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Füchse als Gefahr für Jungtiere

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Auch weil Fuchsräude und Staupe im Rhein-Main-Gebiet aufgetreten sind, wollen die Jäger zur Fuchsjagd blasen.
Auch weil Fuchsräude und Staupe im Rhein-Main-Gebiet aufgetreten sind, wollen die Jäger zur Fuchsjagd blasen. © picture alliance / dpa

Jäger sorgen sich um Hase und Kiebitz / Empörung über Ministerin.

Die Jäger im Kreis Groß-Gerau sind außer sich. Sie befürchten, dass ein Großteil des sogenannten Niederwildes den Sommer nicht überlebt, und haben das Landwirtschaftsministerium um Hilfe gebeten. Von dort gibt es allerdings keine Antwort.

Hintergrund ist die neue hessische Jagdverordnung, die Füchse vom 1. März bis 15. August generell unter Schutz stellt. Damit haben sie in Hessen eine längere Schonzeit als in jedem anderen Bundesland. Manche der sogenannten Prädatoren, die sich vom Fleisch anderer Tiere ernähren (wie Baummarder oder Iltis), dürfen überhaupt nicht mehr bejagt werden.

Der Vorsitzende des Kreisjägervereins Groß-Gerau, Hansjörg Miller, und sein Vorstandskollege Johann Siegl, haben im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert, weshalb die neue Schonzeitenregelung fatale Folgen haben kann: Die langen, heftigen Regenfälle im Kreis Groß-Gerau haben Äcker und Wiesen überschwemmt und Hasen und Vögeln, die am Boden brüten, schwer zugesetzt. „80 Prozent der Junghasen und Bodenbrüter-Gelege sind während der katastrophalen Regenperiode im Ried regelrecht abgesoffen oder an Unterkühlung gestorben“, berichtet Miller. Deshalb müsse der Restbestand intensiv vor Fressfeinden geschützt werden – insbesondere vor dem Fuchs.

Wer überlebt hat, ist in Gefahr

Fasanengelege seien entweder aufgegeben worden, weil sie im Wasser standen, oder werden durch Raubwild stark dezimiert. Gleiches gelte für Rebhühner, Wachteln und Kiebitze im gesamten Kreis Groß-Gerau. Tiere, die das schlechte Wetter überlebt haben, indem sie sich auf höher gelegene Landinseln gerettet haben, sind dort nach Millers Schilderung für Raubwild ein gefundenes Fressen. Der Kreisjägerverein hat deshalb bei der Ministerin für Umwelt und Landwirtschaft, Priska Hinz (Grüne), eine Ausnahmegenehmigung beantragt.

Auf Vorschlag der Jäger sollten Füchse bereits seit dem 1. Juli wieder bejagt werden dürfen. Dann hätte mit Beginn der Mahd und Getreideernte damit begonnen werden dürfen. Denn, so schreibt Miller in einem Brief an Ministerin Hinz: „Die Jungfüchse jagen bereits selbstständig, und so wird es, sobald die Mähmaschinen und Mähdrescher laufen, für Junghasen, Fasanen, Rebhuhn und Kiebitzküken ein Kampf ums nackte Überleben.“

Pflicht der Jäger zur Hege

Miller erinnert an Paragraf 1 des Bundesjagdgesetzes, in dem die Pflicht der Jäger zur Hege geregelt ist. Das Ziel der Hege ist „die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen“. Dazu gehöre auch die Bejagung von Raubwild, das bedrohte Arten frisst. In Baden-Württemberg ist nach Darstellung Millers aus diesem Grund die Jagd auf Jungfüchse bereits zum 1. Mai möglich.

Am 26. Juni hatte der Kreisjägerverein den Antrag auf Aussetzung der Schonzeiten von Raubwild bei Ministerin Hinz gestellt; bis heute gibt es laut Miller keine Antwort. Hinz habe den Antrag lediglich an die Leiter der Hegegemeinschaften im Kreis Groß-Gerau zur Stellungnahme weitergereicht. Dabei ignoriere die Ministerin, „dass die Hegegemeinschaftsleiter automatisch auch Vorstandsmitglieder im Kreisjägerverein sind und somit meinen Antrag mitgetragen und unterstützt haben“, erklärt Miller. Er vermutet, dass Hinz das Problem aussitzen will – in zehn Tagen endet die Schonzeit ohnehin.

Die Jäger haben einen weiteren Grund, zur Fuchsjagd zu blasen: Fuchsräude und Staupe sind im Rhein-Main-Gebiet auf dem Vormarsch. Die Fuchsräude sei im Juni im Kreis Groß-Gerau aufgetreten und könne – auch ohne direkten Kontakt – Haustiere und Menschen befallen. Deshalb sei es nötig, die Zahl der Füchse zu dezimieren und die Ansteckungskette zu unterbrechen. (ers)

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