikanen der Nazis geprägten Kindheit in Frankfurt und dem Überlebenskampf im Konzentrationslager.

Der Langener Magistrat erinnert am 9. November, 18 Uhr, gemeinsam mit Schülern des Dreieich-Gymnasiums an die Pogromnacht. Ort der Feier ist die Gedenkstätte an der Dieburger Straße 23, wo bis zu ihrer Zerstörung vor 75 Jahren die Langener Synagoge stand. Am Sonntag, 10. November, 14 Uhr, führt Herbert Bauch zu den noch heute im Stadtbild vorhandenen Spuren jüdischen Lebens, verbindliche Anmeldung unter der Rufnummer 0 61 03/91 04 60 oder per E-Mail an vhs@langen.de. Am Mittwoch, 13. November, 19 Uhr, lesen in der Stadtbücherei Renate Goldbach, Gaby Klein und Rosemarie Steffens aus der Frauenchronik „Lila Langen“.

In Neu-Isenburg wurde am 10. November 1938 das renommierte, 1907 von Bertha Pappenheim gegründete Heim des jüdischen Frauenbundes verwüstet. Am kommenden Sonntag, 10. November, erinnern die Stadt, die evangelisch-reformierte Gemeinde und der Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur an die Frauen und Kinder aus dem Heim „Isenburg“. Treffpunkt für die Kranzniederlegung um 17 Uhr ist das Mahnmal „Versöhnungstor“ vor der evangelisch reformierten Kirche am Marktplatz, danach geht es weiter am Mahnmal vor dem Rathaus in der Hugenottenallee 53 (17.20 Uhr) und anschließend am ehemaligen Heim des Jüdischen Frauenbundes, Zeppelinstraße 10 (17.40 Uhr).

Um 18 Uhr laden die Veranstalter in der Seminar- und Gedenkstätte Bertha Pappenheim zu einem Podiumsgespräch mit der Zeitzeugin Trude Simonsohn ein. Simonsohn, die 1921 in Olmütz zur Welt kam, überlebte mehrere Konzentrationslager. 1955 zog sie mit ihrem Mann nach Frankfurt, wo sie bei der jüdischen Gemeinde arbeitete. Mit 90 Jahren schrieb Simonsohn zusammen mit der Sozialwissenschaftlerin Elisabeth Abendroth die Erinnerungen an ihr ereignisreiches Leben auf. Der Titel des daraus entstandenen Buches: „Noch ein Glück“. (aph)

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