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Einmal pro Woche spielen und toben die Kinder mit ihren Tagesmüttern im Familienzentrum.

Darmstadt

Das Frühstücksnetzwerk

In Wixhausen treffen sich acht Tagesmütter regelmäßig samt ihren Betreuungskindern.

Es ist Frühstückszeit: Geduldig sitzen die elf Kinder zwischen einem und drei Jahren auf Mini-Stühlchen um den Tisch herum und beobachten gespannt, wie Sabrina Hund einen Teller mit Apfelstückchen und klein geschnittenem Laugengebäck in die Mitte stellt. Losgegessen wird aber erst nach dem gemeinsamen Morgenritual – alle halten sich an den Händen und sagen einen Reim auf, der mit „Piep, piep, piep – guten Appetit“ endet. Sieht nach einem ganz normalen Morgen in einer Kinderkrippe aus – ist es aber nicht.

Die elf Kinder werden normalerweise in viel kleineren Gruppen betreut. Nicht in einer Kita, sondern in Familien zu Hause. Und die Erwachsenen, die an diesem Morgen so einträchtig beisammensitzen, sind keine Erzieherinnen, sondern Tagesmütter. Das heißt, sie betreuen bis zu fünf Kleinkinder in der Regel in den eigenen vier Wänden.

Nicht einfach so nach Gusto: Sie alle haben das Bundeszertifikat Tagespflege und damit mindestens 160 Stunden Unterricht sowie schriftliche und mündliche Prüfung absolviert. Hinzu kommen regelmäßige Fortbildungen. Auf eben so einer Schulung kam den acht Wixhäuser Tagesmüttern kürzlich die Idee, dass sie sich doch eigentlich enger vernetzen könnten – und die Kinder, die sie jeweils betreuen, gleich mit.

Aus der Idee wurde schnell Realität: Einmal pro Woche treffen sich Sabrina Hund, Eva-Maria Ertl, Nadine Donger und vier weitere Kolleginnen aus dem Stadtteil im Familienzentrum an der Verdistraße, direkt neben der Kindertagesstätte „Villa Kunterbunt“. Zur Verfügung gestellt werden die Räume von der Stadt. Nicht jede Woche ist jeder dabei, „dann würde es hier auch zu voll werden“, sagt Hund.

2009 hat die Stadt mit einer neuen Satzung die Individualbetreuung mit Kindertagesstätten gleichgestellt. Das heißt konkret: Bis dato hatte die Stadt die Kosten für die U3-Kinderbetreuung nur übernommen, wenn das Kind in einer Krippe untergebracht war. Eine Tagesmutter oder einen Tagesvater konnte sich nur leisten, wer genug Geld hatte. Seit der Gesetzesänderung rechnet die Stadt direkt mit der Betreuungsperson ab, egal ob Kita oder Tagespflege.

Nur eine Bezugsperson

Die Eltern entrichten einen monatlichen Beitrag (je nach Zahl der Betreuungsstunden zwischen 54 und 162 Euro im Monat). Bei Erziehungsberechtigten mit geringem Einkommen kann dieser Beitrag reduziert werden oder fällt ganz weg. Anspruch auf die Förderung haben Kinder, die in Darmstadt gemeldet sind. Die Eltern müssen berufstätig oder in einer Ausbildung sein.

Für die Tagespflege würden sich Eltern oft bewusst entscheiden, da sie die flexibleren Betreuungsmöglichkeiten – teils auch über Nacht oder am Wochenende – sowie das familiäre Umfeld schätzen, sagt Sabrina Hund. „Außerdem haben die Kinder, anders als in einer Kita, nur eine Bezugsperson.“ Manche Kinder kämen mit einem ständigen Wechsel der Betreuerinnen nicht gut zurecht.

Während ihrer regelmäßigen Treffen im Familienzentrum werden die acht Tagesmütter auch gespannt die Entwicklung der neuen Krippe für Unter-Dreijährige beobachten, die derzeit an der Falltorstraße 1 entsteht. Wie sich dieses neue Angebot auf ihre Arbeit auswirken wird, ist noch offen. (mmi)

Bei Fragen steht die Tageseltern-Tageskinder-Vermittlung des Hausfrauenbundes zur Verfügung, Hügelstraße 28, Telefon: 06151 9512512, E-Mail: anfrage@ tageselternvermittlung.de.

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